Computer Spekulationen um Tablet von Microsoft kochen hoch

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Spekulationen um Tablet von Microsoft kochen hoch Bild: dpa

Berlin/Los Angeles - Was nur will Microsoft am Montag aus dem Köcher ziehen? Der Software-Hersteller lädt zu einem geheimnisvollen Event in Los Angeles ein, wo eine wichtige Ankündigung versprochen wird.

Wird Microsoft tatsächlich einen Herausforderer für Apples iPad unter eigenem Namen auf den Markt bringen? Während deutsche und internationale Medien zunächst von einem eigenen Tablet ausgingen, verdichten sich inzwischen Spekulationen auf einen E-Book-Reader. Damit könnte Microsoft die hochfliegenden Erwartungen der letzten Tage jedoch mit einem Schlag enttäuschen. Die Präsentation ist auf 15.30 Uhr Ortszeit angesetzt, in Europa wird es da bereits nach Mitternacht sein.

Wie zuvor schon die Microsoft-Kennerin Mary Jo-Foley vermutete, erwartet das Technologie-Blog «Mashable» nun, das Microsoft statt eines eigenen Tablets eher ein Lesegerät gemeinsam mit dem neuen Partner Barnes & Noble ankündigen dürfte. Erst im April hatte der Softwarekonzern mit dem US-Verlag eine Partnerschaft geschlossen, in der Microsoft die Vermarktung digitaler Inhalte unter anderem mit einer Investition von 300 Millionen Dollar voranbringen will. Nach Angaben von Microsoft-Manager Andy Lees sollte damit der Grundstein gelegt werden, um eine ganze Reihe von Windows-Geräten mit innovativen E-Reading-Funktionen auszustatten.

Zu dieser Strategie könnte auch Microsofts jüngste Innovation passen, die das Unternehmen auf der Spielemesse E3 in Los Angeles vorgestellt hat. Die Technologie SmartGlass ermöglicht es, Inhalte von der Spielekonsole Xbox 360 auf andere Geräte wie Fernseher, Computer und Tablet zu bringen und die Plattformen miteinander zu verbinden. Möglicherweise werde der E-Reader auch über die Plattform Xbox live Inhalte wie etwa Spiele oder Filme streamen können, schätzt «Mashable». Damit würde auch der Ort der geplanten Veranstaltung Sinn machen - Los Angeles als Heimat der Unterhaltungs-Industrie und Hollywood-Studios.

Auch Mary-Jo Foley hatte in ihrem Blog bei «ZDnet» frühzeitig bezweifelt, Microsoft könne am Montag ein vollwertiges Tablet unter eigenem Namen ankündigen. Das Unternehmen bereite derzeit intensiv den erfolgreichen Start seines neuen Betriebssystems Windows 8 vor, bis zur Marktreife sind es allerdings noch einige Monate. Sollte der Softwarekonzern eine neuentwickeltes Gerät im Köcher haben, dürfte darauf vermutlich eher Windows Embedded oder Windows-Phone 7.5 laufen - kaum eine Herausforderung für Apples iPad, so die Branchenkennerin. Deshalb tippt Foley auch eher darauf, dass Microsoft mit einer Art mobilem Lesegerät einen Rivalen gegen das Kindle Fire des Online-Einzelhändlers Amazon ins Rennen schickt.

Fürgewöhnlich sehr gut unterrichtete Medien wie das «Wall Street Journal» gehen dagegen weiter davon aus, dass Microsoft tatsächlich den Anschluss an den derzeit florierenden Markt der Tablets sucht und mit einer Eigenkreation herauskommt. Die Zeitung beruft sich auf mit der Sache vertraute Personen.

Das wäre für den Softwarekonzern allerdings ein durchaus riskanter Schritt, mit dem er seine langjährigen Partner wie Dell, HP und Acer brüskieren könnte. Die großen Elektronikhersteller wollen alle selbst mit eigenen Tablets auf den Markt - und warten derzeit auf Windows 8 und Windows RT. Mit Windows RT läuft erstmals ein Betriebssystem von Microsoft auf den meist in Tablets eingesetzten Prozessoren des Chipdesigners ARM. Von einer engen Verzahnung von Hard- und Software profitiert in der Regel der iPad- und Mac-Hersteller Apple, der die Komponenten damit besser aufeinander abstimmen kann.

Damit ein Tablet mit Windows 8 oder RT Erfolg hat, spielt der Preis der Geräte eine wesentliche Rolle, schätzen Analysten. Wegen spezieller Spezifikationen könnten die Hersteller ihre Geräte mit Windows RT allerdings kaum günstiger als für 600 Dollar anbieten, prognostizieren die Marktbeobachter von IDC. Und damit könnten sie kaum gegen das iPad antreten. IDC gibt bisher keine Prognose für Marktanteile von Windows-Tablets ab. Im Rennen mit Android sehen die Experten Apple bis ins Jahr 2016 mit rund 60 Prozent vorn.

Blog «All Things Digital»

Hollywood-Blog «TheWrap»

news.de/dpa

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