Internet Kredit nur bei gutem «Scoring» im Internet?

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Kredit nur bei gutem «Scoring» im Internet? Bild: dpa

Berlin - Überlegungen zur Auswertung von Internet-Daten für die Einschätzung der Kreditwürdigkeit von Bankkunden haben eine Welle der Empörung ausgelöst.

Konkret geht es zwar nur um ein erstes Forschungsprojekt der Schufa, zusammen mit dem Hasso-Plattner-Institut in Potsdam. Das Projekt wurde als Reaktion auf die massive Kritik eingestellt. Die Pläne werfen darüber hinaus aber auch grundsätzliche Fragen auf.

Was haben meine Facebook-Einträge mit einem Bankkredit zu tun?

Bislang hat die Schufa vor allem Daten erfasst, die eine Zahlungsunfähigkeit von Bankkunden belegen. In den USA gibt es aber den Trend, auch «positive Daten» für das «Scoring» heranzuziehen, also für die Beurteilung der Kreditwürdigkeit. Soziale Netzwerke wie Facebook und Twitter enthalten eine Vielzahl von Hinweisen auf die persönlichen Lebensumstände einer Person - und damit zur Frage, ob jemand einen Kredit auch voraussichtlich zurückzahlen kann. Je nach Einstufung werden dann für einen Kredit in gleicher Höhe ganz unterschiedliche Zinssätze festgelegt.

Auf welche Daten könnte die Schufa zugreifen?

Öffentlich einsehbare Facebook- oder Google+-Profile sind für alle frei zugänglich. Twitter-Äußerungen sind mit Ausnahme privater Direktmitteilungen von vornherein auf öffentliche Wirkung angelegt. Mit Hilfe von spezieller Analyse-Software können solche frei verfügbaren Daten massenhaft erfasst und ausgewertet werden - allerdings hat etwa Facebook den Einsatz solcher «Crawler» oder «Bots» in seinen Nutzungsbestimmungen untersagt. Auch private Profile können ausgewertet werden, sobald der Nutzer einer Anwendung den Zugriff auf die persönlichen Daten erlaubt.

Sind die Daten auch für andere Unternehmen interessant?

Für die Auswertung solcher Daten gibt es inzwischen eine ganze Branche, die sich unter dem Stichwort «Social-Media-Analyse» gebildet hat. Verwendet werden die Ergebnisse unter anderem für das «Customer Relationship Management» (CRM), also für die Verwaltung von Kundenbeziehungen, sowie für Marketing und Vertrieb. Auf der Cebit stellte T-Systems im März eine Software namens «Social Media Evolution» vor, die auch eine «Sentiment Analyse» ermöglicht - eine Einschätzung, ob über bestimmte Begriffe, Marken oder Produkte eine eher positive oder negative Stimmung herrscht. Schließlich sind auch Personalverwaltungen bei Bewerbungen an Daten aus Sozialen Netzwerken interessiert.

Was kann ich tun, um nicht zum «gläsernen Kunden» zu werden?

Die radikale Lösung besteht darin, sich von Sozialen Netzwerken weitgehend fernzuhalten. Damit würde man aber auch auf viele Kommunikationsmöglichkeiten verzichten. Diese kann man weiter nutzen, wenn man das eigene Profil in den Datenschutzeinstellungen der Betreiber abdichtet und nur für enge Angehörige und Freunde zugänglich macht. Bei Veröffentlichungen etwa von Statusmitteilungen und Fotos sollte man sich vorher überlegen, welchem Personenkreis man diese zeigen will und dies entsprechend eingrenzen.

news.de/dpa

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