Computer: Microsoft-Justiziar: «Gesunde Debatte» um NSA-Datensammlung

Berlin - Microsofts Chef-Justiziar Brad Smith hat die Debatte um die Datensammlung durch die nationale Sicherheitsbehörde NSA begrüßt. Es stehe ihm zwar nicht zu, die Vorgehensweise des Whistleblowers Edward Snowden zu bewerten.

Doch die von ihm erwirkte Veröffentlichung der Dokumente um die Datensammlungspraktiken des US-Geheimdiensts habe eine «gesunde Debatte» angestoßen. Es sei nicht das erste Mal in der Geschichte der USA gewesen, dass das Pendel in eine ähnliche Richtung ausgeschlagen sei, als es um die Frage der nationalen Sicherheit ging, sagte Smith in Berlin.

«Die Berichte über das Spionageprogramm Prism waren extrem verwirrend», sagte Smith. Demnach sei über das Spionage-Programm eine riesige Datenmenge gesammelt worden. Microsoft als IT-Unternehmen habe allerdings nur sehr wenige Anfragen nach Herausgabe von Daten verzeichnet. Um das Vertrauen der Kunden wieder aufzubauen, sei in erster Linie Transparenz wichtig. Manche Schritte müssten von den IT-Unternehmen kommen, manche aber auch von den Regierungen.

Microsoft habe sich seither gemeinsam mit anderen IT-Unternehmen für Reformen in der US-Gesetzgebung eingesetzt. «Mit verschiedenen Schritten sind wir nun dabei, das Vertrauen zurückzugewinnen.» Als einen Erfolg sieht Smith an, dass Microsoft heute mehr und detailliertere Daten über erfolgte Anfragen und Zugriffe auf Nutzerdaten durch Behörden und Regierungen veröffentlichen darf.

Seinen Kunden biete Microsoft darüber hinaus eine verbesserte Verschlüsselung ihrer Daten und Datenflüsse an. Zudem könnten etwa Unternehmenskunden ihre Daten auf Wunsch auch auf Servern in Europa speichern lassen. Dafür besitzt Microsoft seit einiger Zeit Backup-Server in Amsterdam und Irland. Zudem habe Microsoft in seiner Software keinerlei Hintertüren für Geheimdienste und gebe auch keine Schlüssel für gesicherte Daten heraus.

Auch die amerikanische Nichtregierungsorganisation Electronic Frontier Foundation (EFF) bescheinigte unter anderem Microsoft gute Arbeit. Der NSA-Skandal habe unter den IT-Unternehmen für deutlich mehr Transparenz gesorgt und mehr Licht in die Praxis der Datenabfrage durch Regierungen und Behörden gebracht, fand die EFF in einer Studie heraus.

Neben Microsoft schnitten vor allem Apple, Facebook, Google, Twitter, Yahoo sowie Dropbox besonders gut in dem EFF-Vergleich ab. Sie erhielten von der Bürgerrechtsorganisation in allen Kategorien eine Auszeichnung. Weit abgeschlagen rangierten dagegen Unternehmen wie Amazon und AT&T. Sie verzichteten etwa darauf, ihre Kunden über Datenanfragen durch Regierungen und Behörden aufzuklären und kämpften auch nicht für die Rechte ihrer Kunden vor dem US-Kongress, urteilte die EFF. Die Fotoplattform Snapchat erhielt als einziges IT-Unternehmen nur einen einzigen von sechs Sternen.

Studie der EFF

news.de/dpa

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