Handy-Knigge Die sieben Todsünden bei Smartphones

Ein Leben ohne Smartphone, für viele Nutzer grenzt das an Bestrafung. Mancher führt schon eine quasi-religiöse Beziehung mit dem kleinen Gerät. Bei so viel inniger Liebe kann aber vieles ausarten. Mit etwas Ironie lassen sich die sieben Todsünden auch bei Smartphones anwenden.

Mit einem Smartphone wird der Alltag leichter. Doch es gibt sieben Sünden für Smartphone-Nutzer. (Foto)
Mit einem Smartphone wird der Alltag leichter. Doch es gibt sieben Sünden für Smartphone-Nutzer. Bild: dpa

Smartphones spalten die Nation. Für die Nutzer sind sie mitunter die wichtigste Erfindung der vergangenen Jahre - die Nichtnutzer hingegen wundern sich, wie viel Zeit man mit den kleinen Geräten verbringen kann. Da ist durchaus ein Vergleich mit den sieben Todsünden herstellbar - wenn auch mit einem Augenzwinkern.

Hochmut

Smartphone-Nutzer neigen dazu, alte Technik zu belächeln. Vor allem das Festnetz scheint kulturell abgemeldet zu sein. Ruft ja sowieso nur noch Mama drauf an. Oder nervige Werbefirmen. Stört mit seinem lauten Klingeln in ruhigen Minuten, erschreckt beim Chatten oder SMS-Tippen. Die Ära des Festnetzes war die Zeit, in der noch Telefonnummern auswendig gelernt wurden. Wer jetzt neue Bekanntschaften macht, verweist auf sein Profil bei Facebook. Die Festnetznummer aufzuschreiben gilt mittlerweile als «old school». Doch in Zeiten des Festnetzes war die Gefahr wenigstens geringer, von einem Auto überfahren zu werden, weil man mit starrem Blick aufs Handy über die Straße lief.

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Geiz

Gemeint ist die übertriebene Lust am Schnäppchen mittels App. Viele gehen zwar zum Aussuchen oder Anprobieren von Klamotten ins Geschäft, bestellen dann aber lieber günstiger im Internet. Mancher macht noch im Geschäft mit Barcode-Scanner den Preisvergleich. Wenn das alle machen, gibt es bald kein Shoppen und Bummeln mehr, sondern nur noch Online-Handel und Postdienste. Die Geiz-ist-geil-Mentalität lässt Innenstädte und Einkaufszentren zur Kapitalismuskulisse werden. Der geschniegelte Verkäufer zeigt einem alles in schicker Atmosphäre und der Schichtarbeiter packt es dann in trostloser Umgebung in Kartons.

Wollust

Mit dem Smartphone seine grenzenlose Sammelwut befriedigen: Das Internet scheint nur für Sex und Porno erfunden worden zu sein. Doch die sinnliche Begierde schlägt auch in anderen Bereichen zu. Früher gab es das Klischee vom Japaner, der seinen Urlaub nur durch die Kamera sieht und die Ferien erst zu Hause mit Hilfe von Filmen und Fotos «erlebt». Heute ist das ein Massenphänomen. Was nicht aufgezeichnet wurde, scheint nie passiert zu sein. Bei Popkonzerten zum Beispiel hat kaum noch jemand die Hände frei zum Klatschen. Leuchtende Displays überall. Die Musiker auf der Bühne schauen statt auf ein Meer von Feuerzeugen auf ein Feld von Handys. Wer schaut sich das Gesammelte überhaupt an?

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Zorn

Der Zorn der anderen ist Smartphone-Nutzern sicher. Vor allem, wenn das Handy mehr Beachtung geschenkt bekommt als die Menschen, die gerade bei einem sind. Wer in einem persönlichen Gespräch immer aufs Smartphone linst und damit signalisiert, dass er in Gedanken ganz woanders ist, kann bei seinem Gegenüber Zorn erzeugen. Das Schlimme am Smartphone ist die Vergrößerung der Welt. Die Technik erlaubt jedem, viel mehr von den parallelen Ereignissen mitzubekommen und danach süchtig zu werden. Viele verfallen der grotesken Angst, ständig etwas zu verpassen. Selbst beim Ausgehen in Bars oder Restaurants sieht man immer öfter Menschengruppen ins Smartphone statt ins Gespräch vertieft.

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Völlerei

Gemeint ist die Maßlosigkeit bei der Benutzung all der schönen Smartphone-Anwendungen. Viele bekommen den Hals nicht voll, seien es Computerspiele, Chats oder tatsächlich Telefonate, die gerne laut und störend in der Bahn, im Restaurant, im Supermarkt oder auf der Straße geführt werden. Mit dem Alleskönner in der Tasche kann man in sozialen Netzwerken auch immer sofort kommentieren - oft leider unüberlegt und fies. Im Internet surfen kann man sowieso. Hauptsache, niemals einfach mal die Klappe oder die Hände still halten.

Neid

Der Neid aus dem Freundeskreis zwecks der vielen abrufbaren Neuigkeiten ist sicher. Soziale Netzwerke wie Facebook verstärken das Nicht-Gönnen-Können. Das sagen zumindest Forscher der Technischen Universität Darmstadt und der Humboldt-Universität Berlin. Schuld sind die fast durchweg positiven Nachrichten, die die «Freunde» posten. Urlaubsbilder, berufliche Erfolge, Fotos vom Essen. Um negative Gefühle wettzumachen, wird mit eigenen Erfolgsgeschichten reagiert - so dreht sich die «Neidspirale» weiter. Ein Teufelskreis.

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Trägheit

Nur nicht mehr selber denken: Bequemlichkeit und Faulheit schreiten voran, weil der leistungsstarke Taschencomputer immer mit dabei ist. In Gesprächen wird einfach gegoogelt, wenn keiner weiter weiß. Heute kann man auch einfach losfahren oder laufen, ohne zu planen. Geht ja alles bestens unterwegs. Fahrpläne, Stadtpläne, E-Mails - alles ist bei Bedarf verfügbar. Verabredungen sind nur noch grob nötig. Wir finden uns dann schon, rufen einfach an, schreiben kurz eine Nachricht. Das ist einerseits alles ganz wunderbar, andererseits ersetzt Verpeiltheit zunehmend die gute alte Verlässlichkeit.

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sca/som/news.de/dpa

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Leserkommentare (1) Jetzt Artikel kommentieren
  • Astrid B.
  • Kommentar 1
  • 07.05.2013 06:56

Gar nichts halte ich davon - schon seit geraumer Zeit beobachte ich, wie sich die Menschen immer mehr auf dieses Ding konzentrieren und ihre Umwelt kaum noch wahrnehmen. Diese Leute sollten Einladungen gar nicht mehr annehmen... Ich finde es höchst unhöflich, wenn Personen sich z. B. bei Familienfeiern hauptsächlich so einem Gerät widmen. Man sollte Prioritäten setzen können.

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