Guido Cantz «Nicht der Pocher des Samstagabends»

Verstehen Sie Spaß? (Foto)
Guido Cantz löst Frank Elstner ab. Bild: dpa

Von news.de-Mitarbeiter Martin Weber
Guido Cantz gibt sein Debüt als Moderator des Klassikers Verstehen Sie Spaß?. Im Interview mit news.de spricht er über seinen Vorgänger Frank Elstner, Geschmacksgrenzen und seine gefärbten Haare.

Er tritt in ganz große Fußstapfen: Guido Cantz wird Nachfolger von Frank Elstner, der jahrelang das Gesicht von Verstehen Sie Spaß? war und dem TV-Klassiker seinen Stempel aufdrückte. Heute moderiert der 38-jährige Kölner zum ersten Mal die Show mit der versteckten Kamera (20.15 Uhr, Das Erste). Die Karriere des Mannes mit den gefärbten grellblonden Haaren startete im Kölner Karneval, bundesweit bekannt wurde der Comedian unter anderem mit der Spielshow Deal or No Deal und als regelmäßiger Gast in der Panelshow Genial daneben. Mit Guido Cantz als neuem Moderator will der Südwestrundfunk (SWR) die traditionsreiche ARD-Sendung verjüngen und neue Akzente setzen. Die mittlerweile 30 Jahre alte Show mit der versteckten Kamera wurde schon von Fernsehgrößen wie Kurt Felix und Paola, Dieter Hallervorden, Harald Schmidt und die vergangenen sieben Jahre von Frank Elstner moderiert.

Herr Cantz, Sie sind der neuen Moderator von Verstehen Sie Spaß?. Nicht alle Ihre Vorgänger sind mit der Show glücklich geworden, Harald Schmidt zum Beispiel erwies sich als glatte Fehlbesetzung. Keine Angst, dass es Ihnen auch so gehen könnte?

Cantz: Mir ist schon bewusst, dass das auch schief gehen kann, ich bin eher keiner, der in den Spiegel guckt und sich für den Allertollsten hält. Harald Schmidt, den ich großartig finde, hat die Sendung auf seine Art gemacht, und der klassische Zuschauer von Verstehen Sie Spaß? fand sich darin eventuell nicht wieder. Das war vielleicht der Fehler ...

... den Sie nicht begehen werden.

Cantz: Definitiv nicht, man muss die Leute auch bedienen. Ich verstehe mich als Dienstleister, das war schon immer so. Man muss halt immer wissen, für wen man seine Witze macht. Verstehen Sie Spaß? ist eine Familiensendung.

Das bedeutet für Sie?

Cantz: Das bedeutet, dass ich Grenzen beachten muss, da schauen viele ältere Zuschauer, aber eben auch Kinder zu. Ich will nicht der Oliver Pocher der ARD-Samstagabendunterhaltung werden, sondern werde bestimmte Geschmacksgrenzen respektieren und darauf achten, nicht allzu sehr unter der Gürtellinie rumzuwitzeln oder pietätlose Scherze zu machen.

Auf Ihr Markenzeichen, die grellblonde Färbung Ihrer Haare, wollen Sie aber nicht verzichten, oder?

Cantz: Nein, die habe ich seit 1997, und das bleibt auch so. Ich bin damals mit Freunden in den Skiurlaub gefahren, und wir haben dann aus einer Bierlaune heraus beschlossen, unsere Frauen zu überraschen, indem wir uns die Haare hellblond färben lassen. Meine Naturfarbe geht mehr ins Rotblonde, so ähnlich wie die von Boris Becker. Mir hat das damals jedenfalls so gut gefallen, dass ich es gleich so gelassen habe. Mittlerweile ist der gefärbte Schopf mein Markenzeichen, und das soll auch so bleiben.

Es unterscheidet Sie zumindest auch optisch ganz gewaltig von Frank Elstner. Was wollen Sie in der Sendung inhaltlich anders machen als er?

Cantz: Ich bin 38 und damit ein bisschen jünger als Frank Elstner, ich darf mir auch ein bisschen mehr erlauben, ein wenig frecher sein vielleicht. Sagen wir mal so: Wenn eine Pointe auf der Straße liegt, dann will ich die auch machen. Das sind so Sachen, die mir liegen, ich komme ja von der Bühne. Vielleicht habe ich auch die Möglichkeit, das Publikum in der Halle ein bisschen stärker einzubeziehen, spontan mit den Leuten vor Ort mehr zu machen. Das Herzstück der Sendung bleiben natürlich die Streiche mit der versteckten Kamera.

Sind die überhaupt noch zeitgemäß?

Cantz: Aber sicher, Schadenfreude funktioniert doch immer. Das ist zwar moralisch bedenklich, aber wenn das lustig ist, dann lacht man einfach, das geht jedem so – ein zeitloses Konzept, wenn Sie so wollen.

Bei den Streichen wird sich also nichts ändern?

Cantz: Im Prinzip nicht, aber ich fände es toll, wenn wieder mehr Prominente erwischt werden, auch Politiker. Das wäre ein großes Anliegen von mir. Einem prominenten Politiker einen Streich zu spielen ist immer das Beste, das kommt bei den Zuschauern einfach gut an. Ob die Damen und Herren Politiker die Ausstrahlung dann immer genehmigen, ist natürlich eine ganz andere Frage. Ich könnte mir Frau Merkel, Herrn Westerwelle oder Herrn Gabriel jedenfalls ganz gut vor unserer versteckten Kamera vorstellen.

Wer wäre denn Ihre Lieblingsbeute?

Cantz: Da ich fußballbegeistert bin, würde ich gerne jemanden aus dieser Ecke erwischen, den Bundestrainer vielleicht. Wie reagiert Jogi Löw auf eine nervige oder peinliche Situation – das ist doch eine spannende Frage!

Wie haben Sie eigentlich davon erfahren, dass Sie Frank Elstner als Moderator von Verstehen Sie Spaß? beerben?

Cantz: Der Unterhaltungschef des Südwestrundfunks ist nach Köln gekommen, und wir beide haben dann einfach mal ganz locker miteinander geplaudert. Wir kannten uns bereits, weil ich für die Sendung schon als Lockvogel gearbeitet habe und da auch öfter aufgetreten bin. Ich habe ihm gesagt, dass Verstehen Sie Spaß? genau mein Ding ist und ich die Show gerne moderieren würde. Als wir wieder auseinandergegangen sind, habe ich aber nicht wirklich geglaubt, dass das klappt. Zwei Wochen später kam der Anruf ...

... und Sie haben eine Flasche Champagner geköpft.

Cantz: Nein, nein, bis jetzt nicht (lacht). Das mache ich erst, wenn ich die Premiere gut über die Bühne gebracht habe.

bla/news.de

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