Sat1-Komödie Sweet Home Brandenburg

Von wegen Landliebe: In Kremmen an der Oberhavel herrscht akuter Frauenmangel. Bis Stoffdesignerin Maja (Nadeshda Brennicke) auftaucht. In der Sat1-Komödie «Frauen wollen mehr» trifft eine verwöhnte Großstädterin auf Mief, Muffigkeit und Machos in Missionarsstellung.

Frauen wollen mehr (Foto)
In Kremmen trifft Maja (Nadeshda Brennicke) ihre alte Liebe Ben (Tobias Oertel) wieder. Bild: news.de

In Brandenburg ist es wie am Nordpol. Nein, eigentlich schlimmer. Auf 100 Männer kommen in machen Regionen gerade einmal 46 Frauen. Sogar am Polarkreis beträgt das Verhältnis Männlein zu Weiblein 100 zu 62. Statt Landliebe also Landflucht. Und das Örtchen Kremmen ist besonders schlimm dran. Während sich in der Dorfkneipe die frustrierten Männer Molle und Korn hinter die Binde kippen, karrt ein Bus die letzten gebärfähigen Frauen in die Großstadt.

Als der Jammer am größten ist, quietschen auf dem Dorfplatz Reifen. In Großaufnahme: Stöckelschuhe auf Kopfsteinpflaster. Der Teufel trägt Prada - und diese holde Erscheinung Armani und eine dicke Sonnenbrille der Marke Puck die Stubenfliege. Stoffdesignerin Maja ist aus Mailand in ihre alte Heimat geeilt, um Tante Charlotte (Walfriede Schmitt) beim Verkauf ihrer alten Weberei zu unterstützen. Ihr gelackter Italo-Lover Luca (Jan Sosniok) harrt derweil in der Modemetropole aus.

Die verlorene Tochter biegt mal eben von der Erfolgsstraße ab und kehrt heim - das Strickmuster dieser Sat.1-Komödie ist wohlbekannt und hat Hollywood-Format. In Sweet Home Alabama kehrte Reese Witherspoon New York und Patrick Dempsey den Rücken, um in einem gottverlassenen Südstaatennest die Leidenschaft zu ihrer Jugendliebe neu zu entfachen. «Old Flame, New Fire» zitiert Biker-Macho Ben (Tobias Oertel) in Frauen wollen mehr einen Song von Hank Williams. Er war Majas große Liebe, damals, als sie noch ein hässliches Kassengestell auf der Nase und den Blues im Herzen trug.

Beim Wiedersehen flammen die alten Gefühle wieder auf. Dazu braucht es nur eine durchzechte Nacht, einen kleinen Fahrradunfall und Bruce Springsteen: «I’m on fire» singt der «Boss», als sich Maja und Ben im Straßengraben befummeln. Seidenschal-Träger Luca ist schnell vergessen, die beiden landen im Bett, und alles könnte gut sein, wenn Obermacho Ben nicht mit gezinkten Karten spielen würde.

Der Frauenflüsterer mit dem Schlafzimmerblick will nämlich nicht nur Majas Tante beim Verkauf der Weberei über den Tisch ziehen, sondern hat auch noch eine Sex-Wette mit Kumpel Steffen (Peter Fieseler) laufen. Nach dem Beischlaf mit Maja ist diese zwar gewonnen, doch sein Herz hat Ben verloren: an den One-Night-Stand aus der Großstadt, der dummerweise Wind von den üblen Machenschaften bekommen hat und nun nichts mehr von Ben wissen will.

Dass die beiden am Ende wieder miteinander im Reinen sind, ist beim Genre Romantic Comedy ein offenes Geheimnis und darf an dieser Stelle getrost verraten werden. Bis dahin vergehen allerdings 90 durchaus amüsante Minuten. Mit viel Sinn für Ironie nimmt der Film (Regie: Thomas Nennstiel) die Schrullen und Macken der in ihrem Selbstbewusstsein erschütterten Männerwelt aufs Korn.

Müßiggänger Steffen hat die Erotik im Schlafzimmer mit einem Großbildfernseher ausgetrieben - und Freundin Doreen (Liane Forestieri) längst ein Flugticket nach München in der Tasche. Ihren Orgasmus verschafft sie sich selbst, weil Steffens Phantasie nicht über die Missionarsstellung hinausgeht. Landwirt Mario (Marco Zwinz) sticht derweil zwar permanent der Hafer, doch eine Frau hat er trotz seiner 32 Jahre noch nie klar gemacht. Und auch Ben («Männer dürfen Frauen nicht hinterherlaufen») entpuppt sich nach und nach als armes Würstchen voller Selbstzweifel.

Am Ende läuft dann alles ein bisschen zu glatt für die Kremmener Männerwelt. Der Film endet als Märchen - mit dem Unterschied, dass Aschenputtel in diesem Fall einen Dreitagebart trägt. Frauen wollen mehr ist alles in allem leichte, aber keine seichte Fernsehunterhaltung und obendrein ein beherztes Plädoyer für die Entschleunigung des Alltags und die Entdeckung der Langsamkeit.

Frauen wollen mehr, Dienstag, 28.April, 20.15 Uhr, Sat1

mac

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