Tablet-Premiere Apples iPad bekommt Konkurrenz von Amazon

Von Chris Melzer
Viele haben es probiert, alle sind gescheitert: Das iPad von Apple ist der Branchen-Primus bei Tablets - bis jetzt. Amazon präsentiert nun das «Kindle Fire». Es soll ein ernster Konkurrent werden. Dank großem Inhalte-Angebot und Kampfpreis.

Amazon-Chef Jeff Bezos machte es spannend: Eine gute halbe Stunde war die Pressekonferenz in New York alt, als er aus der Tasche zog, worauf alle gewartet hatten: das «Kindle Fire». Ein neues Lesegerät für elektronische Bücher nannte Bezos ihn, wie auch die anderen Kindle zuvor. Doch das kleine Gerät ist mehr: Tablet-Computer, Fernseher, Musikspieler - und bisher wohl der stärkste Konkurrent für Apples iPad.

Apple hat den Tablet-Computer zwar nicht erfunden, aber mit dem iPad erst marktfähig gemacht. Der Computer, der eigentlich nur ein flacher Bildschirm mit Berührungssteuerung ist, wird dem Hersteller immer noch aus den Händen gerissen - obwohl selbst das einfachste Modell 500 Dollar kostet. Trotzdem waren die Versuche der Konkurrenz bisher vergebens: Das Gerät von Hewlett-Packard ist schon wieder vom Markt verschwunden, das Galaxy Tab von Samsung hat mehrere Klagen am Hals und das vom Blackberry-Hersteller RIM wird gerade für 300 Dollar verschleudert.

Doch Amazon kommt noch darunter. Gerade einmal 199 Dollar (145 Euro), verkündete Bezos strahlend, soll der Kindle zum Verkaufsstart am 15. November kosten. Das sind noch 50 Dollar weniger als zuvor kolportiert wurde. Im Gegensatz zum iPad kann das «Kindle Fire» auch mit der Flash-Technologie umgehen. Viele Webseiten sind mit der Software programmiert, zeigen Bilder und Filme - die auf dem iPad nicht laufen. Apple lehnt Flash mit der Begründung ab, es verschwende zu viel Rechen- und Akku-Kapazität. «Natürlich kann es Flash», sagt Amazon-Entwickler Jon Jenkins grinsend über das «Kindle Fire». «Wir wollen unseren Kunden nichts vorenthalten - wie vielleicht der eine oder andere Mitbewerber.»

Amazons Portfolio ist das Kaufargument

Das «Kindle Fire» ist kleiner als das iPad. Statt knapp 25 ist der Bildschirm nur etwa 18 Zentimeter in der Diagonale groß. Es ist auch leichter, bietet aber Stereolautsprecher «und ein sagenhaftes Display», beteuert Jenkins. Den Hauptvorteil gegenüber Samsung, RIM und HP lieferte der Chef selbst: «Wir haben die Inhalte», sagt Bezos. «Wir haben die Millionen Filme, Millionen Bücher, Millionen Songs. Das Web ist ein komplizierter Platz geworden. Bei uns haben Sie alles in einer Hand und das werden die Leute lieben.» Marktexperten rechnen damit, dass genau das der Trumpf ist, mit dem das «Kindle Fire» auf Augenhöhe mit dem iPad kommen kann.

Da gingen die Ankündigungen zur neuen Kindle-Familie fast unter. Denn von den neuen E-Book-Lesegeräten, nach Amazon-Angaben die erfolgreichsten der Welt, gibt es künftig auch eines, das man mit Finger-Bewegungen bedienen kann. Das «Kindle Touch» soll gerade einmal 99 Dollar kosten, ohne das Berührungsdisplay sogar nur 79 Dollar.

In Deutschland kommt von allen diesen Neuheiten bisher nur der einfache neue Kindle am 12. Oktober auf den Markt, für 99 Euro. Das ist auf den ersten Blick deutlich teurer als in den USA - allerdings wird dort der Preis von 79 Dollar dadurch ermöglich, dass der Kunde Werbung auf sein Kindle-Gerät aufgespielt bekommt.

Apple
So sieht das iPad 2 aus

cvd/ham/news.de/dpa

Leserkommentare (1) Jetzt Artikel kommentieren
  • ejanner
  • Kommentar 1
  • 30.09.2011 09:21

Jetzt immitieren die Apple-Konkurrenten auch noch die Produkteinführung. Der Amazon-Chef mit seinem Auftritt ist doch nur eine Immitation der Auftritte von Steve Jobs. Es ist ja ok dass andere Hersteller als Trittbrettfahrer billiger sind, es bleibt aber die Feststellung - Patente hin oder her - dass die Produkte veränderte Apple-Nachbauten sind.

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