DVD-Tipps Auf ins Leben

Im Kino nur kurz oder gar nicht zu sehen, fristen manche Filme völlig zu Unrecht ein schmuckloses Dasein auf DVD. Und einige Fernsehklassiker laufen einmal und dann nie wieder. Zeit, einiges wieder ans Licht zu holen, bestes Kino, so unterhaltsam wie tiefgehend, und echte Serienhighlights.

Nesthäkchen (Foto)
Nesthäkchen, ein Serienklassiker der frühen 1980er Jahre. Bild: Universum Film

Nesthäkchen

Von den zehn Büchern, die Elsy Ury zwischen 1913 und 1925 über das Nesthäkchen geschrieben hat, finden sich in der ZDF-Weihnachtsserie von 1983 nur drei wieder. Die aber genügten, dem Sender seinerzeit bis zu 12 Millionen Zuschauer zu bescheren. Nun ist die Serie auf DVD erschienen, alle sechs Episoden auf 3 DVDs.

Das  Nesthäkchen, das ist Annemarie, die Kleinste der Familie Braun. Mit ihren Brüdern Hans und Klaus wächst sie in Berlin kurz vor dem 1. Weltkrieg auf und wird von Vater Ernst verwöhnt. Er ist Arzt, und die Familie nebst Personal wohnt idyllisch in einem prunkvollen Haus. Doch die Idylle wird gestört, immer wieder. Von Zwischenfällen, Ferien oder Annemaries Scharlacherkrankung, die sie in einem Heim auf Amrum auskurieren soll. Das Nesthäkchen war eine von 17 Weihnachtsserien, die das ZDF bis zur Mitte der 1990er produziert hat, die zwölfte, die auf DVD erscheint. Das Fest wäre also gerettet.

«Creature Comforts»: Zum Interview, Fräulein Henne
Video: Concorde Film

Titel: Nesthäkchen
Regisseur: Gero Erhardt
Hauptdarsteller: Kathrin Toboll, Anja Bayer, Susanne Uhlen
Produktionsland: Deutschland
Produktionsjahr: 1983
Spielzeit: 330 Minuten
FSK: ohne Altersbeschränkung
Veröffentlichungsdatum: Oktober 2009

Miss Pettigrews großer Tag

Manchmal gibt es Tage, da geht alles schief. Die mausgraue Gouvernante Guinevere Pettigrew (Frances McDormand) scheint so einen Tag zu haben: Sie verliert ihren Job – mal wieder, weshalb ihr die Vermittlerin vom Arbeitsamt keine weitere Anstellung mehr besorgen möchte. Die unscheinbare Frau aus einem konservativen Pastorenhaus vergrault mit ihren strengen Moralvorstellungen jeden Arbeitgeber. Mit der Aussicht, den Tag in einem Obdachlosenasyl verbringen zu dürfen, ergreift Miss Pettigrew ihre allerletzte Chance und verschafft sich eine Stelle bei der exaltierten und ein wenig naiven Jungschauspielerin Delysia Lafosse (Amy Adams). Deren Leben ist so glamourös wie kompliziert, hat das Sternchen nicht nur eine Handvoll Liebhaber zu koordinieren, sondern auch noch ihre Filmkarriere in Gang zu bringen. Zunächst pikiert von so viel Unmoral, beginnt Miss Pettigrew Delysias Leben zu ordnen und erfährt dabei ihr eigenes Leben plötzlich in ganz neuen Facetten.

Dank zweier fabelhafter Hauptdarstellerinnen, aber vor allem dank der spritzigen Dialoge gelingt Regisseur Nharat Nalluri eine zauberhafte Skrewball-Komödie im London der 1930er Jahre. Nach der Romanvorlage der englischen Schriftstellerin Winifred Watson zeichnet Nalluri ein Sittenporträt einer von Männern dominierten Gesellschaft am Vorabend des Zweiten Weltkriegs, in der Frauen gezwungen sind, ihre eigenen Träume vom Leben durch List und Tücke zu erkämpfen. Dieses sich mit Verve vom Leben holen, was einem wichtig ist, schafft eine federleichte Atmosphäre, in der selbst die Nebenfiguren mit messerscharfem Wortwitz aufblühen können und verleiht dem Film selbst in seinen tragischen Momenten einen ganz eigenen Charme und Esprit.

Titel: Miss Pettigrews großer Tag
Regisseur: Bharat Nalluri
Hauptdarsteller: Amy Adams, Frances McDormand, Ciarán Hinds
Spielzeit: 88 Minuten
Produktionsland: USA
Produktionsjahr: 2008
FSK: ohne Altersbeschränkung
Veröffentlichungsdatum: Februar 2009

The Good Night

Die Beziehung von Gary (Martin Freeman) und Dora (Gwyneth Paltrow) ist wohl das, was man als «auseinander gelebt» bezeichnen würde. Der Komponist von Werbejingles ist mit seinem Beruf, seinem Alltag, dem ganzen Leben unzufrieden. Seine Freundin kann mit ihm überhaupt nichts mehr anfangen, das Paar steckt in einer Sackgasse. Eines Nachts erscheint Gary im Traum die schöne Anna (Penelope Cruz). Während seine Beziehung den Bach hinunter geht, versucht Gary mit Hilfe des Leiters einer Klartraumgruppe (Danny de Vito) seine Träume zu kontrollieren. Doch ist die Frau, von der man träumt, auch die Traumfrau? Als Gary Annas Gesicht plötzlich auf einem Werbeplakat sieht, gerät zunächst alles durcheinander.

Bei manchen Filmen denkt man schon bei der Beschreibung, dass es wieder einmal eine dieser 08/15-Komödien ist. Und Regisseur Jake Paltrow (Bruder von Gwyneth) führt zugegebener Maßen den Zuschauer auch lange an der Nase herum. Hier und da etwas langatmiger erzählt als notwendig, treibt man einem scheinbar erwartbaren Ende zu. Doch wenn man sich schon beim Reiseziel ganz sicher ist, eröffnen sich nach und nach ganz neue Blickwinkel und wie bei einem Traum, wacht man auf und sieht plötzlich ganz klar.

Titel: The Good Night
Regisseur: Jake Paltrow
Hauptdarsteller: Gwyneth Paltrow, Martin Freeman, Simon Pegg
Produktionsland: USA
Produktionsjahr: 2007
Spielzeit: 90 Minuten
FSK: ab 12 Jahren
Veröffentlichungsdatum: Mai 2009

Creature Comforts

Tiere sind auch nur Menschen, sagt der Volksmund und auf den scheint Nick Park ganz besonders aufmerksam geschaut zu haben. Der Trickfilmer, der vor allem durch das Pärchen Wallace & Gromit bekannt wurde, hat 1989, lange bevor diese beiden laufen lernten, den Kurzfilm Creature Comforts gedreht und darin Zootiere über ihre Lebensbedingungen ausgefragt.

2003 folgte die Serie zum Film, die in Deutschland auf Comedy Central ausgestrahlt wurde. In diesem Falle aber ging Park umgekehrt vor. Erst führte er die Interviews mit Menschen, später kneteten er und sein Team die Figuren passend zu den O-Tönen. Da spricht dann das Chamäleon-Weibchen darüber, dass es sich gar nicht so hässlich findet oder der Windhund über sein Leben als Läufer. Bevor der aber so richtig zu Wort kommt, geht die Klappe auf und er flitzt los. Was Park da an Interviews zusammengetragen hat, ist komisch, manchmal tragisch, zutiefst menschlich und berührend, meist aber einfach nur zum Schreien. Eigentlich eine ganz große Parodie. Auf uns Menschen.

Titel: Creature Comforts
Regisseur: Richard Goleszowski
Produktionsland: Großbritannien
Produktionsjahr: 2003
Spielzeit: 116 Minuten
FSK: ab 6 Jahren
Veröffentlichungsdatum: Oktober 2009

Der bunte Schleier

England 1923: Um den Wunsch ihrer Eltern zu erfüllen, heiratet die verwöhnte Kitty (Naomi Watts) den Bakteriologen Walter Fane (Edward Norton), der sie über alles liebt und begleitet ihn nach China. Doch Kitty erwidert diese Liebe nicht und beginnt eine Affäre. Walter entdeckt die Liebschaft und stellt seine Frau vor eine schwierige Wahl: Entweder sie begleitet ihn in ein choleraverseuchtes Dorf oder sie muss die Schmach einer Scheidung ertragen. Kitty folgt ihm in den vermeintlichen Tod und in ein Wechselspiel aller großen menschlichen Gefühle.

Regisseur John Curran hat die Geschichte des englischen Dramatikers William Somerset Maugham neu verfilmt. Currans Film nimmt sich Zeit für seine Geschichte. Behutsam und in sanften, aber dennoch wirkungsvollen Bildern erzählt er von verletzten Gefühlen, von Hass, Menschlichkeit und der Kraft der Liebe. Getragen von dem präzisen und ungekünstelten Spiel von Watts und Norton und der bezaubernden Musik von Alexandre Desplat, gespielt vom chinesischen Starpianisten Lang Lang, ist so ein beeindruckender Film entstanden, der völlig zu Unrecht mit weitgehender Nichtbeachtung bestraft wurde.

Titel: Der bunte Schleier
Regisseur: John Curran
Hauptdarsteller: Edward Norton, Naomi Watts, Liev Schreiber
Produktionsland: USA
Produktionsjahr: 2006
Spielzeit: 125 Minuten
FSK: ab 12 Jahren
Veröffentlichungsdatum: Februar 2009

bla/juz/news.de

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