Datenschutz So wehren Sie sich gegen die Google-Schnüffelei

Ab 1. März gilt für die meisten Google-Dienste eine neue, einheitliche Datenschutzerklärung. Doch die Kritik an den neuen Regeln ist groß. Welche Daten sammelt Google? Was stört die Verfechter des Datenschutzes? Und was können Sie als Nutzer tun? News.de gibt Antworten.

Google führt Dienste trotz Datenschutzbedenken zusammen (Foto)
Google hält den Protesten entgegen, dass das Unternehmen den Nutzern Kontrolle und Transparenz gewähre. Bild: dpa

Warum vereinheitlicht Google die Datenschutzerklärung?

Der Internet-Riese hat - finanziert aus den üppigen Werbeeinnahmen seiner Suchmaschine - Dutzende neuer Dienste entwickelt. Bislang gab es für praktisch jeden eine eigene Datenschutzerklärung. Mehr als 70 solcher Regelwerke zählt das Unternehmen selbst. Es verspricht nun, diesen Wust deutlich übersichtlicher zu gestalten. Allerdings ist die neue Datenschutzerklärung ausgedruckt immer noch stattliche acht DIN-A4-Seiten lang.

Welche Daten sammelt Google künftig?

Auch künftig protokolliert Google nicht jede Suche. Die Veränderungen betreffen vor allem Nutzer, die ein Google-Konto haben, zum Beispiel für das Mail-Postfach Googlemail/Gmail oder das Smartphone- und Tablet-Betriebssystem Android. «Unter Umständen verknüpfen wir personenbezogene Daten aus einem Dienst mit Informationen und personenbezogenen Daten aus anderen Google-Diensten», heißt es in der neuen Erklärung. Auch die Bürosoftware-Sammlung Docs und das Online-Netzwerk Google+ werden ans große Datensilo angeschlossen.

Suchmaschinen: Alternativen zu Google
zurück Weiter Ixquick (Foto) Zur Fotostrecke Foto: news.de (Screenshot)

Warum führt Google die Daten verschiedener Dienste zusammen?

Das Unternehmen führt zwei Gründe an. Zum einen verspricht es sich von der Verzahnung eine Verbesserung seiner Produkte. Dafür hat es in seinem Blog ein Beispiel genannt: Wenn ein Nutzer nach Restaurants in München sucht, bekommt er in Zukunft nicht nur die Ergebnisse des Such-Algorithmus präsentiert, sondern - wenn er bei Google angemeldet ist - möglicherweise auch Fotos, die seine Google+-Kontakte in der bayerischen Landeshauptstadt gemacht haben. Zum anderen will das Unternehmen seine Anzeigen besser auf den einzelnen zuschneiden. Personalisierte Werbung gilt als besonders lukrativ.

Gilt das neue Regelwerk für alle Google-Dienste?

Nein, einige seiner Produkte hat das Unternehmen ausgenommen. Für den Bezahldienst Wallet gelten beispielsweise eigene Bedingungen, die den Umgang mit Finanzdaten regeln. Beim Internet-Browser Chrome und der Buchsuche Books will das Unternehmen nach eigenen Angaben detailliert über die Verwendung von Daten informieren, ohne dass sich die allgemeine Erklärung in die Länge zieht.

Was stört Datenschützer?

Die französische Datenschutzkommission (CNIL), die sich im Auftrag ihrer europäischen Kollegen um den Fall kümmert, sieht in den neuen Regeln einen Verstoß gegen die europäische Datenschutzrichtlinie. Die Datenschützer monieren, dass die Erklärung zu allgemein sei - Google müsse zusätzliche Informationen liefern, was in den einzelnen Diensten passiere. «Unsere vorläufige Untersuchung zeigt, dass es extrem schwierig herauszufinden ist, welche Daten zwischen welchen Diensten für welche Zwecke ausgetauscht werden» - selbst Datenschutz- Experten hätten damit ihre Probleme. Was ist mit der Telefonnummer, was mit der Gerätekennung des Handys? Die Erklärung wimmelt von weichen Wendungen, allein 15 Mal kommt das Wort «möglicherweise» vor.

Wie rechtfertigt sich Google?

Der Internet-Riese betont, dass er den Nutzern Kontrolle und Transparenz gewähre - etwa mit dem (relativ wenig bekannten) Programm Dashboard, dass die in verschiedenen Google-Konten abgespeicherten Daten und Einstellungen auflistet. Google-Datenschützerin Alma Whitten erklärt zudem am Donnerstag in einem Artikel für die «Frankfurter Allgemeine Zeitung»: «Unser grundsätzliches Bekenntnis zum Datenschutz ändert sich nicht. Durch die Vereinfachung unserer Regeln sammeln wir keinerlei neue Informationen.»

Wie geht es weiter?

Datenschützer und Politik wollen sich mit der neuen Erklärung nicht zufriedengeben. Nicht nur in Europa regt sich Widerstand: In den USA, der an sich nicht für rigiden Datenschutz bekannten Heimat von Google, fordern der Kongress und etliche Generalstaatsanwälte Antworten.

Was können Sie als Nutzer tun?

Wer mit der neuen Regelung nicht einverstanden ist, sollte seinen Google-Datenschutz selbst in die Hand nehmen.

Webprotokoll deaktivieren: Über die Nutzung seiner Suchmaschine führt Google ein sogenanntes Webprotokoll, um Suchergebnisse und Werbeanzeigen zu personalisieren. Diese sogenannte History sollten Nutzer unter «google.com/history» löschen und deaktivieren, rät die Internet-Bürgerrechtsorganisation Electronic Frontier Foundation (EFF).

Dashboard kontrollieren und nutzen: Google bietet unter «google.com/dashboard» eine Steuerzentrale für das Konto. In dem sogenannten Dashboard sieht man für jeden Dienst aufgelistet, welche Informationen wie persönliche Daten, Kontakte, Konversationen oder Protokolle Google gespeichert hat und kann diese auch löschen oder ändern. Über das Dashboard lassen sich auch das Google-Konto mit allen Diensten oder einzelne Dienste löschen.

YouTube-Verlauf löschen: Google speichert auch, welche Videos die Nutzer bei der Unternehmenstochter YouTube suchen oder anschauen. Die EFF rät, auch das zu unterbinden. Dazu muss man sich auf der YouTube-Seite einloggen oder über das Dashboard dorthin gehen und auf «Video-Manager» klicken. Danach gilt es, unter Verlauf auf «Gesamten Verlauf löschen» und «Pause viewing history» zu klicken. Danach muss man unter Suchverlauf auf «Gesamten Suchverlauf löschen» und «Suchverlauf aussetzen» klicken.

Vor dem Surfen abmelden: Wer die Google-Suchmaschine nutzt, sollte nach Möglichkeit nicht gleichzeitig bei seinem Google-Konto angemeldet sein. Auch um YouTube nutzen zu können, muss man nicht eingeloggt sein. 

Daten verteilen: Der Verbraucherzentrale Bundesverband rät, Google nicht alle Daten zu überlassen. Es gebe auch andere Suchmaschinen, andere soziale Netzwerke oder andere Speicherdienste für Fotos.

Daten aus dem Browser löschen: Nutzer sollten den Browser so einstellen, dass eine Surf-Chronik oder -History mit Cookies und zwischengespeicherten Inhalten gar nicht erst angelegt oder zumindest beim Schließen des Browsers gelöscht wird.

jag/news.de/dpa

Bleiben Sie dran!

Wollen Sie wissen, wie das Thema weitergeht? Wir informieren Sie gerne.

Leserkommentare (0) Jetzt Artikel kommentieren
Kommentar schreiben  Netiquettelink | AGB
noch 600 Zeichen übrig