Facedeals Shoppen per Gesichtserkennung

Blamieren im Netz
Peinlich, peinlicher, Facebook

Von news.de-Redakteur Martin Walter
Biometrisches Einkaufen: Die App Facedeals verspricht individuelle Kaufangebote per Check-In bei Facebook. Dafür muss der User allerdings nicht nur sein Gesicht entblößen. In Deutschland droht Facebook wegen der Gesichtserkennung neuer Ärger.

Es scheint eine Reaktion, die inzwischen beinahe reflexartig erfolgt. Facebook testet oder realisiert eine Neuentwicklung und Experten, gerne als Datenschützer bezeichnet, schreien auf - meist berechtigt. Der jüngste Aufreger ist nun eine Gesichtserkennungs-App namens Facedeals, mit der sich Kaufempfehlugen individuell und innerhalb von Sekunden aufs Smartphone beamen lassen.

Die Funktionsweise ist simpel: Wer eine Kneipe oder einen Laden betritt wird dabei gefilmt, per Gesichtserkennungssoftware erkannt und mit persönlichen Angeboten aufs Handy beliefert - alles mittels Facebook. Nur freischalten muss der Nutzer sich für die Anwendung. An sich eine feine, weil praktische Sache. Doch die Empörung ist groß, «Big-Brother»-Vergleiche machen wiederholt die Runde.

Dabei stammt die App gar nicht von Facebook direkt, sondern von der amerikanischen Marketingagentur Redpepper. Sie nutzt die Check-in-Funktion von Facebook und kombiniert sie mit der Gesichtserkennungs-Software. Um die Vorlieben des Users zu ermitteln wird dabei das komplette Facebook-Profil ausgelesen. Vor allem darüber sind die Datenschützer entsetzt. Der Anwendung, bisher noch im Teststadium, bleibt kein Like verborgen. Facebook selbst äußerte sich zu der App bisher nicht.

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Video: dpa

Neuer Ärger in Deutschland

Äußern muss sich das Netzwerk dennoch zum Thema Gesichtserkennung, denn in Deutschland steht Facebook neuer Ärger ins Haus. Die Hamburger Datenschutzaufsicht wirft dem Internet-Riesen vor, datenschutzrechtlichen Forderungen nicht ausreichend nachzukommen und hat ihr Verfahren gegen Facebook im Streit um die Gesichtserkennung auf Fotos wieder aufgenommen.

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Facebook habe zwar angekündigt, vorerst auf die Erstellung weiterer Gesichtsmodelle von neuen Nutzern zu verzichten, aber weitergehende Verpflichtungen abgelehnt, sagte der Hamburger Datenschützer Johannes Caspar zur Begründung. «Damit ist und bleibt die bestehende Datenbank biometrischer Muster, die ohne Einwilligung der Betroffenen angelegt wurde, rechtswidrig», betonte er.

Caspar hatte das Verfahren im Juni ausgesetzt, nachdem Facebook mitgeteilt hatte, dass Verhandlungen mit der irischen Datenschutzbehörde zur automatischen Gesichtserkennung kurz vor einer rechtlich tragfähigen Einigung stünden. Die damalige Hoffnung, dass Facebook den datenschutzrechtlichen Forderungen auf dem Verhandlungswege nachkommen würde, habe sich aber nur zum Teil erfüllt, erklärte er jetzt. Diesen Sommer kaufte Facebook zudem das Start-up Face.com, das auf Technologien zur Gesichtserkennung spezialisiert ist.

kru/news.de/dpa

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