Lichtfeldkamera Erst schießen, dann scharf stellen

Von news.de-Redakteurin Sophia Sieber
Unscharfe Urlaubsfotos haben schon so manchen Fotografen in den Wahnsinn getrieben. Damit könnte bald Schluss sein: Lichtfeldkameras ermöglichen das Fokussieren nach der Aufnahme.

Das Problem kennt jeder Fotograf: Auf der Fototour durchs Gebirge hat der Autofokus gesponnen. Das, was eigentlich scharf werden sollte, verschwimmt im Hintergrund. Oder: Das Bild ist generell unscharf. Ein Schnappschuss, eine Erinnerung an den Urlaub, ist unwiederbringlich futsch. Laut Photoindustrie-Verband ist Unschärfe noch immer der häufigste Grund für misslungene Fotos.

Eine neue Kameratechnik will die Fotografie nun revolutionieren - Unschärfeprobleme sollen dann der Vergangenheit angehören. Sogenannte Lichtfeld- oder plenoptische Kameras werden es möglich machen, die Schärfeebenen eines Fotos erst nach der Aufnahme festzulegen: Erst schießen, dann scharf stellen.

Noch können Privatanwender diese Kameras nicht kaufen. Das will das US-amerikanische Unternehmen Lytro aber ändern. Später in diesem Jahr soll das erste Modell für den Endverbraucher zu haben sein und so viel kosten, wie eine Kompaktkamera, sagt Lytro-Gründer Ren Ng gegenüber dem Blog All Thing Digital.

Von der Wissenschaft zum Verbraucher

Informationen zum Prototypen oder einem konkreten Zeitplan für die Kamera rückte Lytro auch auf news.de-Anfrage nicht heraus: Exakter Preis, Megapixel, Erscheinungsdatum - die Kalifornier machen es spannend. Liest man jedoch die FAQ auf der Website, dann wird klar, dass die Lichtfeldkamera wohl kein 14-Megapixel-Monster sein wird - so wie die meisten Kameras heute. Im Gegenteil, dort heißt es: «Mit der Lichtfeldtechnologie nutzen wir die Pixel, die ihr normalerweise wegschmeißen würdet.»

Das klingt zwar alles noch etwas halbgar dafür, das die ersten Geräte schon in diesem Jahr verfügbar sein sollen. Allerdings liefert Lytro hier einen äußerst spannenden Ansatz.

Zudem sind die Kalifornier nicht die ersten, die mit den Möglichkeiten plenoptischer Kameras experimentieren. Das Start-up Pelican Imaging Coorporation will die Lichtfeldfotografie ins Smartphone bringen und stellte ebenfalls bereits einen Prototypen vor. Das deutsche Unternehmen Raytrix vertreibt solche Geräte kommerziell - leider nicht an den Endverbraucher. Auch Adobe experimentiert offenbar seit Jahren mit der Technologie.

So funktioniert's:

Der Sensor der plenoptischen Kamera erfasst das Lichtfeld eines Motivs anders als herkömmliche Kameras nicht nur zweidimensional, sondern vierdimensional. Er fängt Farbe, Intensität,  Richtung jedes einzelnen Lichtstrahls und damit jede mögliche Schärfeebene eines Motivs ein.

In der Lytrokamera verarbeitet eine Software die quasi rohen Daten zu einem Lichtfeldbild, das nachher manipuliert werden kann. Dazu sollen einfach die gewünschten Bildpunkte angeklickt werden können. Eine spezielle Software soll der Betrachter dazu nicht herunterladen müssen. Was mit der Kamera möglich ist, zeigen Ng und seine Kollegen auf ihrer Website und unsere Fotobeispiele rechts.

Blitz, bleib daheim

Doch die Technologie bietet weitere Vorteile. Ein lahmer Autofokus vermasselt bislang so manchen spontanen Schnappschuss. Bei einer Lichtfeldkamera, die gänzlich ohne Fokus auskommt, soll es eine solche Auslöseverzögerung nicht mehr geben.

Auch der Blitz könnte zukünftig öfter in der Fototasche bleiben, da die Kamera das gesamte verfügbare Licht einer Szenerie einfangen und daher auch bei schlechten Beleuchtungsverhältnissen gute Ergebnisse liefern kann. Natürlich will Lytro auf den rasenden 3D-Zug aufspringen und verpricht dreidimensionale Bilder, die weit über das hinaus gehen, was das konventionelle 3D liefert. So soll es möglich sein, die Perspektive auf eine Szene anzupassen.

Sommer-Kameras
Robust bis preisgünstig

Tipps für die Zwischenzeit:

In den news.de-Photoshop-Tutorials finden Sie Anregungen, wie Sie Urlaubsbilder aufpeppen oder virtuelle Schönheitskorrektuern vornehmen.

Sind Sie noch auf der Suche nach der richtigen Kamera? Dann finden Sie auf news.de Kaufberatungen zu den neuen Systemkameras oder den besten Sommerkameras.

ham/som/news.de

Leserkommentare (1) Jetzt Artikel kommentieren
  • Rainer
  • Kommentar 1
  • 10.08.2011 11:05

Wenn diese Technik gute Bilder machen soll, müsste sie aber deutlich besser werden als dieser Prototyp, mit dem diese Beispiele gemacht wurden. Diese Bilder sind grauenvoll! Ein unglaubliches Bildrauschen, miese Dynamik, schlechte Auflösung und eine Fokusierung die eigentlich nicht als fokussiert bezeichenet werden kann, lässt erahnen wie lang der Weg noch ist bis diese Technik halbwegs brauchbare Ergebnisse bringt. Für mehr als Handykameras wird diese Technik (Spielerei) sicherlich mittelfristig nicht taugen.

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