Microsoft rüstet um Ein Startmenü à la Windows Phone

Windows 8: Microsoft rüstet um (Foto)
Ein Screenshot zeigt das Metro-Design auf dem Startbildschirm des Betriebssystems Windows 8. Bild: Microsoft/dapd

Von Klaus Gürtler
Mit Windows 8 ist das altbekannte Startmenü passé. Es macht einem personalisierten Startbildschirm Platz, den Smartphone-Nutzer bereits von Windows Phone kennen. Die sogenannte Metro-Oberfläche wird es aber nicht nur auf mobilen Endgeräten, sondern auch dem heimischen Desktop geben.

Mit den großen, bunten Kacheln des Metro-Designs hat Microsoft eines auf jeden Fall schon einmal erreicht: Es gibt jede Menge Aufmerksamkeit. Eingeführt wurde es schon auf Windows Phone, dem Betriebssystem für Mobilgeräte, und auch mit dem letzten großen Update auf der Spielekonsole Xbox.

Neu ist Metro also nicht, aber auf dem PC, wo es mit Windows 8 vermutlich gegen Ende des Jahres Einzug halten wird, kommt es doch einer Revolution gleich. Wer weder ein Windows-Phone noch eine Xbox hat, kann sich Metro in der jetzt freigegebenen Consumer Preview von Windows 8 ansehen.

Eine Benutzeroberfläche für alle Windows-Geräte

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Smartphones, Tablets und Datenwolken

Mit der Einführung des Metro-Designs auf dem PC-Betriebssystem Windows 8 hat Microsoft also nur den letzten Schritt vollzogen, um «über alle Displayformen hinweg eine Benutzeroberfläche» anzubieten, erklärt Oliver Kaltner von Microsoft. «Das reicht vom Smartphone über die Xbox, den Tablet-PC bis zum Desktop-Rechner.»

Der Metro-Stil stehe für eine «sehr einfach strukturierte Oberfläche», die eine schlichte Bedienung biete. Es sei eine Oberfläche für alle Eingabe-Möglichkeiten, ob mit Tastatur und Maus am PC oder Notebook oder mit Fingergesten auf dem Smartphone und Tablet-PC.

Die Entscheidung für das Metro-Design sei eine strategische gewesen, sagt Kaltner. Bei der Vorstellung der Consumer Preview von Windows 8 auf der Mobilfunkmesse in Barcelona sprach Steven Sinofsky, Präsident der Geschäftsbereiche Windows und Windows Live bei Microsoft, von der größten Umwälzung seit der Einführung von Windows 95. Das ist jetzt schon 17 Jahre her.

Nutzer sind offen für neue Bedienung

Dass Microsoft mit Metro etwas Überraschendes und Überzeugendes gelungen ist, bescheinigen auch außenstehende Experten. Metro sei «sehr radikal», sagt Professor Tanja Diezmann, die an der Hochschule für Künste in Bremen Interaction-Design lehrt. Sie sei positiv überrascht. Metro sei eine echte Design-Weiterentwicklung, «ein evolutionärer Schritt». Das Interface sei «nachvollziehbar, logisch aufgebaut». Es sei gut, dass Microsoft sich da einfach mal etwas getraut habe.

Diezmann befürchtet auch nicht, dass das neue Design auf große Ablehnung stoßen wird. «Die Leute sind experimentierfreudiger geworden», sagt sie. Seit Apple seine iPods und iPhones eingeführt habe, seien die Menschen offener gegenüber neuen Bedienkonzepten, «neugierig auf ein neues Interface». Das gelte nicht nur für technisch Interessierte, sondern auch für ganz normale Leute. Dafür habe Apple gesorgt.

Testphase baut auf Feedback

Dass der Metro-Stil auf dem Smartphone eine gute Figur macht, kann man schon sehen. Ob es auch gelingt, die Menschen auf dem PC dazu zu bringen, ihre seit vielen Jahren eingeübten Gewohnheiten aufzugeben und sich umzustellen, wird sich noch zeigen müssen. Die großen bunten Kacheln sind ja sehr übersichtlich, aber was ist, wenn man mehr als nur ein Dutzend davon braucht? Und verändert sich mit Metro auch die Arbeit etwa mit Word, Excel oder etwa Photoshop?

Es werden sicher im Laufe der nächsten Zeit noch so einige Fragen und Probleme im Zusammenhang mit Windows 8 auftauchen. Aber deshalb hat Microsoft ja auch eine Consumer Preview herausgebracht, um Reaktionen der Nutzer zu bekommen und um an der einen oder anderen Stelle noch nachbessern zu können. Man darf gespannt sein, wie das endgültige Ergebnis dann aussieht.

Windows 8 funktioniert auch auf Smartphones

Kaum noch Fragen lässt Microsoft bei der unterstützten Hardware aufkommen. Wichtigste Neuerung ist wohl, dass Windows 8 auch auf ARM-Prozessoren läuft, die häufig in Smartphones und Tablet-PCs zum Einsatz kommen. Und dass sind die beiden Bereiche, in denen Microsoft aufholen muss, weil es dort bislang praktisch gar nicht präsent ist. Apple hier zu verdrängen, dürfte schwer werden und sicher einige Zeit dauern. Und Google wird mit seinem Betriebssystem Android auch nicht schlafen.

Die Windows 8 Consumer Preview steht in den Sprachen Englisch, Französisch, Deutsch, Japanisch und vereinfachtem Chinesisch in einer 32- und einer 64-Bit-Version zum Download bereit. Wer das System auf seinem PC mal testen will, nutzt am besten ein Programm wie VirtualBox, um es als sogenannte virtuelle Maschine ohne weitere Eingriffe in das eigene Betriebssystem zu installieren.

zij/phs/news.de/dapd

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