19.07.2019, 10.06 Uhr

FaceApp als nationales Risiko: Runzel-App im Fokus des FBI - Datenschutz adieu

FaceApp ist beliebt. Immer mehr deutsche Promis zeigen sich mit bearbeiteten Bildern, die sie älter oder jünger darstellen. Doch ein Senator in den USA hat nun Bedenken angemeldet und möchte die App vom FBI untersuchen lassen.

Für US-Senator Schumer stellt das russische FaceApp ein nationales Risiko dar. Bild: picture alliance/Jenny Kane/AP/dpa

Der Hype um die gesichtsveränderte "FaceApp" geht weiter. Bekannte Stars wie der kanadische Rapper Drake oder der US-Komiker Kevin Hart hatten sich kürzlich mit dieser speziellen App auf öffentlich geteilten Fotos um Jahrzehnte älter gemacht. Nun nutzen auch deutsche Prominente die Funktion der App. Sänger Ross Antony (45) postete am Mittwoch auf Instagram ein bearbeitetes Bild von sich mit seinem Kollegen Giovanni Zarrella (41) um Jahrzehnte gealtert und schrieb dazu: "Hey Giovanni Zarrella - wir in 40 Jahren, immer noch auf Promotour". Dazu verwies er auf "FaceApp".

Face-App auch in Deutschland immer beliebter

Die Gesichts-App probierten unter anderem auch der deutsche DJ Felix Jaehn, sein französischer Kollege David Guetta, Sänger Charlie Puth, Kollege Sam Smith, Rapperin Iggy Azalea und GZSZ-Urgestein Wolfgang Bahro aus. Bekannte Sportler sind inzwischen ebenfalls auf den "FaceApp"-Geschmack gekommen, zum Beispiel Motorsportler Ken Roczen, Bahnradfahrer Robert Förstemann und die Fußballer von Hertha BSC.

Manche Prominente wie Heidi Klum, Dieter Bohlen und Torsten Frings wurden von Medien wie "Bild" und "Sportbuzzer" um etliche Jahre älter gezeigt: Die Medien veröffentlichten selbst mit der Runzel-App bearbeitete Fotos der deutschen Promis.

Bei US-Senator schrillen die Alarmglocken

Der Fraktionschef der Demokraten im US-Senat, Chuck Schumer, hat die Bundespolizei FBI zu einer Untersuchung der populären Smartphone-Applikation FaceApp aufgefordert. Die von Russland aus betriebene App könne wegen ihres Umgangs mit persönlichen Daten ein nationales Sicherheitsrisiko sowie eine Gefahr für Millionen US-Bürger darstellen, schrieb er in einem am Mittwoch auf Twitter veröffentlichten Brief. Die Smartphone-Applikation bearbeitet mit Hilfe von künstlicher Intelligenz Bilder von Nutzern und zeigt etwa, wie diese als jüngere oder ältere Menschen aussehen könnten. Auch bei Prominenten ist sie sehr beliebt.

Die Nutzer müssten dem in St. Petersburg ansässigen Unternehmen uneingeschränkten und unwiderruflichen Zugriff auf ihre persönlichen Fotos und Daten gewähren, schrieb Schumer. Dies könne dazu führen, dass die Bilder künftig öffentlich und privat ohne die Zustimmung der Nutzer gebraucht würden. Dass die Betreiberfirma ihren Sitz in Russland habe, werfe die Frage auf, ob Daten von US-Bürgern an Dritte oder möglicherweise an ausländische Regierungen weitergegeben würden.

Russische Bilderkennung und KI mit Daten aus Europa und Amerika

"Es wäre zutiefst beunruhigend, wenn die sensiblen persönlichen Informationen von US-Bürgern einer feindlichen ausländischen Macht zur Verfügung gestellt würden, die aktiv an Cyber-Angriffen gegen die Vereinigten Staaten beteiligt ist", schrieb Schumer weiter. Das FBI müsse deshalb untersuchen, ob Daten von US-Bürgern in die Hände der russischen Regierung oder ihr nahe stehenden Stellen gelangten.

In dem Brief richtet sich der Senator aus New York auch an die US-Handels- und Verbraucherschutzbehörde FTC. Diese müsse überprüfen, ob US-Bürger - inklusive Regierungspersonal und Angehörige des Militärs - ausreichend gegen eine mögliche missbräuchliche Nutzung ihrer Daten geschützt seien.

Promi-Hype und Datenschutz-Bedenken

Auch in Deutschland haben viele Promis die Medienwirksamkeit ihrer durch die App gealterten Gesichter erkannt und reihen sich in den Begeisterungsstrudel ein. Rechtlich pikant könnte allerdings auch sein, dass einige Medien ihrerseits Fotos von Prominenten veröffentlichen.

Wie das Magazin "Forbes" berichtet, landen die Fotos allerdings nicht auf Servern in Russland, sondern auf Servern von Amazon und Google in den USA. Dass die Daten dennoch in Russland ausgewertet werden könnten, sei damit jedoch nicht ausgeschlossen.

Auch sei es unklar, wie viel Zugriff FaceApp-Mitarbeiter auf die hochgeladenen Bilder hätten, schreibt "Forbes". FaceApp-Gründer Jaroslaw Gontscharow betonte dem Magazin gegenüber, dass die meisten Bilder innerhalb von 48 Stunden nach dem Upload von den Servern wieder gelöscht würden. Nutzer könnten das automatische Löschen auch in den Einstellungen wählen. Gontscharow betonte zudem, dass sein Unternehmen Nutzerdaten weder verkaufe noch an dritte weitergebe.

luj/kum/news.de/dpa

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