Protest gegen Zensur Wikipedia geht offline

Wikipedia macht ernst. Aus Protest gegen zwei Gesetzesinitiativen in den USA nimmt die Online-Enzyklopädie am Mittwoch ihre englischsprachigen Seiten für 24 Stunden vom Netz. Auch andere Internet-Angebote protestieren gegen die geplanten Online-Zensuren.

Wikipedia geht aus Protest offline (Foto)
Wikipedia protestiert am Mittwoch gegen zwei US-Gesetzesinitiative - und geht für 24 Stunden offline. Bild: dpa

Das Flaggschiff der Wikipedia bleibt am Mittwoch für einen Tag abgeschaltet: Die englischsprachige Ausgabe der Online-Enzyklopädie zeigt dann nur eine Protestnote gegen zwei Gesetzesinitiativen in den USA, die mit Netzsperren gegen die Anbieter von Raubkopien im Internet vorgehen will.

1800 Wikipedia-Autoren berieten sich

«Bei einer Verabschiedung hätten beide Gesetze verheerende Folgen für das freie und offene Web», erklärte die Wikimedia Foundation, die das freie Wissensprojekt betreibt.

Der Entscheidung vom Montag (Ortszeit) ging eine breite Meinungsbildung voraus, an der mehr als 1800 Autoren von Wikipedia-Artikeln mitwirkten. Dies sei die bislang höchste Beteiligung bei einer Wikipedia-Diskussion, was die große Besorgnis angesichts der geplanten Gesetze zum Ausdruck bringe, erklärte Wikimedia.

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Wikiepedia-Gründer: Hausaufgaben früh erledigen

Die Abschaltung des Angebots beginnt am Mittwoch um 6.00 Uhr (MEZ) und dauert 24 Stunden. Wikipedia-Gründer Jimmy Wales schrieb im Kurzmitteilungsdienst Twitter, Schüler und Studenten sollten ihre Hausaufgaben früh erledigen, weil «Wikipedia am Mittwoch gegen ein schlechtes Gesetz protestiert». Die deutschsprachige Wikipedia wird weiter zugänglich sein, aber voraussichtlich einen Protestbanner in Solidarität mit der Aktion in den USA anzeigen.

Auch zahlreiche andere Internet-Angebote protestieren am Mittwoch mit Abschaltungen oder Bannern gegen die Gesetzesinitiativen mit den Bezeichnungen SOPA (im Repräsentantenhaus) und PIPA (im Senat), die eine schärfere Verfolgung von Urheberrechtsverletzungen zum Ziel haben.

Twitter hält Abschaltung nicht für sinnvoll

Twitter-Vorstandschef Dick Costello lieferte sich eine Kontroverse mit Wales und anderen, in der er eine Abschaltung zunächst als «dumm» bezeichnete, dies später aber relativierte. Twitter sei auch gegen SOPA, halte die Abschaltung des globalen Internet-Dienstes aber nicht für sinnvoll.

Der Gesetzentwurf für SOPA (Stop Online Piracy Act) wurde am 26. Oktober 2011 vom republikanischen Abgeordneten Lamar Smith aus Texas vorgelegt. Zurzeit berät der Justizausschuss der Parlamentskammer über SOPA.

SOPA besonders umstritten

Der Senat, die zweite Kongresskammer, stimmt am 24. Januar zunächst über Verfahrensfragen bei der Behandlung eines ähnlichen Gesetzesvorhabens ab: PIPA (Protect IP Act) soll ebenfalls Maßnahmen gegen Web-Anbieter im Ausland ermöglichen, die das geistige Eigentum (intellectual property, IP) verletzen. Eingebracht wurde PIPA vom demokratischen Senator Patrick Leahy in Vermont.

Besonders umstritten ist eine Bestimmung bei SOPA, die von Internet-Providern verlangt, nach einer gerichtlichen Anordnung den Zugang zu ausländischen Webseiten zu sperren, die Raubkopien anbieten. Dies wird von den Gegnern als Zensur und unzulässiger Eingriff in die technische Infrastruktur des Netzes abgelehnt. Unter dem Eindruck der heftigen Kritik signalisierte Smith zuletzt Kompromissbereitschaft in dieser Frage.

phs/news.de/dpa

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Leserkommentare (1) Jetzt Artikel kommentieren
  • Linda123
  • Kommentar 1
  • 11.02.2012 21:20

Eine sehr gute Sache. Wikipedia geht als Vorbild in dieser Sache voran. Das sollten wir auch. Es gibt schon genug Zensur. Das Internet soll frei bleiben von Zensur! Sonst sind wir irgendwann wie in China wo alles zensiert wird. LG Linda Meine Internetseite: http://www.laminareifen.de/

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