Augmented Reality Das Spiel mit der Realität

Wikitude (Foto)
Spielen in der erweiterten Realität. Bild: Wikitude

Von news.de-Redakteurin Sophia Sieber
Ohne Drogen, mit viel Technik: Wem die Realität zu langweilig ist, der peppt sie mit Monstern, historischen Bildern oder niedlichen Mangamädchen auf. Augmented-Reality-Apps machen es möglich. Wie sie funktionieren, lesen Sie hier.

Wenn im Park plötzlich ein knallbuntes Monster steht, vor der Siegessäule ein Infobanner in der Luft schwebt und Tierhaarallergiker mit einem hüpfenden Monchhichi spielen, dann sind wir inmitten der Augmented Reality (AR) - übersetzt: der erweiterten Realität. Zocker und Smartphone-Nutzer kommen damit immer öfter in Kontakt.

Für die meisten sind die AR-Apps nützliche Reiseführer, so wie die bereits 2008 vorgestellte Anwendung Wikitude, die Tweets oder Umgebungsinfos zu Sehenswürdigkeiten liefert. Gerade den Weg in den App-Store gefunden hat die am Fraunhofer-Institut für Graphische Datenverarbeitung entwickelte iPhone-App dARsein. Sie ermöglicht einen historischen Rundgang durch die Darmstädter Mathildenhöhe.

Augmented Reality
Realitätserweiterung ohne Drogen
Wikitude (Foto) Zur Fotostrecke

Japanische Junggesellen haben Augmented Reality als Singlebörse für sich entdeckt. So projiziert die LovePlus-App aus dem Hause Konami das Abbild eines Mangamädchens in die reale Umgebung. In Japan hat diese Kuriosität Hochkonjunktur. Das geht so weit, dass ein Japaner seine virtuelle Freundin aus dem gleichnamigen Nintendo-DS-Spiel heiratete.

Weitere AR-Apps finden Sie in unserer Bilderstrecke.

Was steckt wirklich hinter Augmented Reality?

«Der Begriff Augmented Reality ist wissenschaftlich sehr klar definiert. Momentan wird er allerdings inflationär verwendet», sagt Professor Wolfgang Broll, Abteilungsleiter für Kollaborative Virtuelle und Augmentierte Umgebungen am Fraunhofer-Institut für Angewandte Informationstechnik. Anwendungen wie Wikitude sind genau genommen keine AR-Anwendungen, weil die virtuellen Inhalte nicht perspektivisch korrekt in die Realität eingefügt werden.

Mit seinem Team beschäftigt sich Broll seit etwa 13 Jahren mit diesem Themenbereich, trotzdem macht er klar, dass es inhaltlich noch um Grundlagenforschung geht: «Also die Frage, wie virtuelle Inhalte in der Realität verortet werden können, sodass sie sich auch real verhalten.» Ziel sei es, die Realität mit den AR-Anwendungen so zu erweitern, dass die Erweiterung für den Betrachter selbst nicht mehr erkennbar ist. «Davon sind wir heute noch weit entfernt», so Broll.

Auf die Perspektive kommt es an

Trotzdem treiben mobile Endgeräte wie Tablets, Smartphones und Spielekonsolen die Entwicklungen in dem Bereich rasant voran, denn sie bieten mit leistungsfähigen Prozessoren, Lagesensoren und GPS die richtige Hardware. Die Illusion erschaffen sie mit der Magic-Lens-Metapher, erklärt Broll. Das Gerätedisplay wird zum Fenster in die neue Welt, durch das der Betrachter hindurchschauen kann.

Das größte Problem dieser Anwendungen: Das Bild verändert sich nicht analog zu Kopfbewegungen. Für Broll geht der Trend deshalb hin zu Computer Visionauch: maschinelles Sehen. Vor eingesetzt in industriellen Herstellungsprozessen in den Bereichen Automatisierungstechnik und Qualitätssicherung. Weitere Einsatzgebiete finden sich z. B. in der Verkehrstechnik – von der einfachen Radarfalle bis hin zum sehenden Fahrzeug – und in der Sicherheitstechnik (Zutrittskontrolle, automatische Erkennung von Gefahrensituationen). Quelle: wikipedia.de . Hier wird die Relation zwischen Betrachter und virtuellem Objekt errechnet und das Bild entsprechend angepasst.

Augmented Reality im Auto

Augmented Reality ist aber nicht an Handhelds oder Konsolen gebunden oder bloße Spielerei. In Zukunft könnten wir uns schriftliche Bedienungsanleitungen sparen. Einfach das Smartphone vor den Kaffeeautomaten halten und schon startet die Live-Animation zu den wichtigsten Funktionnen. Auch in Medizin und Automobilbranche wird AR bereits eingesetzt.

Jeder Fahrer eines modernen Autos erlebt täglich echte AR-Anwendungen dank Rückfahrkamera und Display in Rückspiegel oder Navigationsgerät, erklärt Broll: «Neben dem Kamerabild erscheint hier auch eine vom Lenkeinschlag abhängige und perspektivisch korrekte Spurebene.» Perfekt ist das System noch nicht, denn die Fahrspuren gehen beispielsweise noch über Hindernisse wie Mauern hinweg.

«In Zukunft ist denkbar, dass die Windschutzscheibe zur Projektionsfläche für AR-Anwendungen wird», so Broll. Bei Nachtfahrten könnten schlecht sichtbare Fußgänger oder Tiere direkt und nahtlos in das Sichtfeld des Fahrers eingeblendet werden. Für den Fahrer bedeuten solche Anwendungen vor allem eins: mehr Komfort und Sicherheit.

sgo/ham/news.de

Leserkommentare (0) Jetzt Artikel kommentieren
Kommentar schreiben  Netiquettelink | AGB
noch 600 Zeichen übrig