40 Jahre «Sesamstraße» Krümelmonster auf Diät

«Wer, wie, was?» - Die «Sesamstraße» wird 40 (Foto)
Bert, Samson, Bibo und Krümel werden 40. Bild: dpa

Ursprünglich kommt die Sesamstraße aus einem New Yorker Slum - heute aber sind Mülltonnen und mürrische Charaktere einem politische korrekten Klientel gewichen. Selbst das Krümelmonster ist auf Diät. Eine der berühmtesten Straßen der Welt wird 40 Jahre alt.

Am 10. November 1969 wurde das Original Sesame Street zum ersten Mal in den USA ausgestrahlt. Seit 1973 sind Bibo, das Krümelmonster sowie Ernie und Bert als Stars der weltweit berühmtesten Kindersendung auch in Deutschland zu sehen. Allerdings hat die heutige Sesamstraße nicht mehr viel mit der ursprünglichen Straße in einem New Yorker Slum zu tun, in der bunte Puppen in umgekippten Mülltonnen saßen.

Die rumpelige Kulisse gehörte damals zum Konzept von Fernsehproduzentin und Sesamstraßen-Erfinderin Joan Ganz Cooney. Drei- bis Sechsjährige aus sozial schwachen Familien sollten auf den Schulstart vorbereitet werden – mit Geschichten, die in ihrer Umgebung spielten und in denen Puppen und Menschen aller Hautfarben vorkamen. Toleranz und Konfliktfähigkeit sollten sie dabei ebenso lernen wie Zahlenreihen und das Alphabet.

Als Medium war das Fernsehen ideal, denn viele Kleinkinder saßen schon damals Stunden davor. Im Stil von Werbespots wurden die Szenen der Sendung als Lernhäppchen serviert: kurz und leicht zu merken. Als Stars der Show schuf Muppet-Erfinder Jim Henson die Puppen Ernie, Bert und all die anderen, die zusammen mit echten Menschen trotz der tristen Kulissen für Spaß sorgten. Unterhaltung und Wissen wurden so verbunden.

Exportiert in über 140 Länder

The Nitty Gritty Itty Bitty Kiddy Show sollte die Sendung eigentlich heißen, doch in letzter Minute kam die Idee, die Straße nach dem Zauberspruch «Sesam öffne Dich» aus dem Aladin-Märchen zu nennen. Sie wurde zum Exportschlager. In über 140 Ländern gibt es eine auf die örtlichen Ansprüche abgestimmte Version: die Alam Simsim in Ägypten, die chinesische Zhima Jie und in Brasilien leben Krümelmonster und Co. in der Vila Sesamo. In Südafrika klärt die Puppe Kami, eine HIV-infizierte Halbwaise, die jungen TV-Zuschauer über die Risiken von Aids auf.

Seit 36 Jahren gibt es die Sesamstraße auch in Deutschland: Als am 8. Januar 1973 die erste deutsche Folge in die Wohnzimmer flimmerte, reagierten viele Mütter und Väter entsetzt. Kinder aller Hautfarben und der gelbe Puppenvogel Bibo spielten wild in einer amerikanischen Straßenszene. Slums im deutschen Kinderfernsehen? Für einige Politiker hörte da der Spaß auf, der Bayerische Rundfunk befürchtete sogar eine «kulturelle Überfremdung». Der Sender schaltete die Sendung in Bayern ab.

Doch die Kinder waren begeistert von der Serie mit dem Satz «Wer nicht fragt, bleibt dumm» im Titellied und den schrägen Einwohnern um das keks-hungrige Krümelmonster. Bald kannte die Sesamstraße fast jedes Kind. Natürlich ist die Sendung seit langem auch im Süden Deutschlands zu sehen.

Und auch hierzulande gibt es eigene Figuren: Als erstes traten der gutmütige Bär Samson mit seinem Schnuffeltuch und das weckersammelnde Vogelmädchen Tiffy an. Später gesellte sich ihnen der nörgelnde Außenseiter Herr von Bödefeld zu – ewig missgelaunt und vielleicht deshalb inzwischen wieder aus der Sesamstraße ausgezogen.

Stars zu Gast in der Sesamstraße

Über die Jahre ist die frühe anarchische Straße mit Oscar aus der Mülltonne, dem keksfressenden Krümelmonster und der tussigen Tiffy unter Aspekten der Political Correctness glattgezogen worden: Der dreckige Oscar wurde aussortiert, das Krümelmonster darf keine fetten Schoko-Kekse mehr fressen, und Tiffy wurde durch die alleinerziehende Monster-Mutter Mona ersetzt.

Zudem enthält die deutsche Fassung nur noch wenig US-Material: Samsons Studio ist in Hamburg-Wandsbek, selbst Ernie und Bert-Folgen dreht der zuständige Sender NDR inzwischen selbst. Was immer noch gleich ist: Berühmte Schauspieler zeigen sich gerne bei Gastauftritten. Zunächst Stars wie Uwe Friedrichsen, Liselotte Pulver, Horst Janson und Manfred Krug. Inzwischen sind Otto Waalkes, Felicitas Woll und Dirk Bach dabei.

Im Vergleich zu den USA ist die Promi-Dichte in der deutschen Fassung aber eher dünn: In den USA schauen schon mal Hillary Clinton, Basketballer Michael Jordan oder UN-Generalsekretär Kofi Annan in der Sesame Street vorbei, zuletzt sogar First Lady Michelle Obama. In Deutschland hielt immerhin Ministerpräsident Christian Wulff die Fahne der Politik hoch, als er sich von einem Puppen-Reporter einen Tag begleiten ließ.

In Deutschland ist die Sesamstraße sonntags um 7.15 Uhr im ersten Programm zu sehen, dienstags bis freitags um 6.55 Uhr in NDR-Fernsehen und montags bis samstags um 8 Uhr im Kinderkanal Kika.

amg/bla/news.de/ap

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