Halbleiter AMD verliert überraschend deutschen Finanzchef

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AMD verliert überraschend deutschen Finanzchef Bild: dpa

Sunnyvale - Der aus Deutschland stammende AMD-Finanzchef Thomas Seifert verlässt ohne Vorwarnung den US-Chiphersteller. Das ist ein harter Schlag für das Unternehmen, das unter flauen PC-Verkäufen und dem harten Wettbewerb durch den Erzrivalen Intel leidet.

Seifert wolle «anderen Möglichkeiten nachgehen», erklärte AMD am Montag. Der Manager war drei Jahre im Amt.

Die Personalie schreckte die Börsianer auf: Die Aktie brach nachbörslich um 10 Prozent ein. Im frühen Dienstagshandel lag das Papier immer noch mehr als 6 Prozent im Minus. Denn Seifert ist ein ausgewiesener Fachmann in der Halbleiter-Branche. Übergangsweise war er bei AMD auch in die Rolle des Konzernchefs geschlüpft, wollte diesen Posten aber nicht dauerhaft übernehmen.

Seifert ist einer der wenigen Deutschen, die es in die Chefetage eines namhaften US-Konzerns geschafft haben. Vor AMD arbeitete er als Finanzvorstand beim deutschen Speicherchip-Hersteller Qimonda, der Anfang 2009 wegen fallender Chippreise und der weltweiten Wirtschaftskrise zusammengebrochen war. Dann lockte ihn ein Headhunter nach Amerika.

Bei AMD hatte Seifert mehr Glück als in der Heimat: Unter seiner Führung war der lange krisengeschüttelte Chip-Spezialist in die schwarzen Zahlen zurückgekehrt. Im August vergangenen Jahres fing mit Rory Read dann ein neuer dauerhafter Konzernchef an. Er kam vom PC-Hersteller Lenovo. Read dankte Seifert ausdrücklich für seine Leistungen.

Das gewöhnlich gut informierte US-Technologieblog «All Things D» merkte an, dass in den vergangenen eineinhalb Jahren mindestens 26 Führungskräfte gegangen seien. Dafür hatte AMD jüngst den Apple-Manager Jim Keller als neuen Chefarchitekten für Prozessorkerne gewinnen können. Keller hatte bereits früher als Entwickler für AMD gearbeitet.

Bei PC-Prozessoren konkurriert AMD mit der wesentlich größeren Intel. Bei Grafikchips ist es Nvidia. Erschwerend hinzu kommen momentan die flauen PC-Verkäufe wegen der weltwirtschaftlichen Unsicherheiten und der steigenden Beliebtheit von Smartphones und Tablet-Computern, in denen AMD mit seinen Chips nur schwach vertreten ist. Von seinen Fabriken - unter anderem in Dresden - hat sich der Konzern längst getrennt. Sie gehören jetzt dem Auftragsfertiger Globalfoundries.

Der Abgang Seiferts stehe nicht im Zusammenhang mit etwaigen Meinungsverschiedenheiten zu Rechnungslegungspraktiken oder zu Finanzberichten, betonte das Unternehmen. Ein Nachfolger ist noch nicht gefunden. Der Deutsche bleibt noch bis zum 28. September bei AMD, um Controller Devinder Kumar einzuweisen, der den Posten des Finanzchefs bis auf Weiteres ausfüllen wird. Aus der Liste der Führungskräfte auf der AMD-Website ist Seifert bereits verschwunden.

AMD-Mitteilung zu Seifert-Abgang

Bericht All Things D

AMD-Mitteilung Q2

news.de/dpa

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