Pater Castell «Für ihn sind das alles Ketzer»

Pater Castell (Foto)
Dem Täter auf der Spur: Marie Blank (Christine Döring) und Pater Castell (Francis Fulton-Smith). Bild: ZDF

Von news.de-Redakteur Florian Blaschke
Ein Amish liegt erschlagen in einer katholischen Dorfkirche. Das macht keinen guten Eindruck, findet der Vatikan und schickt Pater Castell in die schwäbische Diaspora. Dort stößt er nicht nur auf eine Mauer des Schweigens, sondern auch auf ein ziemlich altes Geheimnis.

Von Rom ins Augsburger Land, für Pater Castell ein Katzensprung. Wann immer der Vatikan Hilfe braucht, wann immer es ein Verbrechen gibt, das an der katholischen Fassade zu kratzen droht, ist Castell (Francis Fulton-Smith) zur Stelle. Und nachdem er zuletzt gleich die ganze Institution vor dem Bösen bewahrt hat, muss er nun in Das Geheimnis der letzten Tage wieder im Kleinen wirken und Seelen retten, wenn auch keine katholischen. Denn der Katholik, das ist in diesem Fall der Dorfpfarrer. Und der steht unter Mordverdacht.

«Der Pater hat in guter, katholischer Tradition einen Ketzer umgebracht?», fragt der verschmitzte Polizist und Kollege von Kommissarin Marie Blank, Jens Deißmann (Ercan Durmaz). Doch so ganz abwegig ist dieser Verdacht nicht, hat Pfarrer Wegener doch vor einigen Jahren noch Andersgläubigen von der Kanzel herab das Fegefeuer versprochen. Und der Tote, den der Pfarrer im Morgengrauen aus seiner Kirche schleppen wollte, der war ein Amish. «Für ihn sind das alles Ketzer», sagt Castell. «Ich würde für ihn nicht meine Hand ins Feuer legen.»

Pater Castell
«Das Geheimnis der letzten Tage»

«Ein Amish tötet nie. Unter keinen Umständen»

Also führt der erste Weg Castell und Blank (Christine Döring) natürlich in die abgelegene Siedlung der Amish, in die sie erst vor kurzem aus den USA übergesiedelt sind. Doch dort schlägt man den beiden Ermittlern schon die Tür vor der Nase zu, wenn sie nur den Namen des Toten erwähnen. Wenigstens der Vorsteher Aaron Bullinger (Andreas Schmidt-Schaller) spricht mit den beiden und verrät ihnen: Streit habe es mit dem Toten gegeben, woraufhin er aus der Gemeinschaft verstoßen worden sei. Doch «ein Amish tötet nie. Unter keinen Umständen».

Doch was hatte der junge Mann überhaupt in einer Kirche zu tun? Ausgerechnet auch noch in einer katholischen? Und was war der Grund für Bullingers Ausschluss von den Amish, nach dem er auf den Gutshof seines Freundes Adrian Herrenberg (Max Urlacher) zog? Doch vielleicht liegt ja das Mordmotiv gar nicht beim Pfarrer oder den Amish selbst. Vielleicht war ja einer der Einheimischen der Täter? Schließlich sind die Amish nicht gerade beliebt in dem kleinen Dorf. «Wir wollen nicht zu ihrer Welt gehören», erzählt einer von ihnen. «Das verstehen die meisten nicht.» Oder hatte Bullinger sich zu sehr für die Geschichte der Amish interessiert und etwas herausgefunden, was ihn das Leben gekostet hat?

«Geduld ist ein bitterer Samen»

Castell und Blank jedenfalls kommen in diesem Fall irgendwie nicht weiter. «Geduld ist ein bitterer Samen», zitiert Castell ein afghanisches Sprichtwort. «Nur die Früchte sind süß.» Was so auch für die Zuschauer der Pater-Castell-Reihe gelten könnte. Vor allem nämlich tut es dieser Krimireihe gut, dass sie nach dem Pilotfilm der vergangenen Woche wieder zu den gewohnten 45-Minütern zurückkehren muss, dass Regisseur Axel Barth und seine Drehbuchautoren, auch wenn es seine Zeit gebraucht hat, ganz offensichtlich zu ihrem Stil gefunden haben.

Mit den Requisiten zwar hätte sich Szenenbildner Oliver Hoese etwas mehr Mühe geben können – die Pergamente etwa, die Pater Castell im Zimmer von John Bullinger findet, sehen doch etwas zu sehr nach Schreibwarenladen aus –, doch der Plot ist knackiger, straffer als zuletzt, die Atmosphäre stimmig und dicht, die Darsteller ausgesprochen gewissenhaft gecastet. Einzig Andreas Schmidt-Schaller ist zu sehr geprägt von seiner Rolle als Soko-Leipzig-Chef, man bekommt ihn einfach nicht aus dem Kopf, diesen Hajo Trautzschke, da hilft auch der für die Amish typische Bart nichts.

Zwar gehen die Quoten von Pater Castell ganz langsam bergab, von 4,25 Millionen Zuschauern im Oktober über 3,22 Millionen im November bis zu den fast schon enttäuschenden 2,81 Millionen vor drei Wochen. Diese Folge jedoch macht Hoffnung, dass sich das bald wieder umkehren könnte. Ein wenig Feinschliff noch und Pater Castell ist wirklich sehenswerte Fernsehunterhaltung.


Ihr Auftrag, Pater Castell – Das Geheimnis der letzten Tage, Donnerstag, 27. Mai. 20.15 Uhr, ZDF.

car/ivb/news.de

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