Anna Loos «Eine Alters-WG w├╝rde mir gefallen»

Es ist eine der heikelsten Fragen ├╝berhaupt, und fr├╝her oder sp├Ąter betrifft sie fast jeden: Wer k├╝mmert sich um die Eltern, wenn sie alt und pflegebed├╝rftig sind? Anna Loos, die dieser Frage auch im Film Wohin mit Vater? nachgeht, hat dar├╝ber mit news.de gesprochen.

Anna Loos bei einem Auftritt mit Silly. Bild: ddp

In dem Fernsehfilm (Montag, 29. M├Ąrz, 20.15 Uhr, ZDF) stehen die alleinerziehende Susanne (Anna Loos) und ihr Bruder Thomas (Hans-Jochen Wagner) vor der schwierigen Entscheidung, ob sie ihren verwitweten und pflegebed├╝rftigen Papa ins Heim stecken oder bei sich aufnehmen sollen. Das sensible TV-Drama basiert auf dem gleichnamigen Sachbuch eines Journalisten, der anonym bleiben muss, weil er nach frustrierenden Erfahrungen mit dem deutschen Pflegesystem f├╝r seinen Vater eine illegale Hilfskraft aus dem Ausland engagierte. Die 39-j├Ąhrige Hauptdarstellerin Anna Loos ist mit dem Tatort-Star Jan Josef Liefers verheiratet, die beiden haben zwei gemeinsame T├Âchter und leben in Berlin.

Frau Loos, Ihr neuer Film Wohin mit Vater? dreht sich um die Frage, die fast jeden fr├╝her oder sp├Ąter umtreibt: Ob die eigenen Eltern, wenn sie mal alt sind, ins Heim sollen. Haben Sie sich zur Vorbereitung auf Ihre Rolle in Altersheimen umgesehen?

FOTOS: ┬źWohin mit Vater?┬╗ Hilflos und ├╝berfordert
zur├╝ck Weiter Wohin mit Vater? (Foto) Foto: ZDF/Conny Klein Kamera

Loos: Das brauchte ich eigentlich nicht, weil ich da durch meine Familie schon im Bild bin. Meine Mutter hat als Altenpflegerin in drei verschiedenen Einrichtungen gearbeitet, und ich wei├č, wie es da aussieht und was da los ist. Meine Schwester arbeitet au├čerdem in einem sehr sch├Ânen Pflegeheim, das ist eine alte Villa, wo man sich vorstellen k├Ânnte, selber mal zu leben.

Dann war das Thema Pflege im Alter bei Ihnen daheim nie ein Tabu wie in manchen anderen Familien?

Loos: Bei uns gab es bei dem Thema nie Ber├╝hrungs├Ąngste, und meine Eltern sorgen auch schon f├╝r ihre alten Tage vor: Sie wohnen in einem sch├Ânen Haus in meinem Heimatort Brandenburg und richten sich gerade ihr G├Ąstehaus altersgerecht her.

Und was w├╝nschen Sie sich f├╝r Ihr eigenes Alter?

Loos: Am Ende des Tages kommt es ja sowieso immer anders, als man denkt. Es kommt das ein oder andere Gebrechen, mit dem man nicht gerechnet hat, und vermutlich zu einem ganz unerwarteten Zeitpunkt. Aber eine Alters-Wohngemeinschaft w├╝rde mir schon gefallen. Vielleicht in einem sch├Ânen Haus an der Ostsee, wo man sich mit netten Leuten umgibt und wo einmal am Tag ein Pflegedienst vorbeikommt und sich um alle k├╝mmert, das f├Ąnde ich toll.

Haben Sie sich auch schon einen zeitlichen Rahmen gesetzt, wann Sie mit den konkreten Alterspl├Ąnen loslegen wollen?

Loos: Mir ist ja vor allem wichtig, dass ich meinen beiden Kindern im Alter nicht auf der Tasche liegen muss. Daf├╝r muss man sich nat├╝rlich finanziell absichern. Ich werde in diesem Jahr 40, also arbeite ich vielleicht noch 20 bis 25 Jahre lang, wenn alles gut l├Ąuft. Man muss sich rechtzeitig ├╝berlegen, wie viel Geld man im Alter braucht, und dann fr├╝h genug etwas zur Seite legen. Sich einen Sparplan f├╝rs Alter machen, das kann fast jeder, und das geh├Ârt f├╝r mich zum Vernunftdenken.

Richtig sch├Âne Altersresidenzen sind aber sehr teuer ...

Loos: F├╝r unseren Film haben wir in einem ganz normalen Altersheim gedreht, da waren die Leute sehr fr├Âhlich. Ein ehemaliger Operns├Ąnger hat gesungen, die anderen Bewohner haben Bridge gespielt, und alle haben gel├Ąchelt. Wir haben au├čerdem in einem sehr teuren Heim gedreht, das fand ich deutlich deprimierender, die meisten Leute hatten ein Einzelzimmer und waren die meiste Zeit allein.

Und dann gibt es ja noch das Modell der Rund-um-die-Uhr-Betreuung in den eigenen vier W├Ąnden – eigentlich unbezahlbar. Der Film Wohin mit Vater? basiert auf dem Sachbuch eines Journalisten, der f├╝r seinen Vater eine illegale ausl├Ąndische Pflegerin engagierte und der deshalb anonym bleiben muss ...

Loos: Es gibt illegale Putzfrauen und Kinderm├Ądchen aus dem Ausland, und nat├╝rlich gibt es viele Leute, die Billigarbeitskr├Ąfte f├╝r die Altenpflege engagieren. Das wird sich in Zukunft auch ganz sicher ausweiten. Zurzeit kommen viele dieser Frauen aus L├Ąndern wie Ukraine oder Litauen, irgendwann werden die aus China oder sonst woher kommen. Ich finde allerdings, das Ganze ist eine zweischneidige Sache.

Inwiefern?

Loos: So wie die rechtliche Lage derzeit ist, k├Ânnen diese Hilfskr├Ąfte zum Beispiel jederzeit entlassen werden. Man m├╝sste die gesetzlichen Rahmenbedingungen so ├Ąndern, dass diese Menschen gerecht bezahlt werden und versichert sind. Dann halte ich das f├╝r eine gute Sache, bei der im Idealfall beiden Seiten geholfen ist. Solange es illegal ist, finde ich das problematisch. Es w├Ąre sch├Ân, wenn wir mit unserem Film eine Debatte anregen k├Ânnten.

Sie starten ja derzeit als S├Ąngerin der fr├╝heren DDR-Kultband Silly durch, mit der Sie bald auf Tournee gehen. Muss sich das Publikum darauf einstellen, Sie k├╝nftig seltener im Fernsehen zu sehen?

Loos: Nein, ich bekomme das beides super hin. Ich habe ja schon immer Musik gemacht, wenn ich gerade keinen Film gedreht habe. Ich muss zwar zugeben, dass es durch Silly viel mehr geworden ist. Wir haben anderthalb Jahre hart f├╝r unser Album Alles Rot gearbeitet, nun ist es fertig und steht in den L├Ąden. Das ist momentan schon eine der spannendsten Zeiten meines Lebens, ich lerne jeden Tag viele neue Sachen. Diese Band geh├Ârt mittlerweile zu meinem Leben, es ist viel mehr als ein Job und daher frisst es auch viel Energie. Dank meinen Eltern, die mir immer grenzenlose Unterst├╝tzung zukommen lassen, kann ich das alles schaffen. Ohne sie k├Ânnte ich Familie, Schauspielerei und Musik nicht so unter einen Hut bringen.

bla/news.de

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