Start von ZDFneo Kein Sport, keine Nachrichten und die Primetime um Neun

ZDFneo (Foto)
ZDF-Programmdirektor Thomas Bellut, Moderator Klaus-Jürgen «Knacki» Deuser und ZDFneo-Chef Norbert Himmler (v.L.n.R.) Bild: dpa

Am 1. November startet das ZDF seinen neuen Spartenkanal ZDFneo, der den Dokukanal ablöst. Schon vor diesem Termin ist das Projekt in die Kritik geraten. Die Privaten werfen dem ZDF unter anderem Gebührenverschwendung vor. Das reagiert mit Ironie.

Noch vor Sendestart des neuen Spartensender ZDFneo hagelt es Kritik – vor allem von Seiten der privaten Konkurrenz. Als «frontalen Angriff auf das Privatfernsehen» bezeichnete etwa RTL-Medienpolitik-Chef Tobias Schmid das neue Programm im Spiegel. Das ZDF kopiere die kommerziellen Sender, mit einem einzigen Unterschied: «Es gibt bei neo nicht einmal Nachrichten.

Gerade das aber war eine der Forderungen der Privatsender an ZDFneo. Sie hatten sich dafür eingesetzt, das ZDFneo eben kein Vollprogramm werde und so empfand ZDF-Programmdirektor Thomas Bellut die Kritik denn auch als scheinheilig.

Doch auch die Medienpolitik-Chefin bei ProSiebenSat.1, Annette Kümmel, sagte dem Spiegel: «Das ist ein öffentlich-rechtliches Privatprogramm. Da könnte man genauso gut Sat.1 oder Kabel 1 drüberschreiben.» Die Medienpolitik habe sich «einseifen lassen», sagte Schmid. Die Versprechen, die das ZDF für die Genehmigung gemacht habe, würden nicht eingehalten. Stattdessen werde eingekaufte US-Ware gezeigt. Laut Konzept soll ZDFneo «klar unterscheidbare Alternative zu den privaten Programmen» sein. Tatsächlich sei es «nur eine Verschwendung von Gebührengeld», sagte Schmid.

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Wenn morgen also der neue ZDF-Zielgruppenkanal startet, der aus dem digitalen Dokukanal hervorgeht und Zuschauer zwischen 25 und 49 ansprechen soll, tut er das mit einer Hypothek. Doch das ZDF wehrt sich. Mit scharfen Worten griff Bellut den Verband Privater Rundfunk und Telemedien (VPRT) an. «Die Polemik des VPRT fußt teils auf Rechenfehlern, zum anderen auf Halbwahrheiten und deren Interpretationen.» Eine vom VPRT ins Spiel gebrachte Gebührenerhöhung wegen des neuen Kanals schloss er aus. «Wir werben um ein intelligentes, weltoffenes, cleveres Publikum. Das geht nicht mit den herkömmlichen Mustern des Privatfernsehens», sagte er laut Mitteilung.

Auch bei der Vorstellung des Senders am Donnerstag in Köln kam Bellut um spitze Bemerkungen nicht herum. So entschuldigte er sich spöttisch dafür, dass sich das ZDF um jüngere Zuschauer bemühe. Man werde in jedem Genre beweisen, dass es ein öffentlich-rechtliches Programm sei, betonte ZDFneo-Chef Norbert Himmler.

Dokumentationen und «dokuaffine» Formate sollen rund die Hälfte des Programmes ausmachen, dafür verzichtet der Sender neben Nachrichten auch auf Sport. Zur Hauptsendezeit, die, der neuen Zielgruppe angepasst, um 21 Uhr beginnt, setzen die Macher von ZDFneo zudem auf Spielfilme und internationale Serien. Für das neue Programm wurde eigens die mit Fernsehpreisen ausgezeichnete US-Serie 30 Rock eingekauft. In der Serie leitet Drehbuchautorin Liz Lemon (Tina Fey) die wöchentliche Prime-Time-Comedy-Sendung The Girlie Show, ihr Arbeitsplatz ist der Nabel der amerikanischen Fernsehwelt. Doch dann setzt man ihr mit Jack Donaghy (Alec Baldwin) einen neuen Senderchef vor die Nase. Der sorgt nicht nur mit seinen geschäftlichen Entscheidungen für Chaos, sondern mischt auch kräftig im Privatleben von Langzeit-Single und Workaholic Liz mit.

30 Rock wurde bereits mit vier Golden Globes und zahlreichen Emmys ausgezeichnet. In diesem Jahr war die Serie 22 Mal für den Emmy nominiert und wurde kürzlich zum dritten Mal in Folge als beste TV-Komödie ausgezeichnet.

Zwei neue deutsche Comedys sind ebenfalls geplant: Comedy-Superlab mit NightWash-Gründer Klaus-Jürgen Deuser und Die Süper Tiger Show, eine Late Night-Show aus einem Kreuzberger Keller. Die Sängerin der Band Die Happy, Marta Jandová, präsentiert jeden Sonntag eine Musikshow.

ZDFneo sei eine «fantastische Plattform, um neue Programme auszuprobieren, sagte Bellut. Übernahmen in das Hauptprogramm des ZDF seien nicht ausgeschlossen. Bellut verwies auf die Doku-Soap Der Straßenchor, ein mit der Kamera begleitetes Musikprojekt, bei dem unter anderem Obdachlose und Drogensüchtige die Chormitglieder stellen. «Der Straßenchor würde auch das Hauptprogramm zieren», lobte Bellut.

«Wir wollen an Zielgruppen heran, die das ZDF gar nicht mehr auf dem Schirm haben», sagte ZDFneo-Chef Himmler. Geplant sei auch eine Begleitung des Programms im Internet. Über eine Zusammenarbeit mit der Plattform YouTube werde nachgedacht. ZDFneo soll schnell zum Erfolg gebracht werden: Bis Ende 2010 soll sich der Marktanteil im Vergleich zu ZDFdoku verdoppeln. Der Anteil des Dokukanals lag zuletzt bei 0,3 Prozent in digitalen Haushalten. Ein weiteres Wachstum von ZDFneo erwarten die Verantwortlichen von der Verbreitung der Digitalprogramme.

Eine weitere Neuerung gibt es ab dem 1. November für Fernsehzuschauer, die ihr Programm per Satelit empfangen. Von diesem Tag an können sie das hochauflösende HDTV-Programm von RTL und VOX empfangen. Ausgestrahlt wird das Programm über die HD+ genannte Plattform des TV-Satelliten-Betreibers SES Astra. Dieser gründete dafür eigens das Tochterunternehmen HD Plus mit Sitz in Unterföhring. Vom 1. Januar 2010 an senden auch Sat.1, ProSieben und Kabel Eins HDTV über HD+. Für den Empfang wird den Angaben zufolge ein HD+-fähiger Receiver benötigt.

Die Geräte seien am HD+-Logo zu erkennen. Bis Ende dieses Jahres kommen sechs Modelle in den Handel. Darüber hinaus werden Module für Empfangsgeräte unterstützt, die den CI-Plus-Standard verwenden. Weil die HD+-Sendungen verschlüsselt übertragen werden, ist außerdem eine entsprechende Smartcard notwendig. Die ersten zwölf Monate HD+ sind kostenlos. Für die weitere Nutzung wird jedoch eine Gebühr fällig: 50 Euro pro Jahr.

bla/nak/news.de/dpa/ddp

Leserkommentare (1) Jetzt Artikel kommentieren
  • hans haida
  • Kommentar 1
  • 31.10.2009 20:22

wer braucht HD. guter Inhalt genuegt vollstaendig. Vergesst das peinliche Bemuehen, das Programm durch evtl. bessere Technik aufzuwerten. Vergesst die privaten, das ZDF machts richtig. Gruesse aus Thailand - da zaehlt nur der Inhalt. Hoffentlich kann ich das neue ZDF hier sehen.

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