Verbraucherärger Apple steckt im Mehrfrontenkrieg

Apple präsentiert
iPhone 5 ist da

Von news.de-Redakteurin Mandy Hannemann
Mit der Wertigkeit seiner Geräte brüstet sich Apple gern. Gegen Geld kann der Kunde gar gesonderte Garantien erwerben. EU-Verbraucherkommisssarin Viviane Redding wirft Apple deshalb Verbrauchertäuschung vor. Mehr Ärger macht das iPhone 5 - wegen überhöhter Mobilfunkrechnungen.

In Sachen Verbraucherrechte gilt EU-Kommissarin Viviane Reding als Wadenbeißer. Kein Großkonzern ist vor der Luxemburgerin sicher. Nun nimmt die 61-Jährige offenbar die Garantieangebote von Apple ins Kreuzfeuer. Schriftlich hat sie 27 EU-Staaten davon in Kenntnis gesetzt, dass Apple in seinen Angeboten nicht auf die Garantierechte hinweise, die dem Kunden laut EU-Recht zustehen.

Apple korrigiert Garantie-Hinweise

Im Klartext: Die zweijährige Gewährleistung, die beim Kauf von technischen Geräten besteht, verschweigt Apple. Bislang zumindest. Denn wer sich heute durch den Shop des Herstellers klickt und probeweise ein Geräte zum Kauf auswählt, der bekommt durchaus einen Hinweis auf die geltende Regelung. Da heißt es, wenn auch klein geschrieben: «Die einjährige Apple Herstellergarantie und die Vorteile des AppleCare Protection Plan gelten zusätzlich zu den durch Verbraucherschutzgesetze gewährten Rechten.»

Allerdings muss man sich als Verbraucher dazu den Bereich «AppleCare Protection Plan» genauer durchlesen. Nur ein kleines «hier» verweist auf eine konkretere Auflistung auch der Garantierechte per EU-Gesetz.

Ob sich Apple damit aus der Affäre gezogen hat, bleibt fraglich. Denn offensive Verbraucherinformation sieht anders aus. Und: Eindeutig ist es nicht, dass man den «AppleCare Protection Plan» - der immerhin 69 Euro kostet - als Verbraucher nicht kaufen muss, um seine gesetzlichen Rechte wahrnehmen zu können. Genau daran wird sich Viviane Reding festbeißen. Nicht zuletzt, da Apple in Italien Ende des vergangenen Jahres bereits zu 900.000 Euro Strafe wegen solch unklarer Verbraucherinformationen verdonnert wurde.

Ärger mit Datenübertragung bei iPhone 5

Doch das ist nicht das einzige Problem, dem sich Apple ausgesetzt sieht. Immer mehr iPhone-5-Nutzer in den USA beklagen überdurchschnittliche hohe Mobilfunkrechnungen. Ursache dessen ist offenbar die mobile Datenübertragung. Wie die New York Times berichtet, habe Mobilfunkanbieter Verizon, der in den USA die Vermarktung des iPhone 5 betreibt, das Problem bestätigt. Das Gerät überträgt offensichtlich Mobilfunkdaten per Datenverbindung, obwohl es über Wlan genutzt wird. Apple hat dafür inzwischen ein Update zur Verfügung gestellt, um das Problem zu beheben. Ob das Problem auch in Deutschland auftreten kann, ist bislang nicht bekannt.

Smartphones
Galaxy Note II vs. iPhone 5
Video: afp

Eine weitere Front, an der Apple derzeit kämpft, ist der Patentkrieg mit Samsung. Das südkoreanische Unternehmen hat seine Drohung wahrgemacht und das iPhone 5 in seine laufende Patentklage gegen Apple aufgenommen. Das berichtet die Washington Post. «Wir haben es immer vorgezogen, den Wettbewerb auf dem Markt mit unseren innovativen Produkten zu bestehen, statt im Gerichtssaal. Trotzdem strengt Apple weiter massive Klagen an, die den Wettbewerb auf dem Markt einschränken werden», habe Samsung erklärt.

Samsung bezieht sich auf acht Patente, die die Funkübertragung per UMTS betreffen, aber auch auf das Verfahren zur Synchronisierung von Geräten sowie das Anzeigen von Bildern und Videos. Wie bereits berichtet, wird das Verfahren darum aber erst 2014 vor Gericht verhandelt. Sollte Samsung keine einstweilige Verfügung erwirken können, darf das iPhone 5 bis dahin weiter vertrieben werden.

Apple hat ein Foxconn-Problem

Ein Krisengebiet, das Apple hingegen keine Möglichkeit gibt Atem zu holen, ist der chinesische Zulieferer Foxconn. Mehrfach hatte Apple Negativschlagzeilen kassiert, weil die Arbeitsbedingungen dort kaum menschenwürdig sind. Der SWR hat nun mit einem Arbeiter des chinesischen Unternehmens gesprochen, der im Werk Kunshan beschäftigt sei: Mit 9 Stunden und 30 Minuten - inklusive einer Stunde Pause klingen die Arbeitszeiten zwar moderat. Doch die einstündige Pause könne kaum voll ausgenutzt werden. Zudem seien täglich drei Überstunden Pflicht, weil die Ziele beim Zweischichtsystem im Werk nicht zu schaffen seien. Pro Monat verdient der Arbeiter dort gerade mal 300 Euro - für sechs Tage Arbeit.

In Deutschland verzögert sich die Auslieferung des iPhone 5 derzeit weiter. Wer ein solches Gerät beim Hersteller bestellt hat, muss bis zu vier Wochen auf das Smartphone warten. Dafür hat sich Apple vor wenigen Tagen entschuldigt.

loc/news.de/dpa

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