Panoramafreiheit ist in Gefahr: Selfies vor Sehenswürdigkeiten könnten verboten werden

Sommerzeit ist Urlaubszeit! Doch die Freude nach dem Urlaub könnte bald vergehen. Wer Fotos von Sehenswürdigkeiten im Internet veröffentlicht, könnte demnächst nämlich Post vom Anwalt bekommen. Grund: Die EU plant eine Einschränkung der Panoramafreiheit.

Ein Paar macht unter dem Eiffelturm ein paar Selfies. Damit könnte jedoch bald Schluss sein. Bild: Fredrik von Erichsen/dpa

Können Urlauber ihre Fotos vom Eiffelturm, dem Riesenrad London Eye oder der ewig unfertigen Kirche Sagrada Familia in Barcelona künftig nicht mehr einfach so im Internet posten? Diese Sorge treibt die Piraten-Politikerin Julia Reda um.

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Julia Reda fordert Panoramafreiheit in allen EU-Staaten

Die 28-Jährige sitzt im Europaparlament und ist dort für die Reform des Urheberrechts zuständig. Die EU will eine veraltete Richtlinie in die digitale Zeit holen. In Deutschland darf man Fotos von Gebäuden und öffentlichen Kunstwerken machen und sie frei verwenden. Das beinhaltet auch die kommerzielle Nutzung wie für Kalender oder Postkarten. Das nennt sich Panoramafreiheit. Aber nicht alle EU-Staaten halten es so. In Frankreich gibt es zum Beispiel keine generelle Panoramafreiheit. Reda wollte das nun ändern und die Verwendung von Umgebungsfotos in allen EU-Mitgliedsstaaten erlauben.

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Urheberrecht vs. gewerbliche Nutzung von Fotos

Doch Redas Vorstoß ging nach hinten los.Ihr Parlamentskollege Jean-Marie Cavada von den Liberalen legte nämlich einen Gegenvorschlag vor. Die Christdemokraten, Sozialdemokraten und Liberalen imRechtsausschuss stimmten seinerVersion zu. Mit ihrer Mehrheit fordern sie:Wer Fotos oder Videos von fest installierter Kunst und öffentlichenGebäuden gewerblich nutzen will, braucht dafür die Einwilligung der Urheber.

Nun hagelt es heftige Kritik. Für jedes Bild eine Genehmigung einzuholen sei "ein unmögliches Unterfangen", schreibt der Fotografenverband Freelens alarmiert. "Das kann das Ende der professionellen Fotografie im öffentlichen Raum bedeuten." Der Verband fürchtet ebenso wie Piratin Reda, dass nicht nur Profi-Fotografen von einer solche Regelung betroffen wären.

Keine Selfies vor Gebäuden auf Facebook?

Reda warnt, "dass du (...) für jedes deiner Urlaubsfotos prüfen müsstest, ob es ein Gebäude oder öffentliches Kunstwerk zeigt, ob dieses Werk urheberrechtlich geschützt ist". Erst dann dürfte man die Fotos auf Plattformen wie Facebook hochladen. Denn diese Seiten sicherten sich die kommerzielle Verwendung der Nutzerbilder zu. Die Einschränkung "würde also Millionen von Europäerinnen und Europäerin in Konflikt mit dem Urheberrecht bringen", sieht Reda voraus.

Ganz so dramatisch ist es allerdings nicht. Denn die Facebook-Regeln dienen vor allem dem Zweck, dass das Netzwerk die Bilder selbst weiterverarbeiten kann, um sie anderen Nutzern anzuzeigen. "Wie die Plattformen darauf reagieren würden, wenn Bilder von öffentlichen Orten leichter Urheberrechte verletzen würden, bleibt offen", schreibt die Fachseite für Internet-Recht iRights.info.

Faire Entlohnung von Künstlern als Argument

Auch das Büro des Abgeordneten Cavada beteuert, es gehe nicht um die Verfolgung regulärer Internetnutzer. "Herr Cavada hatte nie das Ziel, Nutzer zur Kasse zu bitten oder ihre Freiheit im Internet einzuschränken." Es gehe um eine faire Entlohnung für Künstler durch Plattformen wie Facebook, Instagram oder Flickr.

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