Buntes Tetris für draußen: Streetgames-Community erobert Berlin

Berlin - «Räuber und Gendarm» war gestern. Ein Berliner Festival bringt Computerspiele auf die Straße - mit Hilfe von Badfliesen und Einkaufswagen.

Tetris für draußen: Streetgames-Community erobert Berlin (Foto)
Tetris für draußen: Streetgames-Community erobert Berlin Bild: dpa

Hunderte Kronkorken, Plastik-Trinkbecher, abgeknickte Äste. Auf dem Parkplatz neben dem Computerspielemuseum an der Berliner Karl-Marx-Allee sieht es aus, als sei gerade Party gewesen. Der Eindruck täuscht: Mit diesem Müll wird gespielt. Memory zum Beispiel - mit zwölfmal zwei gleichen Bierflaschendeckeln. Spaß mit Abfall gehört zum Festival Playpublik, das noch bis Sonntag (12. August) die internationale Streetgames-Community in Berlin vereint. Mitmachen darf jeder, der sich erwachsen genug dafür fühlt.

Die Idee, Straßenspiele für Erwachsene zu entwickeln, kommt aus New York. Aber auch in London ist mit «Hide&Seek» eine respektable Gemeinschaft aus Designern und Kulturwissenschaftlern entstanden, die daran arbeitet, Computerspiele in die echte Welt zu verlegen. Simpel ist das bei Tetris: Mit dem Soundtrack beschallt, müssen die Teilnehmer auf der Straße Stapel aus bunten Badfliesen errichten. Es gewinnt, wer in kürzester Zeit die höchste Säule baut.

Bei vielen der mehr als 40 Spiele der Playpublik geht es etwas komplizierter zu. Sebastian Quack (30) ist einer der Gründer des Berliner Künstlerkollektivs «Invisible Playground» - eine Gruppe aus Informatikern, Theatermachern und Musikern, die das Festival kuratiert. «Den Menschen zeigen, dass es trotz der zunehmenden Präsenz von Technologien und Medien Sinn macht, rauszugehen und vergessene Orte wiederzuentdecken.» Im Streetgames-Sprech heißt das: «Verbindungen remixen» - zwischen Menschen, den Umgebungen, die sie bewohnen und den Technologien, die sie benutzen.

Wie das geht, zeigt eine Gruppe dänischer Designer. Ihr Spiel «Idiots Attack the Top Noodle» setzt auf nicht alltägliche Technik und ein starkes Konzentrationsvermögen der Teilnehmer: Der «Superchecker» versucht via Brainscanner und Play-Station-Controller, die Bewegungen der «Idiots» zu behindern, erklärt Ida Toft (29), die in Kopenhagen Digital Design studiert hat. Was kompliziert und nicht wenig albern klingt, soll den Teilnehmern Spaß bereiten, ihnen dabei aber zugleich den Umgang mit Technologien näher bringen - spielerisch sozusagen.

Alltagsgegenstände anders nutzbar machen will Florian Rivière (26), der das Kronkorken-Memory entworfen hat. Wenn der aus Frankreich stammende Künstler aus abgestellten Einkaufswagen einen Mini-Spielplatz baut, verändert er aus seiner Sicht nicht nur die Funktion eines Gegenstands - vielmehr «hackt» er damit das System Stadt. Rivière nennt sich daher auch nicht einfach Künstler, sondern «Urban Hacking Spezialist».

Ob «Wardive», «Weeping Angels», «Turtle Wushu» oder «Hacked Off!» - egal, wie die Spiele heißen: Ihren Erfindern geht es immer darum, die Teilnehmer für deren Umgebung zu sensibilisieren. «Wir wollen einen Austausch anregen darüber, wie Straßenkreuzungen, Bürgersteige oder verlassene Kioske wieder zum eigenen Vergnügen genutzt werden können», sagt Quack. Das Besondere sei, das Spielfeld anders als im Computer nicht unter Kontrolle zu haben. «Wir mögen eben Spiele mit Aussicht lieber als solche, in die man fliehen kann.»

playpublik.de

Invisible Playground

news.de/dpa

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