Smartphone am Steuer: Tippen, texten, chatten bis es kracht?

Ständig online und erreichbar sein: Das kann hinterm Lenkrad schnell lebengefährlich werden. Wie Sie sich davor schützen und was es alles zu beachten gilt, verraten Ihnen Verkehrsexperten in den wichtigsten Fragen und Antworten.

Die Ablenkung durch Smartphones im Straßenverkehr nimmt stetig zu. Bild: DVR e.V.

In nicht allzu ferner Zukunft werden Autos wohl autonom fahren - bis dahin ist es der Mensch, der sie sicher steuern muss. Doch der beschäftigt sich hinter dem Steuer immer öfter mit seinem Smartphone: checkt Mails, Tweets und News, tippt Nachrichten, ist in sozialen Netzwerken unterwegs. Und setzt sich und andere dadurch einem vielfach erhöhten Unfallrisiko aus. Jeder dritte Unfall mit Personenschaden, so belegen Zahlen aus Österreich, ist die Folge von Ablenkung. Ein tödlicher Trend, den zu stoppen jeder selbst in der Hand hat. Wie man trotz Smartphone an Bord sicher unterwegs ist, dazu berieten Verkehrsexperten am Lesertelefon. Hier die wichtigsten Fragen und Antworten:

Was lenkt Autofahrer besonders stark ab?

Prof. Dr. Mark Vollrath: Am schlimmsten ist es, wenn man von der Straße wegschaut und dann auch noch die Hände vom Lenkrad nimmt. Das passiert, wenn man das Smartphone bedient, aber auch wenn man im Navigationssystem ein neues Ziel eingibt. Telefonieren lenkt auch ab, aber "nur" geistig - und das ist in den meisten Fahrsituationen nicht ganz so schlimm.

Warum lassen sich Autofahrer überhaupt ablenken?

Prof. Dr. Mark Vollrath: Weil Autofahren oft anspruchslos und langweilig erscheint. Man fährt völlig automatisch und hat den Eindruck, man könne sich ruhig anders beschäftigen. Hinzu kommt, dass die Ablenkung so spannend ist und oft eine Antwort fordert. Da glaubt man, nicht warten zu können.

Was sagt der Gesetzgeber? Was ist erlaubt, was verboten?

Kay Schulte: Das regelt Paragraf 23 Absatz 1a der Straßenverkehrsordnung: Wer ein Fahrzeug führt, darf ein Mobil- oder Autotelefon nicht benutzen, wenn hierfür das Gerät oder der Hörer aufgenommen oder gehalten werden muss. Dies gilt nur dann nicht, wenn das Fahrzeug steht und bei Kraftfahrzeugen der Motor ausgeschaltet ist. Offenbar ist noch zu wenig bekannt, dass eine verbotswidrige Nutzung mit einem Punkt im Fahreignungsregister sanktioniert wird.

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Warum regelt der Gesetzgeber die Nutzung von Smartphones nicht neu?

Kay Schulte: Eine solche Neuregelung ist in der Tat längst überfällig. Die gesetzlichen Vorschriften für die Nutzung von Mobiltelefonen bei der Verkehrsteilnahme stammen aus vorsintflutlichen verkehrsrechtlichen Zeiten - die Realität hat sie längst überholt. Die einzig konkrete Vorschrift, die sich auf das Telefonieren mit Mobiltelefonen bezieht, steht derzeit in Paragraf 23 Absatz 1a der Straßenverkehrsordnung.

Warum wird gegen die Smartphone-Nutzung am Steuer nicht härter durchgegriffen?

Kay Schulte: Aufgrund der Vielfalt der Aufgaben und der Personalknappheit bei den Polizeikräften der Länder ist eine gezielte Kontrolle der Smartphone-Nutzung kaum durchführbar. Hinzu kommt: Verstärkte Kontrollen wären zwar ein wirksames Instrument, aber kein Allheilmittel für das Problem der Ablenkung. Denn nach wie vor wird das Risiko durch Ablenkung dramatisch unterschätzt. Bei Tempo 50 lege ich pro Sekunde 14 Meter im Blindflug zurück, wenn ich auf mein Smartphone schaue. Und selbst wenn dabei hundertmal nichts passiert ist - beim nächsten Mal kann die Ablenkung tödliche Folgen haben.

Darf die Polizei meine Verbindungsdaten kontrollieren oder das Handy konfiszieren, wenn es zu einem Unfall gekommen ist?

Kay Schulte: Im Rahmen der Beweissicherung bei Verdacht auf eine durchgeführte Straftat ist das möglich - und genau darum handelt es sich, wenn es zu einem Unfall mit Personenschaden kommt.

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