Computer Spielemesse E3 - Branche setzt auf Vernetzung

Los Angeles - Wie gewohnt schillernd und mit spektakulären Shows hat sich die Computerspiele-Industrie wieder zum Auftakt der E3 in der Hollywood-Metropole Los Angeles präsentiert.

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Spielemesse E3 - Branche setzt auf Vernetzung Bild: dpa

Neue Blockbuster wie das lang erwartete «Halo 4» ließen die Spielerherzen der Besucher höher schlagen. Die Ausschnitte aus dem von Sony präsentierten Spiel «Beyond» wirken mehr wie aus einem spannenden Hollywood-Film als aus einem Konsolen-Game. Dennoch sind zahlreiche Fans von den Anbietern enttäuscht. Schon seit Jahren wartet die eingeschworene Gemeinde der Hardcore-Gamer auf die neue Generation der Spielekonsolen. Doch braucht die Spieleindustrie wirklich neue Hardware?

Die großen Konsolenhersteller setzen vorerst stattdessen auf technische Erweiterungen und neue Spieleerfahrungen. Microsofts Ankündigung einer kleinen App für gängige Smartphones und Tablets gehörte denn so auch zu den großen Highlights zum Messauftakt. «SmartGlass» soll die Brücke von der Xbox 360 zu anderen mobilen Geräten schlagen und auf diese Weise die Konsole zur medialen Schaltzentrale im Wohnzimmer aufwerten.

Mit der neuen App lassen sich unterwegs begonnene Spiele auch auf dem Fernseher zu Hause bruchlos fortsetzen. Ein Tablet kann mit der neuen Technologie auch zusätzliche Informationen zum Spielgeschehen oder einem laufenden TV-Programm anzeigen. Und: SmartGlass ist nicht auf Xbox- oder Windows-Plattformen beschränkt. Wie Microsoft Manager Don Mattrick erläuterte, soll die Software auch auf Apples iPhone und iPad sowie auf Smartphones und Tablets mit dem Betriebssystem Android von Google laufen.

Ganz ohne Not leistet sich Microsoft diese Offenheit nicht: Seit geraumer Zeit stehen die Computerspiele-Industrie - und vor allem die Konsolen-Hersteller - unter Druck. Die Verkaufszahlen sind rückläufig. Große Spieleverlage wie Electronic Arts drohen, ins Minus abzurutschen. Viel zu viele Fortsetzungsgeschichten haben sie im Programm. Die Umsätze mit den großen, in der Herstellung teuren Blockbustern gleichen die Defizite nicht aus, die durch neue Player entstehen: Immer häufiger werden Spiele direkt über den Browser am PC gespielt - oder aber unterwegs auf dem Smartphone. Auf diesen Feldern wächst und gedeiht die neue Konkurrenz.

Zu den Highlights bei Nintendo zählte bei der vorab auf Video übers Web präsentierten Neuheiten-Ankündigung vor allem das Gamepad, das als Controller und gleichzeitig als mobile Konsole dient. Mit dem neuen Sozialen Netzwerk Miiverse will Nintendo - ähnlich wie Microsoft - über das eigene Produkt-Portfolio hinausgehen: Da die Software für das Netzwerk Browser-basiert sei, könne es künftig voraussichtlich auch auf jedem beliebigen mobilen Gerät laufen, kündigte Nintendo-Präsident Satoru Iwata an.

Nintendo hatte als einziger der großen drei Konsolenhersteller mit der Wii U ein Gerät der neuen Generation mit im Gepäck - die allerdings bereits schon vergangenes Jahr als Konzept präsentiert wurde. Wann die nächste Generation der Xbox und Playstation auf den Markt kommen wird, bleibt weiter abzuwarten. Zumindest Sony zeigt sich nicht eilig, obgleich die PS3 bereits über sechs Jahre alt ist. Zwar sei eine engere Verzahnung der PS3 mit der Playstation Vita geplant. Aber: «Das Potenzial der PS3 ist selbst mit den aktuellen Spieletiteln noch längst nicht ausgeschöpft», sagt Ulrich Barbian, Marketingdirektor von Sony Deutschland. Vorerst gebe es keinen drängenden Grund für neue Hardware.

Während sich der gesamte Games-Markt immer mehr fragmentiere und Spiele auf den unterschiedlichsten Geräten gespielt würden, gehe es Sony um die großartigsten Spieleerfahrungen, sagte Barbian. Beim Angebot will das Unternehmen deshalb auch eine Balance schaffen aus Hightech-Spielen wie «Beyond» und neuen Spielstrategien. Einen ersten Titel, der die Grenzen der Konsole hinein in die analoge Welt überschreitet hat das Unternehmen in Los Angeles vorgestellt: «Wonderbook», eine Koproduktion mit Harry-Potter-Autorin J.K. Rowling, enthält Zaubersprüche, die über die Kamera der PS3 aus dem Buch eingelesen und auf der Konsole erlebbar gemacht werden.

Videos der Pressekonferenzen

Ankündigung von Nintendo-Präsident Satoru Iwata

news.de/dpa

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