DAB+ Das müssen Sie zum Digitalradio wissen

Im August wagt das Digitalradio in Deutschland einen Neuanfang. Welche Sender dann über den Äther gehen, welche Geräte es gibt und welche Chancen der Neustart hat, erfahren Sie hier.

Digitalradio (Foto)
Mit DAB+ soll der Neustart des Digital Radios endlich gelingen. Bild: Philips

Warum gibt es einen Neustart für Digitalradio?

Digitalradio steht in Deutschland in der Regel für die digitale, terrestrische Verbreitung von Hörfunkprogrammen via DABDAB steht für Digital Audio Broadcasting und bezeichnet einen Übetragungsstandard für den digitalen, terrestrischen Hörfunk. beziehungsweise DAB+. Den meisten dürfte Digitalradio via DAB als kläglich gescheitertes Projekt in Erinnerung sein: Die Technik ist bereits seit den 1990ern im Einsatz, konnte sich aber nie am Markt etablieren.

DAB+ soll nun die Wende bringen. Mit der Weiterentwicklung können nun noch mehr Programme über eine Frequenz verbreitet werden, als mit dem alten DAB. Dafür setzt DAB+ auf das effiziente Audioformat AAC+, das Internetradiohörern längst bekannt sein dürfte. Wie beim alten Digitalradio gibt es kein Rauschen, kein Knistern und auch kein Suchen nach einer neuen Frequenz. Wer will, hört den selben Sender auf derselben Frequenz nun von Garmisch-Patenkirchen bis Flensburg durch.

Digital Radio: Empfänger im Überblick

Dazu können programmbegleitende Informationen wie Albumcover, Wetterkarten, Verkehrsmeldungen oder ein elektronischer Programmführer mitgesendet und über das Radiodisplay angezeigt werden.

Warum sollte der Neustart gelingen?

Auf der Ifa-PreviewDas ist eine Presseveranstaltung zur Internationalen Funkausstellung (Ifa), die im September in Berlin stattfindet. waren sich alle Experten einig, dass der Neustart mit DAB+ ein Erfolg werden wird, da sich diesmal eine Allianz aller Beteiligten abzeichnet. Sowohl Programmveranstalter als auch Hersteller und Handel zögen an einem Strang. Sogar der Verband privater Rundfunk und Telemedien (VPRTVerband Privater und Telemedien e.V. ) der stets auf Kriegsfuß mit dem Digitalradio stand, sagt nun «ja» zum digitalen, terrestrischen Hörfunk. 

Florian Fritsche, Geschäftsführer der Regiocast Digital, erklärte im Rahmen der Ifa-Preview in München, dass man bei UKW an die Grenzen gestoßen sei. Regiocast könne nichts mehr bewegen, da es keine verfügbaren freien Frequenzen mehr gibt: «Ideen haben wir viele, Platz gab es nicht.» Die Regiocast geht nun mit gleich drei Angeboten - 90elf, litera und RemiX - bundesweit auf Sendung und will sich so als nationale Radiomarke etablieren: «DAB+ ist eine wunderbare Ergänzung, es wird noch lange dauern bis 90elfPrivater Hörfunksender aus Deutschland, der sich mit dem Thema Fußball und dessen Berichterstattung beschäftigt. via Internet im Autoradio laufen wird.»

Auch die Nachbarländer zeigen, dass Digitalradio durchaus ein Erfolgsmodell sein kann. So besitzen in Großbritannien mehr als ein Drittel aller Haushalte einen DAB-Empfänger, wählen können sie laut World-DMB-Forum aus mehr als 400 Stationen. Auch in der Schweiz ist die Akzeptanz von DAB höher als hierzulande.

Welche Programme sind ab 1. August bundesweit empfangbar?

Elf private Hörfunkprogramme gehen ab dem 1. August  bundesweit via DAB+DAB steht für Digital Audio Braodcasting und bezeichnet einen Übertragungsstarndard für den digitalen, terrestrischen Hörfunk. Bei DAB erfolgt die Audiocodierung via MP2. Auf einer Frequenz können bis zu 8 Programme übertragen werden. DAB+ ist die Standardweiterentwicklung, sie nutzt das noch effizientere AAC+. Im Vergleich zum alten DAB können nun noch mehr Hörfunkprogrammen innerhalb eines Ensembles übetragen werden. in die Luft: Neben dem Fußball-Radio 90elf, sind das LoungeFM, ERF Radio, Energy, RemiX, litera, Klassik Radio, Radio 3.0, UIP und Radio Horeb.

Eigentümer Regiocast plane mit seinem Fußballradio einen besonderen Service via DAB+, so Fritsche. Die Zuhörer sollen ähnlich wie im Internet frei wählen können, welches der Bundesligaspiele, die gleichzeitig stattfinden, sie hören wollen. 

Hinzu kommen die öffentlich-rechtlichen Programme Deutschlandfunk, Deutschlandradio Kultur und D-Radio Wissen. Das Deutschlandradio kann so nach eigenen Angaben erstmals seinen gesetzlich geregelten Versorgungsauftrag erfüllen, da es nun seine Hörfunkprogramme flächendeckend in allen Bundesländern verbreiten kann.

Auf der Presseveranstaltung zur Ifa-Preview kündigte Helwin Lesch vom Bayerischen Rundfunk zudem an, dass die ARD ihre gesamten dritten Radioprogramme bis Ende des Jahres ebenfalls auf DAB+ in die Luft bringen will. Allerdings nicht bundesweit, sondern wie gewohnt regional.

Welche Geräte sind verfügbar und wieviel kosten sie?

Anders als beim alten DAB, werden beim Neustart genügend Geräte in allen Preisvarianten zur Verfügung stehen. Einsteigergeräte liegen bei etwa 40 bis 50 Euro: Diese Geräte haben in der Regel ein kleines Schwarz-Weiß-Display und erinnern in der Optik und Funktionalität an ein einfaches Küchenradio. Wer mehr investiert, der bekommt schon ab etwa 100 Euro ein Farbdisplay mit Touchbedienung, Wlan, Streamingfunktion oder ein iPod-Dock. Teure DAB+-Hifi-Systeme können die 600-Euro-Marke locker knacken. Allen Geräten ist gemein, dass sie in jedem Fall auch UKW und das herkömmliche DAB empfangen können.

Einige Autohersteller bieten zudem DAB+-fähige Audiosystem ab Werk an, dazu gehören neben VW auch Skoda und Seat.

Eine Auswahl an aktuellen Geräten zeigt unsere Fotostrecke.

Was passiert mit meinem alten DAB-Empfänger?

Wer sich bereits vor Jahren für den Kauf eines DAB-Empfängers entschieden hat, geht leider leer aus. Die Altgeräte sind in der Regel nicht in der Lage, die neuen DAB+-Programme zu empfangen.

Einige Radios können per Software-Update fit gemacht werden. Ob ihr Empfänger dazu gehört, erfahren Sie bei Ihrem Hersteller. So sind beispielsweise alle Geräte des britischen Herstellers Pure updatefähig, die ab 2008 auf den Markt gekommen sind.

Entschädigungen für all jene, die sich über den Kauf ihres Altgerätes schwarz ärgern, wird es nicht geben, erklärt Lesch, aber er sagt auch, dass alle Programme, die bisher in DAB gesendet wurden, weiterhin bestehen bleiben.

rzf/ham/news.de

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Leserkommentare (1) Jetzt Artikel kommentieren
  • Heinz
  • Kommentar 1
  • 14.07.2011 19:06

Dab, Dab+, "Dadidab" ... - ja, ja es ist schon so ein Kreuz mit der Technik. Nie ist ein Ende der Entwicklung abzusehen und der frühe Vogel fängt nicht immer den Wurm wie auch dieses Beispiel mal wieder zeigt.

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