«Unser Star für Oslo» 6 Disney-Ballade reichte nicht

Unser Star für Oslo (Foto)
Trotz eigenwilliger Songwahl löste Lena Meyer-Landrut wahre Begeisterungsstürme bei den Juroren und dem Publikum aus. Bild: dpa

Andreas SchloderVon news.de-Mitarbeiter
Die letzten vier Kandidaten bei Unser Star für Oslo stehen fest, Sharyhan Osman ist nicht mehr dabei. Trotz ihres eigenen Songs, der jeden Disneyfilm bereichern würde, war im Viertelfinale Schluss. Lena sorgt dagegen für Euphorie.

Dass man das noch erleben darf: Stefan Raab in der ARD. Mit ungewohnter aber angenehmer Zurückhaltung läutete der Entertainer den nächsten Schritt der historischen Zusammenarbeit zwischen ProSieben und der ARD ein. Nachdem die bisherigen Sendungen der Casting-Show zum Eurovision Song Contest im Privatsender liefen, war das Viertelfinale die Premiere bei den Öffentlich-Rechtlichen.

Und Raab hatte schon vor der Abstimmung wieder den richtigen Riecher. «Für die Balladen wird es heute schwer. Im Saal haben sie einen überwältigenden Charakter, doch bei den TV-Zuschauern werden die rockigen Nummern besser wirken», meinte der Jury-Präsident, der sich für das Viertelfinale Comedian Anke Engelke und Adel Tawil, Frontsänger der Erfolgsband Ich & Ich und frisch gebackener Echo-Gewinner, mit ins Boot holte.

Song für zwei knutschende Delfine

Der Musik-Geschmack war wohl für Sharyhan Osmans Aus dann auch entscheidend. Denn anders als in den bisherigen Shows mussten die fünf Kandidaten gleich zwei Mal ans Mikrofon. Die 23-jährige Münchnerin zeigte sich mit ihrer Interpretation der aktuellen Hit-Single You've got the love von Florence and the Machine zwar von ihrer ungewohnten aber durchaus gekonnt rockigen Seite. Die Stimme war wie immer perfekt. Doch bemerkten die Jury-Mitglieder, dass Sharyhan zu blass rüberkam.

Da konnte auch ihre selbst geschriebene Ballade Never felt the way that i feel today nicht mehr entscheidend bei den Zuschauern punkten. Was für eine Verschwendung. Denn die Jury war begeistert. «Da bauen manche Schreiber sogar ein Musical drum», schwärmte Anke Engelke überwältigt. Solch ein herzergreifendes Stück laufe nicht einmal am Times Square. Stefan Raab sah diesen Song schon in einem Disney-Film und Moderator Matthias Opdenhövel träumte konkreter: «Ich hab mir schon zwei Delfine vorgestellt, die knutschend durchs Meer schwimmen.»

Christians Rettung: Song vom Vortag

Auch Christian Duftewitz hatte bei seinem ersten Stück Ochrasy von der schwedischen Band Mando Diao Startprobleme – auch wenn Raab froh war, dass es neben Scorpions-Frontmann Klaus Meine endlich einen zweiten Sänger in Deutschland gäbe, der anständig pfeifen kann. «Es ist der falsche Song für dich. Vielleicht kommst du mit deinem zweiten Lied besser an», hoffte Juror Adel Tawil, der große Stücke auf die optische Mischung aus Lenny Kravitz, Prince und Bob Dylan hielt. Er wurde nicht enttäuscht. Mit dem poppigen Song Stalker, den Christian erst einen Tag zuvor komponiert hatte, machte der einzig verbliebene Mann im Quintett entscheidenden Boden auf dem Weg ins Halbfinale gut.

Lena wie vom anderen Stern

Wie in den bisherigen Shows gaben verschiedene Radiosender ihr Voting ab, wer letztlich Deutschland am 29. Mai in Oslo vertreten werde: Platz drei wäre für Kerstin Freking reserviert, der zweite Rang ginge demnach an Christian Durstewitz. Auch wenn das Geheimnis um die Pole Position des deutschen Grand-Prix-Himmels nicht gelüftet wurde, allein die euphorische Reaktion des Publikums vor, während und nach ihrer zwei Songs war Bestätigung genug: Lena Meyer-Landrut aus Hannover war am Freitagabend wie vom anderen Stern.

Die vermeintlich kleine Schwester von Schauspielerin Nora Tschirner bezauberte mit ihrer Stimme und ihren Bewegungen Jury und Zuschauer zugleich. «Du bist so beeindruckend, weil du total ab von allem bist, was bisher gelehrt wird. Gründe einfach deine eigene Musikschule und bekehr die Gesangslehrer», gab Raab der 18-Jährigen mit auf dem Weg. Da machte es auch keinen Unterschied, dass das Küken mit Neopolitan Dreams von Lisa Mitchell und Mouthwash von Kate Nash zwei Stücke wählte, die keiner kennt und die nur selten im Radio zu hören sind. «Aber du bist so krass, du spielst mit dem Publikum und nimmst es mit auf deine ganz persönliche Reise», lobte Adel Tawil.

Aufruf zur freien Liebe

Im Halbfinale am kommenden Dienstag wird es wohl zum Duell zwischen der 18-jährigen Jennifer Braun und Kerstin Freking aus Osnabrück kommen – Christian und Lena scheinen derzeit uneinholbar vorn zu sein. Während das zweite Nesthäkchen vor allem durch ihre Frauenpower bei Anouks Titel Nobody's Wife glänzte und Juror Adel Tawil regelrecht einschüchterte, wählte Kerstin die verspielteren, ruhigeren Töne. Gerade mit Reginas Spektors Somedays sei ihr ein Aufruf zur freien Liebe wie in besten Woodstock-Zeiten gelungen, so Raab.

Mag die ARD-Premiere auch ein wenig zurückhaltender als ihre Prosieben-Pendants gewesen sein, betonte sie die Qualität der Interpreten ungemein. Zudem angenehmer Nebeneffekt: Endlich gab es einmal eine Show ohne Werbeunterbrechung und in der das Verkünden der Ergebnisse nicht länger dauert als alle Auftritte zusammengezählt wie bei RTLs Deutschland sucht den Superstar. Sollte wieder einmal das Punkte-Geschachere beim Song-Contest in Oslo dem deutschen Beitrag den Todesstoß versetzen, dann wenigstens mit Niveau, in dem es keine Dita von Teese im Champagner-Glas braucht.

kat/news.de

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