09.07.2019, 16.30 Uhr

Sprachassistenten in der Kritik: Bundestags-Gutachten warnt! Wie gefährlich sind Alexa & Co. wirklich?

Amazon Echo oder Staubsaugerroboter ziehen in immer mehr Haushalte ein. Dabei stellt sich die Frage: Was machen die Geräte mit den aufgenommenen Daten?

Sprachassistent Alexa sammelt fleißig Daten von Kindern. Bild: picture alliance/Britta Pedersen/ZB/dpa

Immer mehr Familien setzen bei der Kommunikation oder dem Hausputz auf neue Technologien, wie ein aktuelle Studie bestätigt. Amazon Echo, Apples HomePod oder Saugroboter spielen nicht nur Musik ab oder saugen den Boden per GPS, sondern sammeln dabei ständig Daten. Darin sieht der wissenschaftliche Dienst ein besonders großes Risiko für Kinder und Besucher.

Sprachassistenten schützen Kinder und Besucher nicht

Der Sprachassistent "Alexa" von Amazon birgt nach Einschätzung des Wissenschaftlichen Dienstes des Bundestags Risiken für Minderjährige und unbeteiligte Besucher. Konkret geht es darum, dass Kinder persönliche Informationen preisgeben oder mit ihrer Stimme Inhalte abrufen könnten, die für Minderjährige nicht geeignet sind. Außerdem stellt sich die Frage, was mit Besuchern ist, die nicht wissen, dass die Software gerade aufzeichnet - auch wenn die Aufzeichnung in der Regel nur wenige Sekunden dauert.

In einem Gutachten stellt der Wissenschaftliche Dienst fest, Amazon dürfte der Pflicht zur Informationsvermittlung bei der Datenerhebung von Nutzern ausreichend nachkommen - "offen bleibt jedoch, wie unbeteiligte Dritte und Minderjährige von der Datensammlung ausgeschlossen werden können".

Was macht Amazon mit den Daten aus Spracherkennungs-Gadgets wie Alexa?

Mit Blick auf die USA sei außerdem unklar, "zu welchen weiteren Zwecken Amazon seine Daten zukünftig nutzen könnte", heißt es in dem Gutachten, das der Deutschen Presse-Agentur vorliegt. Auch ein Datendiebstahl aus der Amazon Cloud könne nicht ausgeschlossen werden. Aufgrund der Masse der dort gespeicherten Informationen "könnte dies die Nutzer von "Alexa" besonders sensibel treffen".

Jugendschutz: Innenministerium unternimmt nichts

Das Bundesinnenministerium fühlt sich in der Sache nicht zuständig. Ein Sprecher erklärte auf Anfrage: "Die Nutzung der Sprachassistenten betrifft Datenverarbeitungen durch nichtöffentliche Stellen." Für diese lasse die Datenschutz-Grundverordnung der EU den nationalen Gesetzgebern so gut wie keinen Regelungsspielraum.

"Wir müssen darauf dringen, dass die Einwilligungserklärung für den Nutzer auf die Gefahren und Möglichkeiten hinweist, die mit der Übertragung und Nutzung der Daten sowie der Daten von Dritten, die sich zufällig im Raum befinden, hinweist", sagte der fraktionslose Bundestagsabgeordnete Uwe Kamann. Dies müsse detailliert erfolgen, "und nicht indem man nur einmal ein Häkchen für alles setzt". Der Wissenschaftliche Dienst hält fest: "Angaben zur Speicherungsdauer sind in den Nutzungsbedingungen von Amazon nicht ersichtlich."Kamann hatte den Wissenschaftlichen Dienst explizit nach "Alexa" gefragt. Er betonte jedoch: "Bei allen sprachbasierten Aufzeichnungssystemen gibt es diesen kritischen Punkt."

Daten sammeln auf Befehl bei Alexa, Siri und Co.

Die Amazon-Software sendet erst dann Sprachdaten, wenn der Nutzer ein Aktivierungswort ausspricht - zur Auswahl stehen "Alexa", "Computer", "Echo" oder "Amazon". Digitale Sprachassistenten wie Amazons Echo-Lautsprecher mit der Software "Alexa" oder "Siri" von Apple können Fragen beantworten, bestimmte Musik abspielen, Lebensmittel bestellen und andere Aufgaben erledigen. Laut einer aktuellen Studie werden sie besonders häufig in Familien genutzt.

Amazon bietet den Nutzern von "Alexa" zwar neuerdings mit dem Befehl "Alexa, lerne meine Stimme" die Möglichkeit, ein persönliches Stimmprofil einzurichten. Die Stimmprofile werden aber nach Angaben eines Amazon-Sprechers nur genutzt, "um das individuelle Nutzererlebnis zu verbessern". Auf den Befehl "Computer, spiele Musik" hin werden beispielsweise für verschiedene Profile unterschiedliche Titel abgespielt. Das Gerät für Kinder oder Mitbewohner zu sperren, erlaubt die neue Stimmerkennung aber nicht. "Eine zweifelsfreie biometrische Identifizierung, die Voraussetzung für das Sperren einzelner Profile, beziehungsweise die Deaktivierung von Sprachaufzeichnung einzelner Nutzer wäre, findet über Stimmprofile nicht statt", erklärte der Sprecher.

Wie wird Alexa sicherer?

Sprachassistenten verfügen immer noch nicht über Sicherungsmaßnahmen für Minderjährige. Doch die Initiative "Schau hin!" rät Eltern ihre Kinder selbst zu schützen. "Am besten lassen Eltern ihre Kinder Alexa, Siri und Co. nicht unbeaufsichtigt nutzen. Nur so können sie sicherstellen, dass keine ungeeigneten Inhalte aufgerufen oder Online-Bestellungen getätigt werden."

Bevor Kinder unfreiwillig bei Amazon bestellen oder Musik mit nicht jugendfreien Texten hören, empfiehlt "Schau hin", in den Einstellungen des Amazon-Kontos Käufe von Minderjährigen zu unterbinden oder per PIN abzusichern. Bei Google Home lässt sich ein eingeschränkter Modus für YouTube aktivieren. Es werden dann nur Lieder ohne explizite Texte gespielt.

Um zumindest zu gewährleisten, dass der Nachwuchs nicht versehentlich bei Amazon shoppen geht, empfiehlt "Schau hin", Einkäufe über Alexa in den Einstellungen des Amazon-Kontos zu unterbinden oder mittels PIN zu sichern. Google-Home-Nutzern wird geraten, den eingeschränkten Modus für YouTube zu aktivieren – der verhindert das Abspielen von Musiktiteln und Radiosendern mit expliziten Texten.

Obacht im Haushalt: Staubsaugerroboter sammelt Daten

Auch Staubsaugerroboter sammeln fleißig Daten. Per GPS und Sensoren erstellen sie einen Grundriss der Wohnung, um anhand dieser Daten beim nächsten mal alles Ecken der Wohnung von Staub zu befreien. So fand zum Beispiel das Security Lab der TU Darmstadt heraus, dass Hacker den Status und den Grundriss der Wohnung vom Modell Tesvor X500 herausfinden können. Ganz einfach können Fremde die MAC-Adresse herausfinden und Informationen stehlen. Eine weitere Sicherheitslücke, wie bei anderen Geräten, ist das fehlende AWS-Zertifikat. Ohne dieses gibt es keine sichere Verschlüsselung des Saugroboters. Ein ideales Angriffsziel also für jeden kriminellen Datensammler.

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bos/loc/news.de/dpa

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