Telekommunikation Kleiner Kauf im Netz: Micro- und Handypayment

Kleiner Kauf im Netz: Micro- und Handypayment (Foto)
Kleiner Kauf im Netz: Micro- und Handypayment Bild: dpa

Berlin (dpa/tmn) - Ein Zeitungsartikel oder einzelne Songs: Für solche Kleinstbeträge zückt niemand die Kreditkarte. Deshalb gibt es Internet- und Handy-Bezahlsysteme, die sich auf den schnellen Transfer geringer Summen spezialisiert haben. Können Verbraucher dem trauen?

Berlin (dpa/tmn) - Ein Zeitungsartikel oder einzelne Songs: Für solche Kleinstbeträge zückt niemand die Kreditkarte. Deshalb gibt es Internet- und Handy-Bezahlsysteme, die sich auf den schnellen Transfer geringer Summen spezialisiert haben. Können Verbraucher dem trauen?

Wer im Internet einkauft, zahlt gerne traditionell, per Lastschrift oder Kreditkarte. Bei kleinen Summen für Downloads oder Spiele lohnt sich das für Verkäufer aber nicht, denn die Transaktionskosten übersteigen schnell den Kaufpreis. Neben Mikro-Bezahlsystemen fürs Internet gibt es auch Handy-Bezahlsysteme. Die Nutzung ist bequem, aber nicht in jedem Fall kostenlos.

Micropayment: «Der Begriff umfasst all jene Systeme, mit denen Beträge bis etwa fünf Euro vor allem im E-Commerce beglichen werden», erklärt Michael Barth vom IT-Branchenverband Bitkom in Berlin. Das Prinzip funktioniert ähnlich wie bei digitalen Bezahlverfahren wie Paypal oder Moneybookers, die auch größere Beträge transferieren. Der Kunde registriert sich und gibt seine gewünschte Zahlungsmethode an. Sensible Daten wie Kreditkarten- oder Kontonummer müssen auf den Webseiten der Onlinehändler dann nicht mehr angegeben werden.

Transaktionsgebühren für den Micropayment-Kauf auf einer Webseite fallen nicht an. Wenn etwas bezahlt worden ist, zieht der Zahlungsdienstleister den Betrag vom Bankkonto ein. Wer möchte, kann aber auch per Überweisung ein Guthabenkonto beim Dienstleister anlegen. Ein Aufladen des Kontos per Kreditkarte kostet aber Gebühren: Drei Prozent der Einzahlungssumme sind es etwa bei «Click2Pay», 3,9 Prozent bei «ClickandBuy». Dort werden auch 1,85 Euro fällig, wenn Guthaben auf ein Bankkonto ausgezahlt werden soll.

Teils können bei den Dienstleistern Kontoführungsgebühren anfallen, zum Beispiel, wenn man mehrere Monate nichts mehr per Micropayment bezahlt hat. Erhoben werden auch Währungszuschläge, wenn Beträge bezahlt werden, die nicht in Euro ausgewiesen sind.

Um Phishing-Angriffen zu entgehen, sollte man vor jedem Zahlvorgang die Sicherheit der Verbindung prüfen - ein Schloss in der Statuszeile weist darauf hin, erläutert Holger Handstein von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen in Düsseldorf. Vorsicht gelte auch bei Mails, die scheinbar vom Anbieter selbst kommen. Verdächtig seien Aufforderungen, sensible Daten preiszugeben. Solchen falschen Anfragen sollten Nutzer natürlich nicht nachkommen.

Auch mit dem Handy kann man längst bargeldlos zahlen - etwa per Anruf bei einer Servicenummer oder durch Premium-SMS. Beim sogenannten Mobile Originated Billing wird per Kurznachricht ein direkter Gegenwert wie etwa eine App erworben, erklärt Marco Priewe vom Zahlungsanbieter Atlas Interactive in Hamburg. Beim sogenannten Webbilling gibt man dagegen seine Handynummer auf einer Webseite ein, empfängt per SMS einen Code und gibt diesen wieder auf der Webseite ein, um etwa einen Dienst freizuschalten. Gezahlt werden kann auch per Anruf bei einer kostenpflichtigen Servicerufnummer. Bei allen Varianten erscheint der Betrag auf Telefon- oder Mobilfunkrechnung.

Ein weitere Handy-Zahlungsdienst-Variante ist Mpass, den O2, Vodafone und die Telekom unterstützen. Nach einmaliger Registrierung kann man später per Eingabe der Handynummer und einer PIN auf der Webseite des Onlinehändlers einkaufen. Um die Zahlung abzuschließen, erhält der Kunde eine SMS, die er per Antwort bestätigen muss. Der Betrag wird dann per Lastschrift eingezogen.

Bisher ist das Handypayment in Deutschland noch nicht sehr verbreitet, sagt Felitas Aguilar von ACI Worldwide, einem Unternehmen, das Software für den elektronischen Zahlungsverkehr herstellt. «Dem Kunden werden die Technologie und die Verfahren zu wenig erklärt, deshalb fehlt es an Vertrauen.»

Zu diesem Ergebnis kommt auch eine Studie des Kölner E-Commerce-Center Handel (ECC). «76 Prozent der insgesamt 1000 befragten Bundesbürger halten einen ausreichenden Datenschutz und die sichere Abrechnung für unabdingbar, damit sich das Mobile Payment hierzulande durchsetzt», sagt Autorin Sonja Rodenkirchen.

Bereitschaft zum Bezahlen mit dem Handy besteht vor allem bei Jüngeren: 75 Prozent der Unter-30-Jährigen gaben in einer aktuellen Bitkom-Studie an, ihr Handy auch zum Bezahlen nutzen zu wollen. Von allen Befragten wollen dies nur 40 Prozent. Ein Schub für das Handypayment ist durch neue Smartphones mit NFC-Chips zu erwarten. Zum Bezahlen muss das Handy nur noch auf Terminals an Supermarktkassen, Fahrkartenautomaten oder Tankstellen gelegt werden. Je nach Sicherheitseinstellung wird das Geld automatisch abgebucht, oder das Konto wird erst nach Eingabe einer Geheimzahl belastet.

Studie zum Mobile Payment

Kontoauszüge prüfen

Bezahlen Verbraucher per Micro- oder Handypayment, sollten sie aus Garantie- und Umtauschgründen elektronische Quittungen ebenso aufbewahren wie sonst Papierbelege, rät Michael Barth vom Branchenverband Bitkom. Auch seine Kontoauszüge sollte man nach Abbuchungen von Zahlungsanbietern überprüfen. Denn alle Lastschrift-Posten lassen sich binnen sechs Wochen zurückbuchen.

news.de/dpa

Leserkommentare (0) Jetzt Artikel kommentieren
Kommentar schreiben  Netiquettelink | AGB
noch 600 Zeichen übrig