Apple-Chef Steve Jobs Glanz geht, Beliebigkeit kommt 

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Von news.de-Redakteurin Sophia Sieber
Erwarteter Schock: Steve Jobs übergibt an Tim Cook. Nun steht Apple vor einer ungewissen Zukunft, denn Steve Jobs ist Apple. Was kommt nach dem iDespoten?

Dass Steve Jobs den Hut nimmt, kommt wenig überraschend. Schon vor Monaten hat sich der Apple-Gründer zurückgezogen und an Timothy D. Cook übergeben. Der tritt nun endgültig die Nachfolge an. In seiner persönlichen Mitteilung erklärt Jobs, nun sei der Tag gekommen, an dem er seine Pflichten bei Apple nicht mehr erfüllen könne. Dieser Übergang ist lange geplant - keine Frage, dafür hat der Kontrollfreak Jobs sicher gesorgt.

Gut passt da auch ins Bild, wie der Elektroniktiger Apple in den letzten Wochen um sich biss: Hauptkonkurrent Samsung hat er mit den Verkaufsstopps für seine Smartphones und Tablets in Deutschland und Europa schwer getroffen.

Steve Jobs Abgang ist nun dennoch ein Schock - denn er ist endgültiger als seine vielen krankheitsbedingten Ausfälle. Die Frage nach der Zukunft Apples ist auf einen Schlag ungewiss. Kein Wunder: Steve Jobs ist Apple.

Klau-Skandal
Samsung vs. Apple

Jobs ruft religiöse Euphorie hervor

Er ist ein Despot in seinem Imperium, ein Psychopath, ein machtbesessener Nerd. Er hat das Unternehmen 1997 wieder aufgerichtet und Apple zu einer der wertvollsten Marken der Welt gemacht. Er allein bestimmt über Technologie, Design und Verpackung. Er allein verkörpert das hochwertige, revolutionäre und saubere Image des Konzerns. Auf den berühmten Apple-Keynotes spricht Jobs wie Gott zu seinen Schäfchen und verspottet seine Gegner mit sarkastischen Seitenhieben. Bei den Fans ruft das religiöse Euphorie hervor, wie eine Untersuchung des britischen Senders BBC herausgefunden haben will.

Sein Entschluss, in den Aufsichtsrat zu wechseln, kann zweierlei bedeuten: Er bleibt weiter der Master of Puppets, der Puppenspieler, der die Geschicke des Unternehmens hinter den Kulissen lenkt. Oder er verabschiedet sich auf Raten - um den Markt zu beruhigen. Letztere ist wohl die wahrscheinlichere Option.

Panik ist aber vorerst nicht angesagt: Apple dürfte noch genug aus dem Jobs-Topf zehren können  - das iPhone 5 kommt offenbar im Oktober, das iPad3 dürfte auch noch auf sein Konto gehen. Erst danach müsste Apple beweisen, dass es auch ohne Jobs ein Elektronikkonzern ist, der Hightech als Lebensgefühl verkaufen kann. Das ist aber unmöglich ohne das abgedrehte Genie an der Spitze. Und so wird Apple langfristig wohl das gleiche Schicksal treffen wie viele einst große Marken: Der Glanz geht, Beliebigkeit kommt. 

Apple
Das gewisse «i»-twas

kas/iwi/news.de

Leserkommentare (1) Jetzt Artikel kommentieren
  • Schelli
  • Kommentar 1
  • 25.08.2011 18:38

Steve habe ich persönlich erleben dürfen. Ihn als Psychopathen zu bezeichnen halte ich für unangebracht und unqualifiziert. Ein Psychopath ist ein geistesgestörter Krimineller. Zweifelsohne ein Despot ist er eine selten vorkommende Mischung aus genialem Entwickler mit Gespür für den Markt, einem Kämpfer und brillantem Manager. Er ist ein Mann, der nie aufgegeben hat. Mehr solche Persönlichkeiten würden uns - gerade hier in Deutschland und Europa - gut tun. Dabei haben wir in der Bundesrepublik großartige Köpfe, die oft nicht so gefördert werden wie sie's verdient hätten. Mut zum Risiko fehlt.

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