23.12.2011, 10.08 Uhr

QR-Codes: Was steckt hinter den Pixelquadraten?

Kleine Pixelquadrate als analoges Tor zum Internet: QR-Codes schmücken immer mehr Werbetafeln, Zeitschriften oder Müslipackungen. Was sich dahinter verbirgt und wie Sie eigene QR-Codes erschaffen, erfahren Sie hier.

Kleine schwarz-weiße Pixelquadrate tauchen immer öfter in der Zeitung und auf Werbeplakaten auf. Dabei handelt es sich um sogenannte QR-Codes, kurz für Quick Response Codes. Sie versprechen, mit einem Klick zusätzliche Informationen oder eine Adresse auf den Smartphone-Bildschirm zu holen. Zumindest, wenn auf dem Gerät die richtige App installiert ist.

QR-Codes sind eine Weiterentwicklung klassischer Strichcodes. Die kleinen Quadrate verschlüsseln Informationen visuell. Das kann eine Telefonnummer oder virtuelle Visitenkarte sein, aber auch ein Link, etwa zu einem Video oder einer Website.

Abkürzung von der analogen Welt ins Netz

Um den Code zu entschlüsseln, werden ein Smartphone und eine Lese-App benötigt. Mit der Kamera wird das Muster gescannt, das Programm übersetzt es und zeigt die verschlüsselten Informationen an. Mühsames Abtippen entfällt. So bieten QR-Codes eine Abkürzung von der analogen Welt ins Netz.

QR-Codes können überall eingesetzt werden, wo sich das schwarz-weiße Muster drucken lässt. In der Welt kompakt führen sie zu Infos, die nicht ins Blatt passen. Der Zoo Osnabrück bietet auf diesem Wege zusätzliche Informationen über Tiere, QR-Codes auf Verpackungen führen zu Produktinformationen, an Immobilienplakaten zu Preisen und Angaben zur Grundstücksgröße.

QR-Codes noch weitgehend unbekannt

Die breite Masse kann mit den Pixelquadraten allerdings noch nicht viel anfangen. Von den mehr als 19,5 Millionen Smartphone-Nutzern in Deutschland haben zwischen Juli und Oktober knapp 3,5 Millionen einen QR-Code eingescannt, hat eine Studie des Marktforschungsinstitutes Comscore ergeben. Immerhin: Seit Beginn der Erhebungen im Juli ist die Zahl um 26,5 Prozent gestiegen.

Dennoch ist Benedikt Hanswille vom Bundesverband Digitale Wirtschaft (BVDW) davon überzeugt, dass sich QR-Codes weiter verbreiten werden - und dass es leichter wird, sie zu verarbeiten: «Es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis QR-Code-Reader direkt in die Kameras der Smartphones integriert sind.»

Viel Potenzial in den Pixelquadraten

Glaubt man dem IT-Experten Steffen Schilke, ist das Potenzial noch lange nicht ausgereizt. «Man kann viel mehr mit QR-Codes machen, als das heute schon der Fall ist», sagt er. Zudem würden die Codes oft nicht optimal genutzt. «Es gibt viele, viele Leute, die setzen QR-Codes ein und verlinken dann auf eine ganz normale Website, die nicht für mobile Geräte optimiert ist - das ist doof», sagt Schilke. «Wenn ich einen QR-Code mache und davon ausgehe, dass ich mobile Benutzer habe: immer auf mobile Websites verlinken.» Nur dann habe man einen echten Mehrwert.

Kritiker bemängeln zudem, dass QR-Codes häufig an Orten zu finden sind, wo sie nicht nutzbar sind - etwa auf Werbeplakaten in der U-Bahn mit schlechtem oder keinem Empfang. Ohne Internetzugang können die Ziele im Netz nicht angesteuert werden.

QR-Codes selbst gestalten

Der Siegeszug der mobilen Alleskönner von Apple, Samsung & Co. werde die Verbreitung von QR-Codes aber weiter vorantreiben, glaubt Hanswille. «Ein Smartphone ist Voraussetzung dafür, dass ich QR-Codes nutze und lese», sagt der BVDW-Mann. Chancen sieht er auch im Bereich Micropayment, etwa um Fahrkarten für Busse und Bahnen zu kaufen. «Der Vorteil: Es ist sehr, sehr einfach, Internetadressen einzugeben.» Und damit auf die im Netz bereits bestehenden Lösungen zuzugreifen.

Was Unternehmen können, können Verbraucher schon lange. Prinzipiell kann jeder selbst eigene Informationen in den kleinen Pixelquadraten verschlüsseln. Apps wie QR, QR-Scanner oder Barcode Generator machen es möglich. Sie generieren aus Telefonnummern, E-Mail-Adressen oder Web-Adressen ohne großen Aufwand QR-Codes. Ähnlich simpel funktioniert es auf Websites wie qrcode.kaywa.com.

Die Codes können etwa auf gedruckten Einladungen als Schnittstelle zu einer Wegbeschreibung im Internet dienen oder auf Visitenkarten als digitale Variante für das Handy-Adressbuch. Schilke kennt zudem Partys, deren Ort, Beginn und Anlass man nur herausfindet, wenn man den QR-Code auf der ansonsten leeren Einladung scannt.

Am meisten Sinn haben QR-Codes allerdings in der analogen Welt und nicht auf Websites oder in E-Mails - denn da ist der Empfänger ohnehin schon online und kann einfach auf einen Link klicken.

sis/ham/eia/news.de/dpa

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