Computer Yahoo-Chef Thompson brüstete sich mit falschem Uni-Abschluss

New York - Zu den Geschäftsproblemen von Yahoo kommt jetzt auch noch ein Skandal in der Chefetage hinzu: Der als Retter berufene Konzernchef Scott Thompson führte in seinem Lebenslauf einen falschen akademischen Abschluss.

Yahoo-Chef Thompson brüstete sich mit falschem Uni-Abschluss (Foto)
Yahoo-Chef Thompson brüstete sich mit falschem Uni-Abschluss Bild: dpa

Der Internet-Konzern gab zu, dass Thompson entgegen bisherigen Angaben keinen Bachelor-Titel in Computerwissenschaften hat. Die falsche Information sei ein «unbeabsichtigter Fehler» gewesen, erklärte Yahoo dem Blog «All Things Digital». Der Verwaltungsrat werde sich mit dem Thema befassen.

US-Medien wiesen allerdings sofort darauf hin, dass der falsche Titel schon vor Jahren zu Thompsons Zeit bei der Handelsplattform Ebay in seinen offiziellen Lebensläufen auftauchte. Entsprechend viel Zeit hatte der Manager, den Fehler zu korrigieren. In Wirklichkeit hatte er nur den ebenfalls erwähnten Abschluss in Buchhaltung gemacht.

Am Freitag stieg der Druck noch weiter: Es tauchte ein Radio-Interview aus dem Jahr 2009 auf, in dem Thompson gezielt auf seine beiden Bachelor-Abschlüsse in Buchhaltung und Computerwissenschaften angesprochen wird und er die Journalistin nicht korrigierte. In dem Gespräch bezeichnete sich Thompson sogar als «Ingenieur».

Der Hinweis auf den falschen Titel kam vom Großaktionär Dan Loeb, der mit der Yahoo-Führung im Clinch liegt. Er forderte in einem Brief Aufklärung über Ungereimtheiten in Thompsons offizieller Biografie.

Für Yahoo könnte die Angelegenheit schwere Folgen haben. Es ist unklar, ob sich Aktionäre und Aufseher mit der knappen Erklärung zufriedengeben. Schließlich tauchte der falsche Titel auch in Börsenmitteilungen zu Thompsons Berufung an die Konzernspitze auf. Aktionärsklagen sind nicht auszuschließen.

Insider sagten «All Things Digital», mehrere Mitglieder des Verwaltungsrates seien tief besorgt. Die Angelegenheit sei in vieler Hinsicht ein Problem, insbesondere mit Blick auf das Vertrauen der Anleger.

Thompson kam Anfang des Jahres zu dem mit Umsatz-Rückgängen kämpfenden Internet-Pionier. Yahoo lebt von Online-Werbeeinnahmen. Und in diesem Geschäft sind Konkurrenten wie Google und zuletzt auch das weltgrößte Online-Netzwerk Facebook immer stärker geworden. Thompson, der zuvor die Ebay-Bezahltochter PayPal führte, leitete einen strikten Sparkurs mit drastischem Stellenabbau ein. Vor seinem Antritt war Yahoo monatelang führungslos, nachdem die vorherige Chefin Carol Bartz nach zwei Jahren an der Konzernspitze gefeuert worden war.

Yahoo stärkte Thompson zunächst ausdrücklich den Rücken. Der falsche Titel ändere nichts an der Tatsache, dass Thompson ein hochqualifizierter Manager sei. Unter seiner Führung sei Yahoo auf dem Weg zu weiterem Wachstum und mehr Wert für die Anteilseigner.

Loeb will in den Yahoo-Verwaltungsrat einziehen und den Kurs des Unternehmens mitbestimmen. Seine Finanzfirma Third Point hält 5,8 Prozent an Yahoo. Loeb betonte in dem recht süffisant formulierten Brief, dass Thompsons Stonehill College erst vier Jahre nach dessen Abschluss 1979 überhaupt angefangen habe, Titel in Computerwissenschaften zu vergeben. Eine einfache Google-Suche habe gereicht, um den Widerspruch festzustellen. Thompson war zuvor IT-Chef in mehreren Unternehmen gewesen.

Der nicht korrigierte falsche Titel Thompsons wirft auch einen Schatten auf Verwaltungsrats-Mitglied Patti Hart, die mit der Chefsuche betraut worden war. Schlimmer noch: Loeb behauptete in seinem Brief, Hart habe auch ihren eigenen Abschluss in Betriebswirtschaft für einen in Ökonomie und Marketing ausgegeben. Yahoo erklärte dazu, Hart habe tatsächlich einen Betriebswirtschafts-Abschluss, aber mit einer Spezialisierung auf Ökonomie und Marketing.

Yahoo-Erklärung bei «All Things Digital»

Loeb-Brief bei Börsenaufsicht SEC

Yahoo zu Verwaltungsratssitzung

Thompson-Interview bei «All Things Digital»

news.de/dpa

Bleiben Sie dran!

Wollen Sie wissen, wie das Thema weitergeht? Wir informieren Sie gerne.

Leserkommentare (0) Jetzt Artikel kommentieren
Kommentar schreiben  Netiquettelink | AGB
noch 600 Zeichen übrig