Böses Erwachen Der Macho stirbt nicht aus

Böses Erwachen (Foto)
Lisa Martinek spielt Birgit, die fürsorgliche Ehefrau, und füttert den treulosen Gatten, Uwe Ochsenknecht. Doch die Idylle trügt. Bild: ZDF/Oliver Roth

Von news.de-Redakteurin Claudia Arthen
«Sachen gibt’s, die gibt’s gar nicht.» Der Satz fällt auffallend oft im ZDF-Film Böses Erwachen - als wunderten sich die Darsteller selbst, in welch abstruse Geschichte sie geraten sind. Für Uwe Ochsenknecht wird's bitter: Als treuloser Ehemann erlebt er sein blaues Wunder.

Alles ist perfekt bei den Eheleuten Amberg: Das Haar sitzt, das Lächeln auch, das goldbraune Brot hüpft aus dem Toast, synchron greift das Paar danach und wirft einander zum Frühstück vor heimischer Gartenpoollandschaft Freundlichkeiten zu.

Doch die Idylle ist trügerisch. Gatte Frederik hat ein lüsternes Laster: Während seine Violine spielende bessere Hälfte Birgit im Symphonieorchester allabendlich dem Konzertfinale entgegengeigt, rammelt er sich mit seiner Geliebten zum Orgasmus. Das gedoppelte Crescendo, hier Vivaldi, dort Gestöhne, entspricht dem Erzählprinzip dieses filmischen Beziehungsreigens, in dem es stets zu einer Duplizität von Ereignissen kommt.

Natürlich fliegt das Spiel auf, die sonst wohlgesittete Ehefrau Birgit kennt kein Pardon und stößt den Wilderer vom Balkon. Von da an hat Uwe Ochsenknechts Frederik lange nichts mehr zu sagen. Während er im Koma liegt, muss sich die Betrogene ein Alibi verschaffen. Wie praktisch, dass ausgerechnet Frederiks Geliebte Ilona erst Birgits Auto stiehlt und dann bei einer Verfolgungsjagd ihren vor Eifersucht rasenden Rüppelgatten (Johannes Krisch) mit dem Wagen rammt. Wenig später wird sie die bunten Blümchen auf dessen Grab zurechtzupfen und mit Birgit Pläne schmieden, um den Verdacht von sich abzulenken.

Ganz schön schräg
Böses Erwachen für einen Ehebrecher

Tiefschwarz und ein wenig versponnen ist diese Komödie, die Autor Detlef Michel geschrieben und Regisseur Urs Egger mit viel Verve inszeniert hat. Das soll auch so sein. Denn Egger setzt ganz auf einen Kolportageplot, der auch aus den 1960er Jahren stammen könnte. Und auf das komödiantische Talent seiner Darsteller.

Lisa Martinek ist die vornehme Rächerin Birgit, die nach einer herben Enttäuschung schnell zur emanzipierten Powerfrau mutiert. Mit maßgeschneiderten Kostümen und Lederhandschuhen wickelt sie den ermittelnden Kommissar (drollig: Max von Thun gibt den tapsigen Polizisten mit Hornbrille und Schnauzbart) zum Ärger seiner misstrauischen Kollegin (wie immer brillant: Sophie Rois) um den Finger. Nina Proll gibt die weniger sanfte, dafür umso bodenständigere Baumarkt-Ische Ilona, die auch unkommode Lebensphasen meistert. Ein köstliches Duo: Miss Selbstkontrolle (Martinek) und Miss Sexus (Proll).

Uwe Ochsenknecht darf gegen Ende des Films dann auch noch mal ran. Der Göttergatte erwacht zur Überraschung aller aus dem Koma. Er stirbt nun einmal nicht aus, der Macho, den die deutsche Filmkomödie schon in den 1980ern klar zu definieren wusste: ein bisschen wehleidig, schlitzohrig, charmant, überheblich und dreist. Als Frederik darf Ochsenknecht im Rollstuhl dümmlich dreinschauen, bis der Eroberungsdrang wieder erwacht. Doch Ehefrau Birgit hat dazugelernt und rächt sich auf überaus schmerzhafte Weise.

Aber: So weh wie der reale Geschlechterkampf tut dieser Film wirklich niemandem. Wer wüsste das derzeit besser als sein wohl schon bald geschiedener Hauptdarsteller, dessen Ex sich einen jüngeren Fußballspieler geangelt haben soll? Zuschauen sollte man trotzdem, es macht einfach großen Spaß.

Böses Erwachen, 19. April, 20.15 Uhr, ZDF.

reu/news.de

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