«Wetten, dass ..?» Das Karstadt der deutschen Fernsehunterhaltung

Wetten Daß ..? (Foto)
Auch mit Michelle Hunziker nicht überzeugend: Thomas Gottschalk und Wetten Daß ..?. Bild: ap

Von news.de-Mitarbeiterin Denise Peikert
Hunziker lacht viel, Gottschalk redet viel: Auch mit weiblicher Co-Moderation zieht Wetten, dass ..? seine Inhaltsleere weit über den geplanten Sendeschluss hinaus und bleibt ohne Profil.

Die wichtigste Frage wurde gleich zu Beginn geklärt: Nein, Michelle Hunziker trug kein tief ausgeschnittenes Outfit, sondern ein zwar schulterfreies, aber züchtig den Busen bedeckendes Kleid. Das war zwar kurz, aber deutlich geschmackvoller als das Outfit von Thomas Gottschalk. Das ist also auch mit der Co-Moderatorin weiterhin das Einzige, über das es überhaupt zu sprechen lohnt.

Alle anderen wichtigen Fragen wurden ja schon vor der Show geklärt. Sollte er Michelle im Fernsehen anbaggern, sei das Unterhaltung, nahm Gottschalk seinen Kritikern den Wind aus den Segeln. Außerdem werde die Schweizerin nicht wie ein Dekorationsgegenstand durch die Gegend geschoben, sondern habe eine Aufgabe: Sie erkläre die Wetten. Gottschalk selbst könne so in der Show spontaner reagieren. Und Hunziker, das sei noch gesagt, wolle den Showmaster selbstverständlich nicht beerben. Allerlei Vorab-Rechtfertigung, bei der man eigentlich eine über jede Kritik erhabene Show erwarten musste.

Moderatorenpaare
Die mit dem «und» in der Mitte
Marianne und Michael (Foto) Zur Fotostrecke

So kam es nicht. Hunziker und Gottschalk fielen sich bei den Vorstellungen der Wetten hemmungslos ins Wort. Manchmal, und das war offensichtlich nicht eingeplant, wollten auch der Kandidat und der prominente Gast noch etwas sagen. Gänzlich unübersichtlich wurde die Lage, als Dolmetscher ins Wortgemenge eingriffen. «Ich wusste die Antwort schon aus den Proben, und hab das nicht dolmetschen lassen», rief die Hunziker da schon mal aus und hüpfte vor dem verblüfften Kandidaten auf und ab vor Ungeduld.

Die von den ZDF-Verantwortlichen im Vorfeld herbeigeredete Spontanität blieb Gottschalk seinerseits schuldig. Seine Ehre mag es ihm zwar verbieten, denselben Witz mehrmals, also in den Proben und in der Show, abzufeuern. In jeder Sendung uninspirierte Fragen an seine Gäste zu stellen, scheint jedoch mit dieser Ehre vereinbar. Und so wurde Wetten, dass ..? wahrscheinlich die letzte deutsche Fernsehsendung, in der Filmemacher Michael «Bully» Herbig die Anekdote erzählen durfte, warum ausgerechnet Jonas Hämmerle die Rolle des Wickie in seinem aktuellen Film bekommen habe. «Er sagte, der lustigste Film aller Zeiten sei Der Schuh des Manitu. Und das war korrekt.» Hämmerle schaffte es auf Gottschalks Couch nicht einmal mehr, dazu ein Lächeln zu heucheln.

Hunzikers bewies, ihrer Ankündigung folgend, nun wirklich nicht das Format, Gottschalk eines Tages zu beerben. Galt Herbig bei einem seiner früheren Besuche in der ZDF-Show noch als geeigneter Kandidat dafür, stahl diesmal der zurzeit an allen Fronten siegende Karl Theodor zu Guttenberg Gottschalk in Sachen Esprit und Stil mühelos die Show. «Wenn die so schnell radeln, kommt die Steinbrück'sche Kavalerie bestimmt nicht hinterher», sagte der Wirtschaftsminister einem Schweizer, der gegen Radprofi Jens Voigt angetreten war, und sorgte damit für einen der wenigen rhethorischen Höhepunkte.

Ansonsten fehlte der langatmigen Show, die wie üblich deutlich über der geplanten Zeit endete, der Drive. Gottschalk erklärte minutenlang und mehrmals, wozu Michelle nun eigentlich da sei, während Veronika Ferres wie ein Fremdkörper schweigend auf der Couch festgenagelt schien. So etwas wie Stimmung kam kurzzeitig mit dem Besuch von Tokio Hotel auf. Ein Mädchen im Publikum wollte Bill Kaulitz unbedingt ihr Tattoo auf dem Po zeigen. Gottschalk, das öffentlich-rechtliche Fernsehen im Hinterkopf, zierte sich zunächst, erlaubte dann aber dem verzückten Fan, seinen harmlosen «Bill»-Schriftzug zu entblößen.

Wenigstens auf ein Versprechen vor der Show war Verlass: Es durfte gebaggert werden. Und zwar ganz offiziell. Meinte doch Gottschalk direkt zu Beginn mit seltener Selbstironie, dass sicher schon die Stoppuhren liefen, um zu sehen, wie lange es dauert, bis er Hunziker anmache. Die wurde dann auch direkt ausgiebig gedrückt. «Meine Frau findet, dass du sehr gut zu mir passt, weil du im italienischen Fernsehen auch immer alle anfasst.» Michelle lachte, wie sie es noch sehr oft in der Sendung tun sollte und stimmte zu. Wie sie es ebenfalls noch sehr oft tun sollte. Und so hat Thomas Gottschalk wirklich jemanden gefunden, der ihn in der Sendung nicht weiter stört. Wetten, dass ..? ist mit Michelle Hunziker das, was es ohne sie schon war: Das Karstadt der deutschen Fernsehunterhaltung, das alles für jeden bietet, aber kein Profil hat. Beim Warenhaus ging das irgendwann nicht mehr auf.

bla/news.de

Leserkommentare (3) Jetzt Artikel kommentieren
  • Lumi
  • Kommentar 3
  • 05.10.2009 08:06

wann ist denn endlich Schluß mit der Vergeudung unserer Zwangsgebühren? Den Ladenhüter abschaffen, den alten Bock Gottschalk in die Prärie und Platz machen für was Neues, es muss nicht das Teuerste sein, dafür gibt es die Privaten. Einfach Fernsehen für die Zielgruppe ü 70 machen

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  • Martin Groß
  • Kommentar 2
  • 04.10.2009 11:13

Karstadt und Wetten dass sind überholte Auslaufmodelle, die es nicht geschafft haben, sich dem Zeitgeist anzupassen. Ein Vergleich daher durchaus berechtigt.

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  • michael wentzel
  • Kommentar 1
  • 04.10.2009 10:31

Die Show dieses aufgeblasenen, alternden Unterhaltungssteinzeitmenschen mit Karstadt zu vergleichen, grenzt an Unverschähmtheit. Bei Karstadt geht es um tausende von Existenzen und nicht um eine alberne, überholte und grenzenlos langweilige Fernsehsendung.

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