Zeitungen Zeitungen und Google: Freundschaft unwahrscheinlich

Springer-Vorstandschef Mathias Döpfner sprach kürzlich über einen Besuch der Google-Zentrale in den USA. Dort habe er sich als Vertreter einer Dinosaurier-Branche gefühlt, kokettierte er auf einer Podiumsdiskussion.

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Zeitungen und Google: Freundschaft unwahrscheinlich Bild: dpa

Berlin (dpa) - Springer-Vorstandschef Mathias Döpfner sprach kürzlich über einen Besuch der Google-Zentrale in den USA. Dort habe er sich als Vertreter einer Dinosaurier-Branche gefühlt, kokettierte er auf einer Podiumsdiskussion.

Hinter der locker und ironisch erzählten Geschichte steckt eine ernste Frage: Wie schaffen Zeitungen den Sprung ins digitale Zeitalter und welche Rolle spielen global agierende Unternehmen wie Google, Apple und Microsoft auf dem Markt?

Das ist das große Thema auf dem Zeitungskongress in Berlin (19. und 20. September) mit dem Leitmotiv: «Kleine Welt - große Player: Wer bestimmt die Regeln?» Gastredner sind Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU). Verlegerpräsident Helmut Heinen betont: «Bei den Zeitungen gibt es - gedruckt und digital - viele gute Entwicklungen, die uns für die Zukunft fit machen. Wir möchten diese noch besser zur Geltung bringen.»

Trotz guter Konjunktur verlieren Tageszeitungen weiter Anzeigen und Auflage. Im ersten Halbjahr gingen die Werbeumfänge nach Angaben des Bundesverbandes Deutscher Zeitungsverleger (BDZV) im Vergleich zum Vorjahr um 3,5 Prozent zurück. Die Auflagen sanken in ähnlicher Größenordnung. Ein Grund sind für Heinen kostenlose Internet-Angebote sowie Anwendungen für Smartphones und Tablet-Computer. «Die elektronische Welt beschäftigt uns derzeit mehr als die gedruckte Welt», sagt er.

Heinen wirft Google gravierende Rechtsverstöße vor, indem der Suchmaschinenbetreiber Inhalte der Verlage nutze, ohne diese entsprechend zu honorieren. Google-Sprecher Kay Oberbeck sieht das genaue Gegenteil und meint: «Wir sind einer der wichtigsten Partner für die Verlage im Internet.» Im vergangenen Jahr habe das Unternehmen weltweit mehr als sechs Milliarden US-Dollar (rund 4,4 Milliarden Euro) an Verlagspartner ausgeschüttet. «Zudem liefern wir Monat für Monat mit der Google Suche und Google News über vier Milliarden zusätzliche Klicks auf Verlagsangebote weltweit. Dafür verlangen wir keinen Cent von den News-Anbietern.»

In einer prominent besetzten Runde diskutieren Telekom-Chef René Obermann, Hamburgs Erster Bürgermeister Olaf Scholz (SPD), Springer-Chef Döpfner und der Geschäftsführer der Südwestdeutschen Medienholding, Richard Rebmann, über die Problematik. Dabei geht es auch um das von der Bundesregierung lange geplante Leistungsschutzrecht für Anbieter von Inhalten im Netz.

Verlegerpräsident Heinen erwartet von der Kanzlerin klare Aussagen dazu. «Das Vorhaben liegt schon länger im Ministerium bereit, wird aber nicht in das Gesetzgebungsverfahren eingebracht. Wir kennen den Entwurf nicht und wollen wissen, wie es weitergeht.»

Das Gesetz ist für die Branche wichtig, weil es eine Grundlage für das Bezahlen von Inhalten im Netz liefert - und damit aus Sicht vieler das Überleben des Qualitätsjournalismus erst möglich macht. Kritiker sehen jedoch die Informationsfreiheit gefährdet. «Wir halten die Einführung eines Leistungsschutzrechtes für sachlich und wirtschaftlich durch nichts gerechtfertigt und für juristisch nicht haltbar», meint Google-Sprecher Oberbeck. Darüber sei sich das Unternehmen mit 98 Prozent der Werbekunden der Verlage einig.

Wo liegt also die Zukunft der Zeitungen in der digitalen Welt? Für Heinen geht es dabei vor allem um Qualität, und er verweist auf die große Kompetenz der Blätter in den Regionen. «Wer an seiner lokalen Leistung spart, ist sicherlich schlecht beraten», warnt er. «Aber im Internet verdient bisher kaum jemand mit regionalen Inhalten Geld.» Auf nationaler Ebene erwartet er immer härtere Bedingungen. «Da werden sich nur sehr wenige bezahlte Angebote behaupten können.»

Bei der Vermarktung von bundesweiter Werbung etwa von Aldi, Lidl oder Karstadt sieht er Verbesserungsmöglichkeiten. «Es gibt zu viele Ansprechpartner für die Kunden», sagt Heinen. «Wir brauchen Vermarkter, die für größere Belegungseinheiten zuständig sind.»

Entspannung zeichnet sich immerhin beim Streit um die Apps der öffentlich-rechtlichen Sender ab. Die ARD-Vorsitzende und WDR-Intendantin Monika Piel hatte in einem dpa-Interview Gesprächsbereitschaft angekündigt und gesagt: «Möglich wäre, bei der "Tagesschau"-App den Video- und Audioanteil noch weiter in den Vordergrund zu rücken.» Heinen meint dazu, die Diskussion laufe nun endlich in die richtige Richtung: «Wir wollen den Öffentlich-Rechtlichen das Internet nicht verbieten. Es geht aber darum, dass die Apps von ARD und ZDF weniger textbasiert sind.»

news.de/dpa

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