Telekommunikation Weniger Funktionen, mehr Laufzeit: Lohnen Multimedia-Handys?

Berlin - Wer einfach nur telefonieren will, braucht nicht unbedingt ein Smartphone mit Touchscreen. Surfen, fotografieren oder Musik hören lässt sich auch mit sogenannten Multimedia-Handys.

Weniger Funktionen, mehr Laufzeit: Lohnen Multimedia-Handys? (Foto)
Weniger Funktionen, mehr Laufzeit: Lohnen Multimedia-Handys? Bild: dpa

Der Markt für solche Geräte wird allerdings immer kleiner.

Blitzschnell surfen, hochauflösende Videos anschauen, und grafikintensive Spiele genießen: So bewerben viele Hersteller ihre neuen Modelle. Der Hinweis auf die Telefon-Features findet sich dagegen meist sehr weit unten in den Beschreibungen. Ganz anders bei den sogenannten Multimedia-Handys: Bei ihnen sind Telefonieren und SMS-Schreiben mit die wichtigsten Anforderungen. Internetzugang und MP3-Player gibt es zwar auch, sie spielen aber eine deutlich geringere Rolle. Lohnen sich solche Handys der Zwischenklasse noch für jemanden, der vor allem telefonieren will - oder greifen auch solche Nutzer besser zum Smartphone?

Für Michael Wolf von der Stiftung Warentest muss ein Handy vier Bedingungen erfüllen, um als Smartphone zu gelten: «Es braucht zum Surfen im Internet eine gewisse Displaygröße und einen schnellen Internetzugang über UMTS und WLAN. Außerdem haben Smartphones ein offenes Betriebssystem, das sich mit Apps erweitern lässt.» Letzte Bedingung ist eine Tastatur mit Buchstaben. Ein physisches Keyboard muss das aber nicht unbedingt sein. Das verbreitete virtuelle Keyboard auf dem Touchscreen reicht aus.

Allerdings sagt Wolf auch: «Die Grenzen zwischen Smartphones und Multimedia-Handys verlaufen fließend.» Denn auch andere Mobiltelefone können ins Internet gehen, in vielen Fällen sogar per UMTS. Spaß macht das ohne großes Display und Touchscreen aber kaum. Zwar bieten viele Hersteller auch für ältere Handys kleine Programme und Spiele zum Download an. «Das ist mit dem Angebot auf Android- oder Apple-Geräten aber nicht zu vergleichen», warnt Wolf.

Die Vielfalt an Apps und Spielen sei einer der Gründe für den Erfolg der Smartphones, erklärt der Warentester. «Inzwischen greifen selbst ältere und wenig technikaffine Nutzer oft zu Smartphones, weil sie zum Beispiel ein Handy mit gutem MP3-Player oder guter Kamera haben wollen.» Wer den mobilen Datenfunk deaktiviert und Apps übers WLAN herunterlädt, kann sie theoretisch sogar kostenlos nutzen.

«Smartphones haben klassische Handys längst überholt», sagt Roland Stehle von der Gesellschaft für Unterhaltungs- und Kommunikationselektronik (gfu). «Und in den nächsten Jahren werden sie ihren Vorsprung weiter ausbauen.» Aussterben werden Handys ohne Apps und Schnickschnack aber nicht, glaubt er. «Eine bestimmte Klientel wird es immer geben, die solche Geräte bevorzugt.»

Kein Wunder, denn Multimedia-Handys haben noch immer den einen oder anderen Vorteil. Die Akkulaufzeit ist wegen des kleineren Displays und der schwächeren Prozessoren in der Regel länger. Und wer sich einmal daran gewöhnt hat, findet die Bedienung über physische Tasten oft leichter als das Tippen und Wischen auf dem Touchscreen. Für Wolf hängt das aber eher vom Gerät und Geschmack des Nutzers ab: «Multimedia-Handys sind nicht zwingend einsteigerfreundlicher - manchmal sind die Tasten und die Bedienung doch arg fummelig.»

Ein weiterer Vorteil: Im Vergleich zu Smartphones sind viele Modelle günstiger. Groß ist der Preisunterschied aber nicht, sagt Rafaela Möhl vom Telekommunikationsportal Teltarif.de. «Ein vernünftiges, günstiges Android-Smartphone bekomme ich schon für 100 bis 150 Euro, für ein neues Handy mit vielen Funktionen zahle ich 80 Euro.» Viele neue Multimedia-Geräte kämen heute aber ohnehin nicht mehr auf den Markt. «Die meisten heute im Handel verfügbaren Modelle sind schon ein oder zwei Jahre alt.» Solche Geräte kosten dann oft nur um die 50 Euro.

Im Prinzip können Kaufinteressenten ohne Sorge zu Multimedia-Handys greifen, findet gfu-Sprecher Stehle. «Die Technik ist bei solchen Geräten relativ ausgereizt, große Innovationssprünge machen klassische Handys nicht mehr.» Echte Änderungen gibt es bei den wenigen Neuerscheinungen vor allem in Sachen Design, oft ändern die Hersteller aus Kosten- oder Effizienzgründen die Materialien. Gleichbleibende Qualität sollten Verbraucher aber nicht erwarten, warnt Warentester Michael Wolf: «Ein Blick auf Vergleichstests und Produktbewertungen lohnt sich nach wie vor. Auch bei Multimediahandys gibt es Qualitätsunterschiede.»

Kein Smartphone, kein Datentarif?

Eine Datenflatrate zum mobilen Surfen ist unter Umständen nicht nur für Smartphones sinnvoll. Denn auch viele klassische Handys verfügen über einen Internetzugang, erklärt Rafaela Möhl vom Telekommunikationsportal Teltarif.de. «Auch mit einem normalen Mobiltelefon kann ich Mails abrufen oder im Browser surfen.» Zwar ist das auf solchen Geräten längst nicht so komfortabel wie auf Smartphones - Geld kostet es aber trotzdem. Nur fürs Mailen kann auch die nutzungsabhängige Abrechnung sinnvoll sein. Bei Prepaid-Vertragen liegt der Megabyte-Preis oft nur noch um die 20 Cent. Wer gar keinen mobilen Datenfunk nutzen will, sollte ihn einfach deaktivieren.

news.de/dpa

Bleiben Sie dran!

Wollen Sie wissen, wie das Thema weitergeht? Wir informieren Sie gerne.

Leserkommentare (0) Jetzt Artikel kommentieren
Kommentar schreiben  Netiquettelink | AGB
noch 600 Zeichen übrig