Biometrie
«Das Gesicht ist √∂ffentlich»

Gesichtserkennung hat l√§ngst Einzug in unseren Alltag gehalten. Das digitale Fotoalbum sortiert Bilder nach Gesichtern und auch bei Grenz- oder Zugangskontrollen kommt sie schon zum Einsatz. Doch die Technik ist nicht perfekt und birgt Risiken.

Es ist der Albtraum der Datensch√ľtzer: Eine Handy-Kamera erfasst das Gesicht eines Passanten, eine Software schaut in einer Datenbank nach und verr√§t den Namen des Unbekannten. Bild: dpa

Die Möglichkeiten der Gesichtserkennung sind gruselig. Das sagte Google-Manager Eric Schmidt auf der Big-Tent-Conference in Hertfordshire (England) in der vergangenen Woche. Dabei arbeitet der Suchmaschinenriese schon seit Jahren an solchen Technologien. Dementiert aber regelmäßig, Gesichtserkennungs-Software einsetzen zu wollen.

Spiegel Online hat nun einen aktuellen Patentantrag entdeckt, der ebenfalls in der vergangenen Woche ver√∂ffentlicht wurde. Google beschreibt darin, wie Fotos von Prominenten automatisch ihrem Namen zugeordnet werden. Dazu analysierten die Entwickler verf√ľgbare Bilder der Promis im Netz.

Das Verfahren, das Google hier offenbar anwendet, ist lange bekannt: die Bildanalyse. Alexander Nouak vom Fraunhofer-Institut f√ľr Graphische Datenverarbeitung (IGD) erkl√§rt, wie es funktioniert: «Man versucht, charakteristische Eigenschaften in einem Gesicht zu lokalisieren und festzuhalten - wo finde ich den Mundwinkel, wo finde ich die Augenwinkel, wo finde ich die Pupille.» Danach versuche man, diese markanten Punkte in anderen Bildern wiederzufinden und so miteinander zu vergleichen, erz√§hlt der Experte f√ľr Identifikation und Biometrie.

Gesichtserkennung im Alltag

Tats√§chlich hat die Gesichtserkennung in Alltag l√§ngst Einzug gehalten - beispielsweise bei Passkontrollen. So m√ľssen seit 2005 elektronische Reisep√§sse mit biometrischen Daten angefertigt werden: «Das hei√üt, das Gesicht soll so abgespeichert werden, dass es von einem Gesichtserkennungssystem genutzt werden kann», erkl√§rt Nouak. Versuche dazu gebe es bereits im Grenzkontrollbereich oder an Flugh√§fen.

Bei dem Pilotprojekt «EasyPass» am Frankfurter Flughafen m√ľssen Passagiere eine Schleuse betreten, nachdem ihr elektronischer Pass ausgelesen wurde. In der Schleuse wird ihr Gesicht mit dem gespeicherten Foto abgeglichen. Stimmen die Daten √ľberein, √∂ffnet sich die Schleuse.

Am deutsch-tschechischen Grenz√ľbergang Waidhaus lief 2002 ein vor√ľbergehendes Projekt zur Gesichtserkennung bei der Grenzkontrolle. Gegen√ľber news.de erkl√§rte das Bayerische Staatsministerium des Inneren allerdings, dass sich das Verfahren nicht bew√§hrt habe und deshalb nicht weiter eingesetzt wird.

Auch die EU-Kommission hat unl√§ngst Projekte zur Gesichtserkennung bei Zugangs- und Grenzkontrollen gef√∂rdert. Eines davon war «3DFace», an dem auch die Forscher des Fraunhofer IGD beteiligt waren. Durchgef√ľhrt wurde das Projekt zwischen 2006 und 2009. Un√ľberwachte Grenzkontrolle - das ist die l√§ngste Zeit ein Zukunftsszenario gewesen.

Fotos verwalten dank Gesichtserkennung

Doch auch unseren Alltag erleichtert die Gesichtserkennung l√§ngst. So bietet beispielsweise Googles kostenlose Fotosoftware Picasa seit der Version 3.8 die Funktion Face Movie. Das Programm sortiert hier automatisch alle Fotos einer Person und f√ľgt sie zu einer Bildershow zusammen. Auch Adobes Photoshop Elements 9 kann Fotos anhand von Gesichtern verwalten.

US-amerikanische Facebook-Nutzer k√∂nnen ihre Fotos nach einem √§hnlichen Prinzip gruppieren lassen: L√§dt ein Nutzer ein neues Foto hoch, wird es von einer Gesichterkennungssoftware analysiert und mit anderen Bildern von Freunden abgeglichen. Fotos, auf denen nun die gleiche Person erkennbar ist, werden so sortiert. Gegen√ľber news.de erkl√§rte Facebook, dass eine solche Anwendung f√ľr deutsche Nutzer nicht geplant sei.

Das öffentliche Gesicht

Gesichtserkennung wird sich durchsetzen - gerade √ľberall dort, wo sie uns das Leben erleichtert. Vielen Verbrauchern k√∂nnte diese Vorstellung eher Angst machen. Auch Bundesinnenminister Thomas de Maizi√®re und Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner stehen Gesichtserkennungsdiensten skeptisch gegen√ľber und sehen gesetzgeberischen Handlungsbedarf.

Die Technik ist nicht perfekt: Gerade die 2D-Gesichtserkennung sei relativ leicht zu √ľberwinden, so Nouak: «Zum Beispiel durch das Vorhalten eines Bildes, eines Fotos oder auch einer Videosequenz von einem Handy.» Eine 100-prozentige Sicherheit beispielsweise vor Identit√§tsdiebstahl liefert sie nicht. F√ľr Nouak ist die Biometrie eher eine Komfort- und keine Sicherheitstechnologie: «Erst im Verbund mit anderen Faktoren kann ein h√∂herer Sicherheitsgrad erreicht werden.» Einen Sicherheitsgewinn gebe es, wenn Biometrie mit einem Besitz, also einem Schl√ľssel oder einer Karte, oder Wissen, einem Passwort oder einer PinPers√∂nliche Identifikationsnummer. , gekoppelt werde.

Das Gesicht ist ein √∂ffentliches Merkmal, sagt Nouak: «Es ist be√§ngstigend, wenn automatische Mechanismen es noch leichter machen, einen Vergleich herzustellen und man damit schneller an Daten kommt.» Mittel und Wege, sich dagegen zu sch√ľtzen, gebe es kaum.

som/ham/ivb/news.de

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