Mobile Payment Wenn das Smartphone das Geld ersetzt

Nokia, Motorola und Co.
Neue Smartphones erobern die Welt

Von Christine Xuân Müller
Mühselig ist die Suche nach Kleingeld und Scheinen. Und sich die PIN der EC-Karte zu merken, fällt auch nicht jedem leicht. Als Alternative drängt sich das Smartphone in diesem Fall geradezu auf. Und dank moderner Technologie geht drahtloses Bezahlen mit dem Handy nun auch in Deutschland.

An der Supermarktkasse das Handy zücken statt der Brieftasche - noch ist das in Deutschland Zukunftsmusik. Aber die mobile Geldbörse könnte künftig auch hierzulande mehr zum Einsatz kommen. Ab Dezember kann man zum Beispiel Bahnfahrten per Handy bezahlen, wie ein Bahn-Sprecher der Nachrichtenagentur dapd sagte.

Es klingt ganz einfach: Statt nach Kleingeld zu kramen oder immer die Kreditkarte parat zu haben, halten Nutzer einfach ihr Handy an die Supermarktkasse, um die Rechnung zu bezahlen. Möglich macht das Near Field Communication (NFC), eine Funktechnik, mit der Daten über wenige Zentimeter Entfernungen ausgetauscht werden können. Smartphones der neuesten Generation sind bereits mit dieser Technik ausgestattet. «Zu erkennen sind sie in der Regel durch ein kleines NFC-Zeichen, einem Piktogramm, das Funkwellen symbolisiert», sagt Marie-Anna Winter, Chefredakteurin des Onlineportals Teltarif.de

Im Ausland ist Bezahlen per Handy bereits üblich: «In Asien, insbesondere in Japan und Südkorea ist das bargeldlose Bezahlen auf Basis von NFC schon sehr verbreitet, etwa im öffentlichen Nahverkehr», sagt Michael Barth, Bereichsleiter Banking und Financial Services beim Branchenverband Bitkom. In den Niederlanden oder in Norwegen werde das Handy häufig als Zahlungsmittel genutzt.

Deutsche Bahn als Vorreiter beim NFC-Bezahlen

In Deutschland lassen sich bisher hauptsächlich Fahrkarten per Handy bezahlen. Wer zum Beispiel von einem Berliner Vorort mit der S-Bahn zum Hauptbahnhof fährt, um von dort mit dem ICE nach Frankfurt am Main zu gelangen und danach wieder eine S-Bahn bis zum Zielort nimmt, braucht dafür nicht unbedingt ein Ticket zum Anfassen. Es reicht ein NFC-fähiges Smartphone. Das Handy muss nur am Abfahrts- und am Ankunftsort an einen sogenannten Touch-and-Travel-Terminal der Deutschen Bahn herangehalten werden.

Das System registriert die Strecke des Bahnfahrers und bucht später den Fahrpreis automatisch vom Konto ab. Doch diese Möglichkeit war bisher bundesweit nur rund 30.000 Testfahrern vorbehalten. Künftig soll es allen interessierten Nutzern offenstehen. «Mit dem Fahrplanwechsel am 9. Dezember 2012 wird das mobile Bezahlen bei Touch-and-Travel für alle handelsüblichen NFC-Handys möglich sein», sagte DB-Sprecher Andreas Fuhrmann der dapd. Voraussetzung dafür sei allerdings, dass sich die Nutzer zuvor anmelden und ein Kundenkonto einrichten.

Was bei Bahnfahrern klappen soll, ist lediglich ein erster Schritt. «Es gibt bisher nur Insellösungen, wo einzelne Anbieter das mobile Bezahlen möglich machen», betont Teltarif-Chefredakteurin Winter. Zudem ist die NFC-Technik nicht auf Smartphones beschränkt. Auch EC- oder Kreditkarten können mit einem NFC-Chip ausgerüstet sein. So haben etwa im Großraum Hannover die Volksbanken Raiffeisenbanken sowie die Sparkassen im Frühjahr 2012 das Pilotprojekt «Girogo» gestartet und rund eine Million Girokarten mit NFC-Funktion ausgestattet. Kunden können einen Betrag bis 200 Euro aufladen und an entsprechenden Terminals damit zahlen. Bis Ende 2012 soll das auch für Sparkassenkunden bundesweit möglich sein.

Registrierung ist die größte Hürde für Smartphone-Besitzer

Mit dem Bezahlsystem mpass, das von den Telefonanbietern O2, Telekom und Vodafone betrieben wird, gibt es eine weitere Option. Sie eignet sich für Nutzer, die ein älteres Handy besitzen und dennoch per NFC-Technik bezahlen wollen. «Nachdem sich Kunden bei mpass.de registriert haben, bekommen sie einen NFC-Sticker zugeschickt, den sie einfach auf ihr Handy kleben und dann in mehreren Tausend Geschäften in Deutschland damit bargeldlos und kontaktlos bezahlen können», betont Ralf Opalka, Pressesprecher von Telefónica Germany, wozu auch o2 gehört.

Solange sich Kunden aber bei jedem Anbieter einzeln registrieren und ein Kundenkonto anlegen müssen, sieht Teltarif-Chefredakteurin Winter noch nicht den großen Durchbruch für das mobile Bezahlen per Smartphone oder per NFC-Chip. Um das Prozedere für Nutzer einfacher und komfortabler zu machen «müssten sich alle Hersteller an einen Tisch setzen und sich auf einen einheitlichen Standard einigen», betont Winter. Das sieht auch Bitkom-Experte Michael Barth so: «Im Moment arbeiten viele Akteure an einer Lösung.» Der Fachmann rechnet damit, dass mobiles Bezahlen bis 2014/2015 den Einkaufsalltag erobert hat.

ham/news.de/dapd

Leserkommentare (1) Jetzt Artikel kommentieren
  • Sven Forbis
  • Kommentar 1
  • 13.12.2012 13:13

Man soll zwar niemals nie sagen, aber mit dem heutigen Wissensstand würde ich niemals mit dem Smartphone bezahlen. Wenn es irgendwann mal kein Bargeld mehr gibt, werden die Menschen erkennen, dass sie sich völlig von einer manipulierbaren Technik abhängig gemacht haben. Und was passiert, wenn die Technik aus irgendwelchen Gründen mal ausfällt? Dann können wir nicht mehr bezahlen? Auch wenn es sich altmodisch anhört. Der Irrsinn Bargeld abzuschaffen muss gestoppt werden. Nur bares ist wahres. Alles andere ist eine bequeme und gefährliche Illusion, die ins Verderben führt.

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