ZDF-Doku Hochzeit mit Prinz Quereinsteiger

Victoria von Schweden (Foto)
Verliebt, verlobt und bald verheiratet: Kronprinzessin Victoria und Daniel Westling. Bild: dpa

Von news.de-Redakteur Christian Vock
Es wird die Hochzeit des Jahres. Kronprinzessin Victoria von Schweden und ihr Daniel geben sich am 19. Juni das Ja-Wort. Die ZDF-Doku Ein Prinz für Victoria begleitet den Weg der beiden bis zur Verlobung. Bekannte Bilder in bekannter Guido-Knopp-Manier.

Da sitzen sie nun. An diesem 24. Februar 2009. Auf einem Sofa im königlichen Palast und strahlen der Journalistenschar entgegen. Der Hofmarschall hatte zur Pressekonferenz in den königlichen Palast geladen. Er, ein wenig schüchtern, sie routiniert, aber doch aufgeregt, denn was die beiden den versammelten Journalisten und der Welt mitzuteilen haben, ist keine Selbstverständlichkeit: Sie, Kronprinzessin Victoria von Schweden und er, Daniel Westling, werden heiraten.

Doch bis dahin war es ein langer Weg. So zumindest erzählt es die Dokumentation Ein Prinz für Victoria aus der neuen ZDF-Doku-Reihe Königliche Hochzeit. Denn der junge Mann aus Ockelbo war nicht gerade der Wunschkandidat des schwedischen Könighauses. Das Bild, das Julia Melchior und Sebastian Dehnhardt in ihrer Dokumentation zeichnen, ist das des ehrlichen und freundlichen jungen Mannes, der einfach das Problem hat, nicht standesgemäß zu sein.

Victoria von Schweden
Familienglück im Königshaus

Der nette Kerl aus Ockelbo

Westling ist das, was man wohl als netten Kerl bezeichnen würde. Geboren im 6000-Seelen-Kaff Ockelbo, 200 Kilometer nördlich von Stockholm. Der Vater Beamter, die Mutter Postangestellte. 2001 lernt er die schwedische Thronfolgerin in einem seiner  Nobel-Fitnessstudios kennen, die er sich in der Hauptstadt aufgebaut hat. Die adlige Kundin bedient der Chef persönlich: Westling wird zunächst Victorias Personaltrainer, später ihr Freund und wichtiger Unterstützer während ihrer Magersucht und schlussendlich der Geliebte. 2002 macht das Paar seine Liebe öffentlich. Zumindest ein kleiner Skandal im sonst so sauberen Schweden: Ein Bürgerlicher will die Prinzessin heiraten. Die Bernadottes sind sonst die Langweiler unter den Königshäusern. Hier läuft niemand mit Nazi-Kostümen herum oder macht gefährliche Extremsportarten. Die einzigen Schlagzeilen, die man bislang aus dem Norden vernahm, war die Magersucht von Victoria.

Nun also soll wieder ein gemeiner Untertan in die Königsfamilie einheiraten. Manch einer scheint das bis heute nicht verwunden zu haben, so wie der Royalist Henric Ankarcrona, für den Wörter wie Herkunft noch eine Bedeutung haben: «Wenn jeder jetzt Prinz werden kann, verliert die Monarchie ihre Symbolkraft», erklärt er vor der Kamera über die Gefahr für die Monarchie, die von Westling ausgeht. Auch König Carl Gustav ist zunächst skeptisch, und in der Tat bleibt Daniel Westling bei öffentlichen Auftritten außen vor. Doch Victoria hält an ihrem Daniel fest, was Sprecher Gunter Schoß über die bevorstehende Hochzeit zu einem Satz wie diesem verleiten lässt: «Dieser Bund wird aus wahrer Liebe geschlossen.»

Eine Familie von Quereinsteigern

Ohnehin scheint die Dokumentation die Bilder des Könighauses bestätigen zu wollen, die man ohnehin schon aus den Medien kennt. Die Superkönigin Silvia, die brave Vitcoria und der erfahrene König Carl Gustav. Eine perfekte Familie. Das Ikea unter den Königshäusern. Dazu der rücksichtsvolle Daniel, der sein Leben als Geschäftsmann für seine große Liebe aufgibt und sein Ego ganz uneigennützig zurückstellt. Viel Neues erfährt man dabei aber nicht. Einige Insider der Monarchie dürfen zu Wort kommen, wie die Hofberichterstatterin Jenny Alexandersson, der Hofmarschall a.D. Ingemar Eliasson oder eine alte Jugendfreundin Daniels. Alles im bewährten Guido-Knopp-Stil. Und auch der geschichtliche Bogen wird pflichtgemäß gespannt und in Schauspielszenen veranschaulicht.

Die Bernadottes nämlich waren von Anfang an adelige Quereinsteiger. Urahn Jean-Baptiste Bernadotte, ein bescheidener Marschall Napoleons, wurde einst vom Schwedenkönig Karl XIII mangels Thronfolger adoptiert. Im Anschluss durfte nur noch mit Erlaubnis des Königs geheiratet werden, um der Monarchie die nötige adlige Akzeptanz zu verschaffen. Diese Akzeptanz war Anfang der 1970er auch in Schweden gering, die Monarchie unter Druck und das Königreich «nur eine Unterschrift von der Republik entfernt.» Da kam plötzlich diese junge Deutsche Silvia Sommerlath und lächelte die Bedenken hinweg, hauchte der Monarchie mit ihrem Charisma neues Leben ein. Die Schweden liebten ihre neue Königin.

Die anstehende Hochzeit von Victoria und Daniel könnte die Geschichte wiederholen. Entsprechende Hoffnungen gibt es bereits: «Ein Bürgerlicher hilft der Monarchie in Schweden zu neuer Popularität.» Dass in Zeiten der Finanzkrise zwei Millionen Euro für eine königliche Hochzeit ausgegeben werden, sorgte in Schweden für Verwunderung. Inzwischen sind die kritischen Stimmen angesichts der Vorfreude auf die Hochzeit zwischen Victoria und ihrem bürgerlichen Daniel weitestgehend verstummt.

Auch die Dokumentation will sich nicht wirklich mit der Frage auseinandersetzen, wie zeitgemäß ein solches Riesenereignis im Allgemeinen und eine Monarchie im Besonderen ist. Sie belässt es bei dem Statement des einstigen Hofmarschalls, dass Schweden von der Hochzeit auf lange Sicht profitieren wird: «Das ist ein gutes Geschäft für unser Land», wittert Eliasson und fügt hinzu: «Vor allem ist es eine große Liebesgeschichte.» Von so viel Romantik inspiriert, greift Sprecher Schoß am Ende dann nochmal ganz tief in die Sprüchekiste: «Es ist nicht die Herkunft, die Charakter ausmacht» Vielen Dank, wussten wir noch nicht. Amen.

Königliche Hochzeit Teil 1: Ein Prinz für Victoria, 8. Juni, 20.15 Uhr, im Ersten

car/news.de

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