Internet Aktivisten fürs Urheberrecht unter Beschuss aus dem Netz

Berlin - Nach mehreren Initiativen für eine Stärkung des Urheberrechts im Internet sehen sich die Unterzeichner mit massiven Attacken konfrontiert.

Aktivisten fürs Urheberrecht unter Beschuss aus dem Netz (Foto)
Aktivisten fürs Urheberrecht unter Beschuss aus dem Netz Bild: dpa

Unbekannte Täter veröffentlichten zeitweise die Kontaktdaten prominenter Künstler, die sich einem Aufruf «gegen den Diebstahl geistigen Eigentums» angeschlossen haben. Eine andere Initiative teilte mit, dass sie mit «Mail-Bomben» angegriffen worden sei, und stellte Strafanzeige.

Auf einer Internet-Plattform zum Austausch von Dokumenten wurden in vier Teilen Listen mit Namen, Geburtsdaten, Adressen und Telefonnummern der Unterzeichner hochgeladen - unter ihnen prominente Schriftsteller wie Charlotte Roche oder der Musiker Sven Regener, der die Debatte über das Urheberrecht im März angestoßen hatte. Die Daten wurden teilweise später wieder entfernt. Die Täter sollen aus dem Umkreis der Anonymous-Bewegung kommen, die keine festen Strukturen kennt. Sie überschrieben die Veröffentlichung der Daten mit den Worten «fuck your copyright blah blah blah». Der in der vergangenen Woche veröffentlichte Künstler-Aufruf «Wir sind die Urheber! Gegen den Diebstahl geistigen Eigentums» wurde bislang von mehr als 6000 Personen unterzeichnet.

Eine ähnliche Attacke gab es bereits im April gegen die Initiative «Ja zum Urheberrecht», wie die Organisation Syndikat, eine Vereinigung von Krimi-Autoren, am Montagabend mitteilte. Eine anonyme Gruppe habe Rechner der Initiative mit «Mail-Bomben» und der Botschaft «Don't fuck with anonymous» attackiert. Dabei seien zeitweise innerhalb weniger Minuten bis zu 100 000 Mails eingegangen. «Wir lassen uns den Mund nicht verbieten - und haben Strafanzeige gestellt», hieß es in einer Erklärung der Initiative.

Der medienpolitische Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion, Burkhardt Müller-Sönksen, bezeichnete die Veröffentlichung persönlicher Daten von Unterzeichnern des Künstler-Aufrufs als «schlicht kriminell». Dies müsse von Politik und Gesellschaft eindeutig geächtet und von der Staatsanwaltschaft mit allen rechtlich zur Verfügung stehenden Mitteln verfolgt werden. Müller-Sönksen forderte die Piratenpartei auf, «sich vollständig von diesen Machenschaften zu distanzieren».

Die bayerische Justizministerin Beate Merk (CSU) sagte, es sei «völlig inakzeptabel, wenn Menschen, die die Möglichkeiten des Internets nutzen, um sich an politischen Diskussionen zu beteiligen, von Andersdenkenden unter Veröffentlichung sensibler persönlicher Daten wie Telefon- und Faxnummern sowie E-Mail-Adressen bedroht werden». Es sei absurd, wenn das Internet gerade von denen als Pranger und zur Einschüchterung missbraucht werde, «die den Wert eines freien Internets stets besonders hervorheben».

Die illegale Veröffentlichung von Unterzeichnerdaten solle «Künstler mundtot machen und für vogelfrei erklären», hieß es in einer gemeinsamen Reaktion von 16 großen Verlagen, darunter Kiepenheuer & Witsch, Suhrkamp, Rowohlt und Hanser. «Wir werden die betroffenen Künstler mit allen, auch juristischen Mitteln gegen diese Nötigung und gegen die Verletzung ihrer Persönlichkeitsrechte verteidigen.»

Für den Deutschen Journalisten-Verband (DJV) kritisierte der Vorsitzende Michael Konken, mit der Veröffentlichung der Daten werde nicht nur die Privatsphäre der betroffenen Künstler verletzt, sondern auch auf unzulässige Weise der Versuch unternommen, die Diskussion über die Zukunft des Urheberrechts abzuwürgen. «Das ist ein Abgrund an Intoleranz!», hieß es in der DJV-Erklärung.

Auch bei vielen Kritikern des Künstleraufrufs stieß die Aktion auf Ablehnung. Frank Rieger vom Chaos Computer Club (CCC) schrieb im Kurzmitteilungsdienst Twitter: «Das #Anonymous-Label wurde auch schon mal für sinnvollere und zielführende Aktionen benutzt. Künstler bedrohen ist wirklich dumm.» Allerdings könne sich jeder Dummkopf als Teil von Anonymous bezeichnen.

Aufruf

news.de/dpa

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