Sebastian Koch «Man steht staunend davor»

Zum ersten Mal tritt Filmstar Sebastian Koch als TV-Moderator auf. Im Interview spricht er ├╝ber sein Deb├╝t bei der Dokureihe Superbauten, das Berliner Stadtschloss und den Lockruf Hollywoods.

Sebastian Koch vor einem der Superbauten: Dem K├Âlner Dom. Bild: dpa

Ob Stauffenberg, Speer und Er oder Die Manns: Sebastian Koch spielte in einigen der wichtigsten deutschen Filme der vergangen Jahre mit, sp├Ątestens seit dem Erfolg des Stasi-Dramas Das Leben der Anderen kann er sich seine Rollen aussuchen. Doch der 47-j├Ąhrige Wahl-Berliner ist immer f├╝r eine ├ťberraschung gut: Voriges Jahr spielte der Charaktermime im Abenteuerzweiteiler Der Seewolf den Titelhelden, jetzt gibt er sein Deb├╝t als TV-Moderator. Koch pr├Ąsentiert die dreiteilige Dokumentarreihe Superbauten (ab 14.3., sonntags, 19.30 Uhr, ZDF), die sich um den K├Âlner Dom, Schloss Neuschwanstein und die Dresdner Frauenkirche dreht und die Geschichte dieser deutschen Wahrzeichen beleuchtet.

FOTOS: ┬źSuperbauten┬╗ Dem Himmel entgegen

Herr Koch, Sie sind ein vielgefragter Starschauspieler. Was hat Sie daran gereizt, jetzt eine Dokureihe zu pr├Ąsentieren?

Koch: Ich bin immer offen f├╝r neue Sachen und achte sehr darauf, mich nicht zu wiederholen. Deshalb hat mich die Idee, so etwas zu machen, sofort interessiert. Zumal ich mich gerne mit Architektur besch├Ąftige und historische Bauwerke sehr mag. In der Funktion als Presenter hatte ich Zugang zu ganz besonderen Orten, wo man sonst nicht hinkommt, hatte also einen ganz intensiven Einblick in das Ganze, und das fand ich nat├╝rlich spannend.

Sie haben schon viele historische Filmrollen gespielt. War es auch der Aspekt Geschichte, der Sie gereizt hat?

Koch: Die Reihe hei├čt ja Superbauten und nicht Supergeschichte. Es geht in erster Linie um den technischen Wahnsinn, um praktische Risiken, um die Menschen hinter diesen Monumenten, die diese Risiken auf sich genommen haben. Der K├Âlner Dom, Schloss Neuschwanstein, die Dresdner Frauenkirche – um sich solche exzentrischen Bauwerke auszudenken und sie zu bauen, muss man sich zwischen Genie und Wahnsinn bewegen.

Stichwort wahnsinniges Genie: Da denkt man nat├╝rlich als Erstes an Ludwig II. und sein M├Ąrchenschloss Neuschwanstein ...

Koch: Nat├╝rlich ist K├Ânig Ludwig II. an Exzentrik kaum zu ├╝berbieten. Heute vielleicht ein bisschen vergleichbar mit Michael Jackson und seiner Neverland-Ranch. Ein viel zu gro├čes Spielzeug, sehr poetisch, aber auch total k├╝nstlich. F├╝r mich war bei dieser Reihe wichtig, meinen pers├Ânlichen Zugang in die einzelnen Folgen einflie├čen zu lassen. Was empfinde ich, wenn ich in dieses Schloss gehe? Ich muss sagen, es ist beeindruckend, aber gleichzeitig so unantastbar, dass man sich da nicht l├Ąnger aufhalten m├Âchte. Es ist prunkvoll, hat aber keine W├Ąrme. Es ist fast ein bisschen unheimlich, wenn man da durchl├Ąuft.

Welches Bauwerk hat Sie am meisten fasziniert?

Koch: Jedes ist auf seine Art faszinierend. Der K├Âlner Dom allein schon durch seine Gr├Â├če, die Superlative, die mit diesem gotischen Koloss verbunden sind. Das ist h├Âchste Baukunst, gigantisch, man steht staunend davor. Unfassbar, wie die Menschen das ohne die heutigen Transportm├Âglichkeiten, ohne computeranimierte statische Berechnungen geschafft haben. Au├čerdem reizte mich die Geschichte des K├Âlner Kunstsammlers Sulpiz Boisser├ęe, der es sich im 19. Jahrhundert in den Kopf gesetzt hatte, den Dom fertigzustellen. Dabei waren s├Ąmtliche alten Pl├Ąne verschollen. Die Geschichte, wie sie wieder aufgefunden wurden, hat etwas Magisches.

Die Reihe endet mit einem Film ├╝ber die Frauenkirche in Dresden ...

Koch: In der Frauenkirche waren wir ganz oben in der Kuppel. Wenn man dort auf der einen Seite steht und fl├╝stert, h├Ârt man am gegen├╝berliegenden Ende jedes Wort, jede Nuance klar und deutlich. Au├čer dem Baumeister George B├Ąhr hat damals niemand geglaubt, dass diese riesige Kuppel aus Stein halten w├╝rde, aber er hat sich gegen alle Widerst├Ąnde durchgesetzt. So etwas w├Ąre heutzutage angesichts unserer ganzen B├╝rokratie und Gesetze nicht mal mehr im Ansatz denkbar. Gerade im Bauwesen gibt es so viele Vorschriften, die zwar sicher oft notwendig sind, andererseits aber auch jede aufkeimende Kreativit├Ąt verhindern, so dass der Staat also eher ein Verhinderer als ein F├Ârderer von vision├Ąren Bauwerken ist.

Daf├╝r wollen der Bund und das Land f├╝r viel Geld das Berliner Stadtschloss wieder aufbauen.

Koch: Ich bin ein absoluter Gegner dieses Gro├čunternehmens. Wenn von einem Bauwerk noch etwas da ist, was es zu erhalten gilt und das man restaurieren kann wie bei der Frauenkirche, sollte man das meiner Meinung nach auch tun. Aber wenn alles weg ist, was soll man denn dann um Himmels Willen wiederaufbauen? Das wirkt doch dann immer ein bisschen wie Disneyland.

Ist eine Fortsetzung von Superbauten geplant?

Koch: Mir hat das Ganze Spa├č gemacht, und ich kann mir vorstellen, es fortzuf├╝hren. Es gibt ja noch viele beeindruckende Superbauten in Deutschland. Man muss aber gar nicht so weit in die Historie gehen, auch das ├╝ber 800 Meter hohe Burj Khalifa in Dubai ist ein Wunderwerk. Und letztlich entscheiden die Zuschauer, ob es weitergeht. Ich hoffe nat├╝rlich, dass viele einschalten, vor allem auch ein junges Publikum.

Wieso ist Ihnen das so wichtig?

Koch: Oft merke ich bei j├╝ngeren Leuten, dass sie relativ schnell aufgeben, wenn etwas nicht klappt. Die Reihe erz├Ąhlt davon, dass man k├Ąmpfen muss, um seine Tr├Ąume umzusetzen, dass man Risiken eingehen muss, um ans Ziel zu gelangen, aber nat├╝rlich auch scheitern kann.

Apropos Tr├Ąume: Sie stehen gerade f├╝r den US-Film Unknown White Male mit Liam Neeson vor der Kamera. Basteln Sie an einer Hollywood-Karriere?

Koch: Die Deutschen haben so einen Pawlowschen Reflex und sind wahnsinnig aufgeregt, sobald der Ami vor der T├╝r steht und anklopft. Ich gehe dahin, wo das gute Drehbuch ist, und es ist mir v├Âllig wurscht, ob das hier oder in Hollywood stattfindet. Es gibt insgesamt leider wenig gute Projekte, und ich versuche nach wie vor, mehr in der englischen Sprache zu drehen, einfach um mehr Auswahlm├Âglichkeiten zu haben.

tfa/bla/news.de

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Leserkommentare (1) Jetzt Artikel kommentieren
  • Emil
  • Kommentar 1
  • 15.03.2010 17:32

Lieber Herr Koch, Wenn Ihnen die englische Sprache so gut tut, dann hauen Sie doch endlich ab. Auf einen wie Sie kann Deutschland gut verzichten. Prunk und Pomp, anderer L├Ąnder finden Sie dort trditionell, Weiht Kaiser Wilhelm, ohne dieser Dombau nie erfolgt w├Ąre, wird von Ihnen in den Dreck getreten. Solche Leute habe wir hier in diesem Lande tats├Ąchlich genug. Emil

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