DSF wird Sport1 Mittendrin dann auch dabei

Sport1 (Foto)
Kurz vor dem Doppelpass bekam der Sender den neuen Namen. Die Talkrunde war dann «wie immer weltklasse». Bild: Sport1

Von news.de-Redakteur Michael Kraft
Zwei Pokalfinale, Spitzenfußball und prominente Gäste: Der Tag, an dem DSF zu Sport1 wurde, war spektakulär. Nur die Sportler wollten nicht so recht mitmachen. Eine 24-Stunden-Bilanz.

0.00 Uhr. Es läuft Wrestling. Das passt durchaus, denn als das DSF 1993 startete, gab es neben Eiskunstlauf und Tanzen eben auch reichlich von diesem US-Import. Heute heißt das SmackDown. Das trifft sehr gut die Sprache der beiden Moderatoren Carsten Schaefer und Günter Zapf, die dieses Testosteron-Kasperletheater dank der genau richtigen Mischung aus subtiler Ironie und sportlicher Ernsthaftigkeit halbwegs unterhaltsam machen. Ein Beispiel: «Er fragt: Du willst was von mir? Jetzt ist die Frage nur noch, ob er es ihm auch gibt.»

Im Werbeblock heißt es: «Aus DSF wird Sport 1. Noch ein Tag.» Dabei ist das doch heute. Verwirrend. Links oben steht noch DSF. Werbung gibt es auch mitten in der Sendung: Immer wieder nervt der Hinweis auf ein Handygame, der ein Drittel des Bildschirms zukleistert.

DSF wird Sport 1
Der Werbespot für das neue Sport1
Video: Sport1

0.49 Uhr. Die Methode durchzieht die ganze Nacht: Nackte Haut, Griff zum Telefon, Geld für den Sender. Um 0.49 Uhr werden aus den fiesen Muskelmännern aber zarte Nymphen. Die Sexy Sport Clips flimmern nun über den Bildschirm. Dazwischen: Willige Studentinnen/dauergeile Omas/Frauen aus deiner Umgebung wollen verführt werden/besorgen es dir/warten auf dich.

Auch die Sportclips sind mit derlei Avancen garniert. Nackte Frauen tummeln sich (in dieser Reihenfolge) im Schnee, in historischen Gemäuern, auf dem Sofa, im Foto-Atelier, im Golfhotel, auf dem Fußballplatz, im Boxring, an der Kletterwand, auf dem Fußballplatz, im Foto-Atelier, auf dem Fußballplatz, im Schwimmbad. Dreimal Fußball! Links oben steht immer noch DSF, aber ist das vielleicht schon Teil der Sport1-Programmoffensive? Die Macher hatten ja mehr Fußball versprochen.

Apropos: Ausgerechnet um 3 Uhr wird das Impressum eingeblendet, das die beiden Programmverantwortlichen nennt. Einer davon ist Geschäftsführer Zeljko Karajica, der angekündigt hat, «unsere Kernkompetenz Sport» zu erhöhen. Er kündigte zudem an: Die umstrittene Quiz-Show mit kombiniertem Striptease der Moderatorinnen und Telefon-Abzocke der Zuschauer wird abgeschafft. Das klingt gut, ist aber mutig. Denn unter anderem wegen der Einnahmen durch das Call-In-Format machte der Sender 2004 erstmals Gewinn.

4.56 Uhr. Spätestens jetzt muss man am Bekenntnis zum schmuddelfreien Image zweifeln. Betitelt als «Teleshopping» läuft jetzt Hotel Lolita. Im Unterschied zu den Sport Clips dürfen die Nackten hier auch sprechen. Und sich nicht bloß räkeln, sondern auch richtig zur Sache kommen. Bevorzugt auch hier: auf dem grünen Rasen, der diesmal allerdings einfach eine Wiese an einem Pool ist.

Noch seltsamer ist nur die Werbung kurz zuvor. Der ebenso umtriebige wie umstrittene Medien-Guru Thomas G. Hornauer warnt in wirrem Schwäbisch: «Es wird bald das Währungssystem zusammenbrechen.» Doch keine Sorge, die Erlösung ist nah: «Ausgewählte Experten aus allen Bereichen der Spiritualität» stehen bei seiner Hotline zur Verfügung, für 1,95 Euro pro Minute.

5.54 Uhr. Die heißen Zeiten sind vorbei. Jetzt läuft Poker, noch so ein Steckenpferd. Noch vor wenigen Jahren wäre niemand auf die Idee gekommen, das als Sport zu begreifen. Doch inzwischen wird die Dart-WM live übertragen und erreicht eine Million Zuschauer. Vor allem bei Poker hat das DSF es geschafft, das Spiel zu einem Massenphänomen zu machen. Die meisten jungen deutschen Männer wissen heutzutage: Texas Hold 'Em ist keine Folter-Variante aus Guantanamo.

6.32 Uhr. Tanja Schumann, früher im Ensemble von RTL Samstag Nacht, macht Werbung für einen Super-Wischer. Das ist wohl ihre neue Form von noch subtilerer Comedy. Das Ding kostet 99,99 Euro. Dafür kann man immerhin fast eine Stunde mit den Währungs- und Lebensrettern aus dem Hause Hornauer telefonieren. Oder sich im günstigsten Fall einen halben Tag lang vorgeblich laszives Gestöhne vom Band anhören. Eine schwere Entscheidung.

Die Super-Wischer-Show ist der Auftakt zu zwei Stunden Teleshopping mit einer erstaunlichen Auswahl an Produkten. Es gibt reichlich Utensilien zum Putzen und für die Küche, auch ein Trainingsgerät gegen Orangenhaut ist dabei. Richtet sich dieser Sender nicht nach eigenem Bekunden an Männer zwischen 14 und 49 Jahren?

8.27 Uhr. Ein Drittel des Tags ist rum, links oben steht noch immer DSF. Dafür gibt es nun erstmals etwas zu sehen, was auch der Laie als Sport bezeichnen würde: Eishockey aus der Zweiten Liga - auf einem Produktionsniveau, wie man das vom Offenen Kanal kennt.

9.00 Uhr. Nun läuft Stoke. Das einstige Viva-Unikum Nils Bokelberg ist schon lange nicht mehr Moderator dieses Funsportmagazins. Und wer hätte gedacht, dass man das einmal bedauern würde? Seine Pseudo-Coolness hat jedenfalls besser zu dem Format gepasst als der aktuelle Moderator, der sich nicht einmal in dem versucht, was Fernsehmacher unter Jugendsprache verstehen. Stattdessen ist hier von «Disziplinenwertung», «Olympiasiegerin» und «Rekordbeteiligung» die Rede. Dröger kriegt das die Sportschau auch nicht hin. Die aktuellen Trendsportarten sind laut Stoke verschärfte Versionen von Skifahren und Schlittschuhlaufen. Hammer.

9.22 Uhr. Anchorman Jörg Wontorra ist zu sehen. Jetzt wird es spannend! Entschuldigung, eine Verwechslung: Es war bloß Alice Cooper im Saturn-Werbespot.

9:31 Uhr. Bundesliga Pur. «Pur» bedeutet hier, dass nach jedem Spiel ein Werbeblock kommt. Immerhin: Links oben steht noch immer DSF, darunter aber jetzt ein Countdown. Noch 1:28.

10.43 Uhr. Jetzt ist es wirklich Wontorra. Er spricht vom neuen Namen des Senders und kündigt für Punkt 11 Uhr ein «neues Zeitalter» an. Und danach das Spitzenspiel der Bundesliga zwischen Leverkusen und Bayern München. Das wird dann von Jörg Dahlmanns Kommentar ruiniert. Er hat noch immer nicht gemerkt, dass man nicht einmal mehr bei Ran versucht, Fußball wie Heizdecken zu verkaufen. So gibt es unerträgliche Schwatzhaftigkeit, schiefe Bilder und sachliche Fehler (aus Leverkusens Manuel Friedrich wird Arne Friedrich, der aber leider bei Hertha BSC Berlin spielt).

10.56 Uhr. Nochmal Wontorra. Laut Countdown sind wir jetzt in der heißen Phase. «Man musste zusammenschweißen, was zusammengehört: Fernsehen, Internet und Mobile», erklärt er das neue Konzept und den eigenen Image-Werbesport. Dann stellt sich das DSF/Sport1-Team vor. Laut Wontorra ist die Markteinführung für sie alle ein «Gänsehautmoment» - ein famos misslungenes Bild angesichts des Clips, der alle bei Schweißarbeiten in einer Stahlwerk-Kulisse zeigt.

11.04 Uhr. Jetzt ist es Punkt 11 Uhr. Nach Wontorra-Logik. Ein neues Zeitalter. Links oben steht erstmals Sport1. Der Sender verspricht: Leidenschaft, Innovation, Information.  Außerdem beginnt die Fußball-Talkrunde Doppelpass, das erfolgreichste Format in der gerade zu Ende gegangenen DSF-Geschichte. Und das, obwohl der frühere Chefredakteur und Doppelpass-Moderator Rudi Brückner sich anfangs wehren wollte, «jeden Sonntag mit alten dicken Männern über Fußball zu quatschen».

Einer der alten Männer ist diesmal Schalke-Trainer Felix Magath, doch bevor überhaupt geredet wird, gibt es noch eine Schalte zum Handball, zum Basketball und zum MotoGP. Danach läuft die Sendung wie immer. Für das Phrasenschwein (vielleicht die größte Errungenschaft aus 17 Jahren DSF, dass man bei diesem Wort nicht stattdessen an Johannes B. Kerner denkt) gibt es diesmal wenig Futter. Wontorras Fazit: «Die Runde war wie immer weltklasse.»

13.00 Uhr. Handball. Es gibt ein packendes Pokalfinale, Hamburg gewinnt 34:33 nach Verlängerung. Natürlich ist Experte Stefan Kretzschmar dabei, es ist eine erfreulich kompetente Übertragung. Sachlich zu Beginn, emotional in der dramatischen Schlussphase. Die Sache mit der Leidenschaft, die im Slogan versprochen wurde, stimmt hier schon einmal. Man muss fast an die legendären Basketball-Kommentare von Frank Buschmann denken: Wie er mit der deutschen Nationalmannschaft mitbangte, mitschimpfte und quasi mitspielte, das waren Sternstunden in der DSF-Geschichte.

Nach dem Spiel geht es aber bergab. Die Fragen an die Beteiligten kommen nicht über das Niveau «Unglaublich, oder?» hinaus, die Siegerehrung für den Pokalsieger gibt es nur im Netz zu sehen. Das ist wohl die Innovation aus dem Claim.

15.20 Uhr. Sport1 News. Ein neues Format, das offensichtlich den Anteil Information liefern soll. Die Meldung: DSF-Reporter Christian Ortlepp, bekannt vor allem dadurch, dass er Franz Beckenbauer auch beim Golfen auflauert und dass ihm Lukas Podolski unlängst Prügel angedroht hat, sprach mit Bundestrainer Joachim Löw über Kevin Kuranyi. Löw hat geredet, aber nichts gesagt. So geht News nicht.

15.21 Uhr. Basketball. Auch hier das Pokalfinale. Als die Live-Übertragung beginnt, steht es schon 18:7 für Bamberg, die Verlängerung im Handball ist schuld.

17.04 Uhr. Die entscheidende Phase des Spiels. «Achten Sie darauf, wenn Frankfurt jetzt in Ballbesitz kommt, wie schnell das nach vorne geht», rät der Kommentator. Blöderweise wird dann aber das Publikum gezeigt, als Frankfurt in Ballbesitz kommt. Eine Unsitte. Das macht Frank Buschmann aber nach dem Spiel wieder gut: Im Interview mit Bambergs Matchwinner Anton Gavel, der schweiß- und biergetränkt daherkommt, stellt er fest: «Sie stinken fürchterlich.»

17.16 Uhr. Live-Fußball. Auch hier ein Pokalspiel, Tottenham und Portsmouth kämpfen um den Einzug ins FA-Cup-Finale. Sport1 ist wieder erst mittendrin dann auch dabei, denn die ersten zehn Minuten des Spiels gab es nur im Netz. Ebenso wie das eigentlich für 19 Uhr vorgesehene Motorradrennen. Denn dummerweise gehen auch die Fußballer in die Verlängerung. Immerhin eine schöne Underdog-Geschichte: Portsmouth, gerade abgestiegen und außerdem pleite, gewinnt mit 2:0.

19.35 Uhr. Jetzt ist MotoGP zu sehen. Zu fahren sind aber nur noch drei Runden.

19.47 Uhr. Ex-Profi Thomas Helmer hat heute einen langen Arbeitstag. Er saß am Vormittag schon beim Doppelpass und moderiert nun die Spiele der Zweiten Liga. Einst war das eine Notlösung, weil sich der kleine Sender die teuren Rechte für die echten Fußballknaller nicht leisten konnte. Inzwischen lässt sich die Zweite Liga durchaus erfolgreich als «bestes Unterhaus Europas» vermarkten. Das hat sie auch dem DSF zu verdanken - eine Win-Win-Situation. Trotzdem wird die Sendung diesmal zweigeteilt, denn dazwischen sausen wieder die Motorräder in Katar.

21.52 Uhr. Noch einmal MotoGP. Diesmal gibt es auch den Start live. Die Reporter sind kurz vorher noch ganz nah dran und Yamaha-Pilot Colin Edwards ist schon auf dem neusten Stand. Im Interview kurz vor dem Start wünscht er «Gute Unterhaltung auf Sport1».

23.59 Uhr. Zum Schluss gibt es noch einmal Fußball-Bundesliga. Die letzte Minute des ersten Tags im Leben von Sport1 zeigt einen Trailer für das Spitzenspiel der Zweiten Liga. Aus St. Pauli. Ein schöner Cliffhanger für den Schmuddelkram und die Sport Clips.

mas/ivb/oro/news.de

Leserkommentare (6) Jetzt Artikel kommentieren
  • Ralf
  • Kommentar 6
  • 16.04.2010 20:46

Also für mich ganz eindeutig ein Witz und eine Mogelpackung. Man hat einfach aus dem Namen DSF (Deutsches Sex Fernsehen) nun Sex1 gemacht. ;-) Aber das Programm hat sich doch nicht groß geändert, weiterhin dämliche Rateshows, irgendwelche Busenselbststreicherinnen, dumme "Sportclips... was soll das? Der Sender ist nach wie vor unzumutbar. Sport??

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  • dreamhunter
  • Kommentar 5
  • 13.04.2010 12:25

Sportkanal = Schrottkanal, egal wo SKY, DSF/Sport 1, SAT 1!! Alle stehen in der Verpflichtung, dem lernresistenden deutschen Volk, Fußball bis zum abwinkenvorzusetzen. Heil du deutsche Medienlandschaft, die nichts von NASCAR, Indiy Car. american football usw. wissen will. Schon unsere Altvorderen mussten schon im Radio das hören, was dem Staate dienlich ist - wie heute!

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  • singlerider
  • Kommentar 4
  • 13.04.2010 07:45
Antwort auf Kommentar 1

Volltreffer !!! Schlimmer als SAT1 kanns keiner ? Doch ich kenn da einen SPORT1 :o( Es fehlt ein spezieller Sender für Motorradsport, für Fußball gibts ja schon einige !o)

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