«Stromberg» Am Arsch der Heide

Stromberg (Foto)
So hat sich Stromberg (Christoph Maria Herbst) das Leben auf dem Land wirklich nicht vorgestellt ... Bild: Pro7

Noch einmal startet Stromberg bei ProSieben in eine neue Staffel, und die bringt tatsächlich noch einmal echte, unterhaltsame Neuerungen. Danach aber dürfte für den Büroquerulanten endgültig Schluss sein, zumindest auf der Mattscheibe. Ob es ein Wiedersehen im Kino gibt?

Eigentlich will Stromberg (Christoph Maria Herbst), stellvertretender Leiter der Abteilung Schadensregulierung bei der Capitol Versicherung, noch einmal durchstarten. Er will wieder nach oben, wo er hingehört. Und so bellt er denn auch jedem, der es garantiert nicht hören will, «Der Papa wird hier bald Chef» entgegen. Karriere, protzt er weiter, sei wie die Tour de France. «Entweder Du fährst mit Schweineblut oder mit Windschatten - immer so knapp hinterm Arsch vom Vordermann.»

Auf seinem unaufhaltsamen Weg auf der Karriereleiter ist kein Hindernis zu groß. Der Kantinenkoch ist dabei das kleinste Problem. Vor ihm quetscht Stromberg mit bloßer Hand den Heidelbeerkuchen aus und kommentiert arrogant: «Schmeckt wie Oma unterm Arm.» Der Bürohengst empfiehlt dem «Kantinen-bin-Laden» oder «Mikrowellen-Mongo», wie Stromberg den glatzköpfigen Küchenmeister nennt, sich selber ins heiße Wasser zu stellen und als Würstchen servieren zu lassen. «Und die grünen Bohnen verkaufst Du wohl als Froschschenkel, wie?»

Stromberg wäre nicht Stromberg, würde er mit solchen Entgleisungen nicht ganz fürchterlich gegen die Wand fahren. Denn wenig später offenbart sich, dass der Kantinenchef kein geringerer als der Cousin eines Vorstandsmitglieds ist, und schon läuft die Beschwerde gegen Stromberg - die Karriere des profilneurotischen Schwätzers wird zur Hängepartie.

Lange musste man warten, um noch einmal echte Wendungen bei der Serie zu erleben, die, inzwischen in der 4. Staffel angelangt, länger schon am seidenen Faden hing. Überzeugend waren die Quoten nie, nun aber gibt es für Stromberg eine echte Herausforderung. Denn der Querulant wird versetzt - nach Finsdorf, einem Örtchen «am Arsch der Heide». Und hier hat Stromberg dann tatsächlich die Chance, sich einmal zu wandeln. Nicht unbedingt zum Charmebolzen, zumindest aber zum echten Arbeiter, der rackert, der motivieren und etwas erreichen will. Genau das aber ist gar nicht so einfach.

Denn Stromberg passt nach Finsdorf «wie'n Hummerschwanz am Bockwurststand», beschreibt er seine Gefühle ob der neuen Aufgabe. Und er fragt sich, wie er dem Unternehmen in der Dorf-Filiale «in Inzesthausen», wie er seinen Arbeitsort nennt, mehr Abschlüsse einbringen soll, wenn «Mutter, Tante und Lieblingskuh dieselbe Person sind». Erschwerend kommt hinzu, dass seine beiden Mitarbeiter in der Finsdorfer Niederlassung, Achim (Kai Malina) und Magdalena (Ramona Kunze-Libnow), reichlich unmotiviert sind.

Der neue Plot gibt der etwas eingerosteten Sendung durchaus neuen Schwung. Wie auch bei Stromberg selbst einige neue Facetten auftauchen, entdeckt auch der Zuschauer fast schon vergessen Gefühlsregungen in sich. Mitleid etwa, Verständnis, doch nur, um sich gleich wieder eines besseren zu besinnen. Stromberg ist und bleibt eben ein Arschloch. Oder nicht?

Der Witz hingegen, die Pointen, bleiben altbewährt und Autor Ralf Husmann hätte sich wohl auch keinen Gefallen damit getan, an dieser Schraube auch noch zu drehen. Stromberg pöbelt und schwätzt, schleimt und poltert, dass es eine Freude ist. Nicht mehr ganz im alten Tempo, nicht mehr ganz mit dem Esprit der ersten Folgen, überdurchschnittlich gute Unterhaltung bietet die Serie aber immer noch.

Eine nächste Staffel von Stromberg ist derzeit jedoch nicht in Planung. Vielmehr arbeitet die Produktion an der Vorbereitung eines Kinofilms, den auch Herbst sich eher vorstellen könnte als eine nochmalige Fortsetzung, wie er kürzlich sagte. Für den Mobbing-Experten könnte also bald schon das Aus kommen, zumindest bei ProSieben. Den Sender dürfte das inhaltlich schmerzen, er wird sich jedoch trösten können. 130.000 DVDs der Serie hat er bisher verkauft. Das Geschäft mit Stromberg, es läuft längst außerhalb von Sendezeiten und Quoten.

 

Stromberg läuft dienstags um 22.15 Uhr auf Pro7.

bla/jan/news.de/dpa

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