Xperia Play Sonys Smartphone-Klotz am Bein

Das Xperia Play verbindet zwei Welten, die total im Trend liegen: die boomenden Smartphones und das mobile Spielen. News.de hat sich die Gaming-Qualitäten des Konsolen-Smartphones angeschaut - und gemischte Gefühle erlebt.

Sony und tragbare Konsolen - diese Mischung brachte nie wirklich bahnbrechende Erfolge. Am ehesten gefragt war noch die erste Generation der Playstation Portable (PSP), die inzwischen in modifizierter Form als PSP-3000 verkauft wird. Die PSPgo hingegen war für den Konzern ein Reinfall, mit der Folge, dass die Produktion für Japan im April dieses Jahres gestoppt wurde. Die Ausrichtung auf Core Gamer war wohl einfach zu spezifisch.

Ganz verabschieden wollten sich die Japaner allerdings nicht vom mobilen Spielen. Zu deutlich zeigte Konkurrent Nintendo in den vergangenen Jahren, dass es hier durchaus Potential gibt. Und weil Smartphones spätestens seit dem iPhone-Marktstart boomten, wagte das japanisch-norwegische Joint-Venture Sony Ericsson den Sprung ins kalte Wasser: mit dem Smartphone Xperia Play.

Sony Xperia Play: Das Smartphone mit Konsole

Das lange als Playstation Phone gehandelte Gerät ist mit Googles Betriebssystem Android Gingerbread ausgestattet, verfügt über ein Touchpad und präsentiert sich, sobald der Slider ausgefahren ist, als Konsole mit Telefonitis. Und zwar in einem äußerst klobigen Format. Das sich der Blickwinkel des Hochglanzdisplays nicht kippen lässt, um Lichtreflektionen beim Zocken zu vermeiden, ist noch zu verschmerzen. Nicht aber die Tatsache, dass das Smartphone unter Übergewicht leidet und sich deshalb in der Hosentasche wie ein kleiner Klotz am Bein gibt. Aufgrund seiner Dicke ist das Xperia Play zudem auch wenig griffig.

Gewalt ist der Killer des Akkudeckels

Xperia Play: Sonys Zockerhandy
Video: YouTube

Eingefleischte Konsoleros nehmen das jedoch in Kauf. Vermittelt das Smartphone doch die Anmutung von Playstation, dank des Steuerkreuzes, der Befehls- und Steuertasten und des guten, aber viel zu dunklen Displays. Die Umstellung ist also keine. Doch so schön der Slider ist, hinter dem das Gamepad verborgen wird, und so leicht er am Neugerät auch gleitet, er bleibt ein Verschleißteil, das mit der Zeit über das aktuell Bewegungsspiel hinaus deutlich wackeliger werden dürfte.

Das Verschleißproblem könnte über kurz oder lang auch die rückwärtige Abdeckung des Smartphones ereilen. Denn leider hat Sony Ericsson das Gehäuse des Xperia aus Plastik konstruiert - hochglänzend zwar, aber eben nicht hochwertig. Das rächt sich, weil es Gewalt braucht, um die Abdeckung zu öffnen, hinter der unter anderem der Akku verborgen ist. Die Schutzwand ist so extrem dünn und wahrt nicht einmal den Anschein von Robustheit, dass sie irgendwann kaputt gehen könnte, wenn nicht gar muss. Grobmotoriker dürften mit dieser Friemelei ihre liebe Not haben.

Beim reinen Telefonieren - mit guter Sprachqualität - ist das zwar wenig von Bedeutung. Doch warum sollte man sich ein Konsolenhandy zum Telefonieren kaufen? In der Tat steht und fällt die Kaufentscheidung für das Xperia Play mit der Vorliebe für ausgeprägtes Daddeln.

Die Steuerung ist ein Glücksspiel

Vorinstalliert sind Games wie Star Batallion, Bruce Lee, der Fußballsimulator Fifa 10 und die Klötzchenschieberei Tetris. Per App-Store - in diesem Fall der Android Market - oder Gaming-App «Playstation Pocket» lassen sich weitere Games auf das Smartphone holen. Die Auswahl ist inzwischen einigermaßen vielfältig, dank zahlreicher Casual Games. Und auch große Publisher wie Ubisoft und Electronic Arts lassen ihre bekannten Titel für Smartphones portieren. Doch neue, ganz eigene Spiele für das Xperia Play gibt es bislang nicht. Ob es die jemals geben wird, dürfte auch von den Verkaufszahlen des Geräts abhängen.

Im news.de-Test mit der Smartphone-Version von Die Sims 3 machte das Xperia Play allerdings keine rühmliche Figur. Die Steuerung der Sims über das Gamepad des Telefons war leider sehr unpräzise, der Aktivitätsleitstrahl, über den Interaktionen mit anderen Sims oder Objekten auf der Spielfläche aktiviert werden, rutschte auch dann noch ein Stück weiter, wenn man die Finger längst von den Tasten genommen hatte. Selbst mit den Steuerpads in der Mitte des Gamepads, über die man nur sanft die Finger gleiten lässt, war das ein Problem.

Deshalb verschwand das Game-Pad recht schnell wieder hinter dem Slider. Zeigte sich doch zu allem Überfluss, dass die Navigation auf der Spielfläche deutlich besser, aber trotzdem immer noch ungenau, über das Touch-Display funktionierte. Ganz praktisch ist hingegen die Tatsache, dass das Spiel bei einem Anruf an aktiver Stelle zwischengespeichert wird. Ist das Telefonat beendet, lässt sich die App am unterbrochenen Punkt wieder aufrufen.

Dem ausgeprägten Zocken steht damit also nichts im Weg. Bis auf eine Ausnahme: der Akku. Voll aufgeladen ging das Xperia-Play-Testgerät mit Die Sims 3 in den news.de-Check. Knapp fünfeinhalb Stunden und zwei Telefonate später war jedoch alles vorbei, der Energiespeicher leer. Da war die, wenn auch ruckelfreie, Grafik wohl doch etwas hungrig. Zum Vergleich: Sonys erste PSP überstand gerade einmal drei Stunden Zocken. Nintendos aktueller Handheld 3DS schafft immerhin bis zu sieben Stunden.

Fazit. Vielleicht hätte Sony seinen Handhelds einfach das Telefonieren beibringen sollen, anstatt die Konsole ins Smartphone zu stecken. Oder sich frühzeitig ein Beispiel an Nokias wenig erfolgreichem Spielehandy N-Gage nehmen sollen, das scheiterte, weil es an einer guten Auswahl an Spielen haperte. Das Risiko besteht auch beim Xperia Play. Denn abseits vom Casual-Games-Markt ist der Großteil der Core-Games veraltet und höchstens bei Nostalgikern gefragt.

Andererseits wird sich das Konsolensmartphone nur durchsetzen, wenn die Spielentwickler die Möglichkeiten des Geräts konsequent in ihre Games einbinden. Spiele komplett über das Touch-Display steuern zu können, ist ein guter Grund, nicht zum Xperia Play zu greifen - selbst wenn der Preis des einstigen 500-Euro-Smartphones inzwischen deutlich gesunken ist. Das Gerät intuitiv bedienen zu können, mit ihm im Internet zu surfen und beim Telefonieren gute Sprachqualität zu haben, ist einfach kein Kaufargument für ein Konsolensmartphone. Und wer primär mobil mit Sony spielen will, der wird wohl auf die Konsole Playstation Vita warten.

Gerät: Smartphone Xperia Play
Hersteller: Sony Ericsson
Farbvarianten: Weiß, Schwarz
Preis: zirka 350 Euro (bei Sony Ericsson zirka 440 Euro)
Lieferumfang: zwei USB-Kabel, ein Strom-USB-Adapter, Kfz-USB-Adapter, Display-Schutzfolie, Kopfhörer, Handytasche, 8 GB SD-Karte

kls/som/news.de

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