Warteschleifen So funktioniert der Abzocke-Stopp

Wie funktioniert der «Abzocke»-Stopp bei Warteschleifen? (Foto)
Kostspielige Telefon-Warteschleifen sollen bald nicht mehr erlaubt sein. Bild: dpa

Sie kosten Kunden viel Zeit und oft auch Geld: Warteschleifen bei Firmenhotlines. Um das ärgerliche Abkassieren einzudämmen, sollen bald strengere Regeln gelten. News.de kennt die wichtigsten Neuerungen.

Schon das Warten nervt. Servicenummern, die viele Unternehmen für Ticketbuchungen oder Auskünfte bei Technikproblemen anbieten, können für Kunden zur Geduldsprobe werden - und oft ziemlich teuer. Denn häufig hören Anrufer minutenlang nur mehr oder weniger muntere Melodien, bis sich endlich ein Berater meldet. Nun hat der Bundestag schärfere Regeln beschlossen, die einer «Abzocke» mit Warteschleifen einen Riegel vorschieben sollen. Doch zuvor muss auch der Bundesrat noch zustimmen.

Wie teuer sind Warteschleifen bei Servicenummern überhaupt?

Verbraucherschützern ist das Abkassieren fürs Warten seit langem ein Ärgernis. Dabei sind viele Nummern von Unternehmen oder Behörden inzwischen gratis, meist erkennbar an der 0800-Vorwahl. Daneben gibt es 0180-Nummern, die bis zu 14 Cent pro Minute kosten und bis zu 42 Cent vom Handy. Eine Studie der Grünen-Bundestagsfraktion, die gerade 300 Test-Anrufe auswertete, ergab durchschnittliche Kosten von drei Euro für Warteschleifen. Unrühmlicher Spitzenreiter war eine Esoterik-Hotline mit 15 Minuten Wartezeit für 27 Euro.

Was soll sich bei Warteschleifen ändern?

«Eine Warteschleife ist keine Leistung und darf auch nichts kosten», sagt FDP-Verbraucherexperte Erik Schweickert. So einfach wie dieser Grundsatz klingt, ist die Umsetzung in der schwarz-gelben Reform des Telekommunikationsrechts nicht geregelt. Erlaubt sein sollen Warteschleifen künftig überhaupt nur noch unter bestimmten Bedingungen: bei kostenlosen Servicenummern, wenn die angerufene Firma die Kosten für die Wartezeit trägt oder wenn für den gesamten Anruf ein Festpreis gilt. Der Kunde am Hörer muss fortan gleich zu Beginn informiert werden, wie lange die Warteschleife dauern wird.

Werden also alle Warteschleifen kostenlos?

Erlaubt bleiben kostenpflichtige Warteschlangen, wenn die Firmenhotline keine spezielle Nummer wie eine 0900-Vorwahl hat, sondern eine übliche Ortsvorwahl wie 030 für Berlin oder 089 für München. Die Bundesregierung argumentiert, dies sei «keine unzumutbare Belastung», da mehr und mehr Verbraucher pauschale Flatrate-Tarife hätten. Dabei sind Anrufe zu normalen Festnetznummern inklusive.

Wann kommt die Kostenkontrolle für Warteschleifen?

Um den Anbietern Zeit für komplizierte technische Umstellungen zu geben, sind Übergangsfristen vorgesehen. Greifen sollen die strengen Regeln deshalb erst ein Jahr nach Inkrafttreten des Gesetzes. Für das erste Jahr gilt vorerst, dass Warteschleifen zwei Minuten lang umsonst sein müssen - ist mehr Geduld nötig, kann es wieder etwas kosten. Dies könne die Situation sogar «verschlimmbessern», warnt Grünen-Fraktionsvize Bärbel Höhn. Denn Firmen könnten Warteschleifen verlängern, wenn erst ab der dritten Minute Geld ohne Leistung zu verdienen ist.

Was soll sich für Verbraucher noch verbessern?

Verbraucherfreundlichere Vorgaben sind dafür geplant, wenn Kunden umziehen oder den Anbieter wechseln. Wer sich einen neuen Festnetzbetreiber aussucht, soll künftig nur höchstens einen Tag einen «tote» Leitung haben - dauert die Umstellung länger, bleibt der alte Anbieter in der Pflicht. Ist eine Leistung wie extraschnelles Internet in der neuen Wohnung gar nicht verfügbar, sollen Kunden aus länger laufenden Verträgen herauskommen können. Handynummern sollen bei Vertragswechseln einfach mitzunehmen sein.

Was sagen die Anbieter?

Bei den Anbietern stoßen die Neuregelungen teils auf Bedenken. Für die Warteschleifenumstellungen dürften sie Millioneninvestitionen einplanen müssen. Auch die Ein-Tages-Frist beim Festnetzwechsel könne schwierig sein, heißt es beim IT-Branchenverband Bitkom. Dies könne zu einer «erhöhten Fehlerquote» bei Anschlussumstellungen führen. Dabei komme es den Kunden doch zuerst darauf an, dass alles problemlos funktioniere.

eia/som/ham/news.de/dpa

Leserkommentare (3) Jetzt Artikel kommentieren
  • Paulherchenbach
  • Kommentar 3
  • 28.10.2011 16:41
Antwort auf Kommentar 2

Diese sogenannten Servicenummern dienen einzig und allein der Abzocke ! Da gibts nur eins: Alle Firmen die mit diesen Sonderrufnummern operieren,die nicht in der Flatrate enthalten sind ,einfach ignorieren und nicht mehr berücksichtigen! Sie werden staunen,wie schnell die das kapieren ! Im übrigen bin ich mir ziemlich sicher , das die Abzocker schneller sind als die Bürokratie und einen Umweg erfinden,bevor die neue Regelung in Kraft tritt.

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  • sahib
  • Kommentar 2
  • 28.10.2011 11:48

Wer, bitteschön, hat diese Abzocke erst möglich gemacht?

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  • anti abzocke
  • Kommentar 1
  • 28.10.2011 11:41

Bei mehr als 3 inuten Wartezeit soll der Kunde wieder bezahlen? Was für ein Witz! Dann wartet man garantiert noch länger als jetzt schon üblich. Sogar einige Kredit- und viele Telekommunikationsanbieter nehmen heute noch Gebühren für Anrufe ihrer Hotline. Und warum überhaupt diee lange Übergangsregelung. Technisch wäre es kein Problem, sofort umzustellen und Gebührenfreiheit bei Hotlineanrufen zu ermöglichen. Wieder einmal ist die Politik vor der Anbietelobby eingeknickt. es bleibt, zumindest vorerst, bei der Abzocke. Darauf braucht ich die Verbraucherschutzministerin nichts einzubilden.

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