Computer Der Kampf der Giganten ums «soziale Internet»

Der Konkurrenzkampf um die Spitzenposition im Internet-Geschäft ist voll entbrannt. Rivalisierende Bündnisse treten gegen einander an: Eine Allianz aus Facebook, Microsoft, Nokia und Skype stellt sich gegen Internet-Primus Google, daneben verbündet sich Apple mit dem Kurznachrichtendienst Twitter.

Der Kampf der Giganten ums «soziale Internet» (Foto)
Der Kampf der Giganten ums «soziale Internet» Bild: dpa

Berlin (dpa) - Der Konkurrenzkampf um die Spitzenposition im Internet-Geschäft ist voll entbrannt. Rivalisierende Bündnisse treten gegen einander an: Eine Allianz aus Facebook, Microsoft, Nokia und Skype stellt sich gegen Internet-Primus Google, daneben verbündet sich Apple mit dem Kurznachrichtendienst Twitter.

Die Marschrichtung sind Online-Dienste, die Nutzer miteinander vernetzen. Der König in diesem «Sozialen Internet» ist Facebook, doch Google bäumt sich gerade dagegen auf, mit dem eigenen Online-Netzwerk Google+.

Facebook-Gründer Mark Zuckerberg gibt sich betont gelassen. Ach ja, übrigens, wir haben inzwischen 750 Millionen Nutzer, ließ er ganz nebenbei fallen, als er am Mittwoch Facebooks neueste Funktion vorstellte, einen Videochat. «Wir haben das bisher nicht verkündet, weil wir es nicht für so relevant hielten.» Schließlich werde es in Zukunft nicht mehr darum gehen, wer die meisten Nutzer hat, sondern wie nützlich man für sie wird.

Daran, dass die «sozialen Dienste» dauerhaft im Leben der Menschen angekommen seien, gebe es keinen Zweifel mehr, betonte Zuckerberg. Davon zeuge allein, dass sich das Volumen der Inhalte, die ein durchschnittlicher Facebook-Nutzer im Internet teilt, jedes Jahr verdoppele.

Zuckerberg hatte schon vor Jahren seine Vision skizziert: Facebook als «soziale Schicht», die das gesamte Leben seiner Mitglieder durchzieht. Kommunikation, Terminabsprachen unter Freunden, Hobbys, Film- oder Restaurant-Empfehlungen, Modegeschmack - das alles sind Themen, bei denen sich die Menschen intensiv miteinander austauschen, dafür brauchen sie eine Gemeinschaft, auch im Internet.

Mit seiner zweite Grund-These - die Menschen wollen immer mehr Privates öffentlich machen - eckte der heute 26-Jährige hart bei Datenschützern und auch bei den eigenen Kunden an und lernte, geduldiger zu werden. Eine Funktion, die Facebook-Freunde automatisch über Käufe eines Nutzers informierte, wurde nach einem Aufschrei unter den Mitgliedern schnell wieder gekappt. Seitdem gab Facebook den Nutzern ausgiebige Kontrollmöglichkeiten zur Privatsphäre - und die Nutzer stellen bei Facebook immer mehr Bilder, Videos und aktuelle Informationen zu ihrem Alltag ein.

Die Ausbeute dieses «sozialen» Booms sind Daten. Berge von Informationen darüber, was die Menschen interessiert, was sie mögen, mit wen sie kommunizieren, wo sie sich gerne aufhalten. Daten haben Google zum Internet-Giganten gemacht - seine Milliarden verdient der Konzern immer noch vor allem mit Anzeigen, die auf Suchanfragen der Nutzer zugeschnitten sind.

Daten sind der Treibstoff, den man braucht, um im Internet-Geschäft erfolgreich zu sein. Geben Sie uns mehr Informationen, dann liefern wir Ihnen viel bessere Suchergebnisse, appellierte der damalige Konzernchef Eric Schmidt schon im vergangenen Jahr an die Google-Nutzer. Doch immer mehr der wertvollen Nutzerdaten landen inzwischen in den Silos von Facebook - und das Online-Netzwerk hält fest den Deckel drauf, unter Hinweis auf den Datenschutz. Schließlich habe man den Mitgliedern versprochen, sie mit niemandem zu teilen. Anonym ausgewertet sind die Informationen immer noch ein Schatz für Werbefirmen, die mit ihren Anzeigen viel besser bestimmte Zielgruppen ansprechen können.

Google versucht es jetzt mit einer eigenen Facebook-Alternative mit dem Namen Google+ und setzt dabei auf eine bessere Kontrolle über die Privatsphäre. Die Nutzer können ihre Kontakte von Anfang an in verschiedene «Kreise» einsortieren - etwa Freunde, Verwandte, Arbeitskollegen - und entsprechend einschränken, wer was von ihren Fotos oder Mitteilungen sehen kann. Facebook kontert, das sei nichts besonderes, etwa jedes zweite Mitglied bei dem Online-Netzwerk nutze bereits die ähnliche Möglichkeit, seine Kontakte in Gruppen zu bündeln.

Google+ ist der bisher konsequenteste Versuch, alle Google-Dienste mit einem «sozialen Netz» zu verbinden: Etwa die Videoplattform YouTube, den Fotodienst Picasa oder die Übersetzungsfunktion Google Translate. Das alles befeuert von der technischen Übermacht der Google-Rechenzentren und flankiert von Android als führendem Smartphone-Betriebssystem.

Allerdings stößt Google spät zur Netzwerk-Party dazu: Schließlich spricht die Zahl von 750 Millionen Facebook-Nutzern für sich. Und in der Testphase von Google+ ist ausgerechnet Mark Zuckerberg bisher der populärste Nutzer.

Ankündigung im Facebook-Blog

Rangliste der Nutzer bei Google+

Zuckerberg bei Google+

news.de/dpa

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