Die Blackbox Der Spion an Bord

Knapp zwei Jahre nach dem Absturz der Air-France-Maschine im Südatlantik sind Flugdatenschreiber und Stimmrekorder aus 3900 Meter Tiefe an die Oberfläche geholt worden. Von beiden Geräten erhofft man sich Aufschluss über die Absturzursache.

Zwei orange Metallkisten, etwas größer als Schuhkartons und Blackboxes genannt, spielen bei der Aufklärung von Flugzeugabstürzen eine immer größere Rolle. Auch beim ungeklärten Absturz vor fast zwei Jahren einer Air-France-Maschine mit 228 Todesopfern setzen die französischen Luftfahrtexperten auf die Technik. Dieter Ritschel, Mitarbeiter im Flugschreiber-Labor der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung (BFU)Die BFU ist für die Untersuchung aller Flugunfälle auf deutschem Boden zuständig. Zudem wird sie tätig, wenn an einem Unfall eine deutsche Maschine beteiligt ist. Bei den in Deutschland unvergessenen Abstürzen 1996 in der Dominikanischen Republik und 2002 bei Überlingen am Bodensee zum Beispiel halfen die Daten der Flugschreiber bei der Ursachenfindung. im niedersächsischen Braunschweig, sagte: «Bislang hat es noch keinen Fall gegeben, in dem eine Blackbox so lange im Salzwasser gelegen hat».

Die äußere Box des Flugschreibers ist nach Meldungen aus Frankreich zwar gut erhalten: «Das ist noch kein Indiz für den Erhalt der gespeicherten Daten», bremste Ritschel aber allzu große Hoffnungen. Nach den Vorschriften müssen die Blackboxes 30 Tage in 6000 Meter Tiefe aushalten. «Die Tiefe ist also nicht das Problem, aber die Dauer», sagte er. Die französische Box hat fast zwei Jahre in 4000 Meter Tiefe gelegen. «Salzwasser ist sehr aggressiv», erinnerte Ritschel. Ob an irgendeiner Stelle Wasser eingedrungen ist, vermag er nicht abzuschätzen.

Hart im Nehmen

Ein Flugschreiber für ein Verkehrsflugzeug kostet im Durchschnitt 20.000 Dollar. «Das Teure ist die äußere Hülle, die ist unglaublich stabil. Der eigentliche Datenträger ist ähnlich einem Memorystick, wie ihn fast jeder in der Tasche trägt», erklärt der Experte. Früher kamen Magnetbänder zum Einsatz.

Damit die Blackboxes Abstürze aus mehreren Kilometern Höhe überstehen, werden sie auf Herz und Nieren getestet. «Beim Test wird der Behälter von einer Kanone an eine Betonwand geschossen», erläutert Ritschel die hohen Anforderungen. Nach dem Aufprall mit 700 Stundenkilometern seien die Boxen zwar stark zerbeult, der Datenträger aber noch verwertbar.

Auch vor Kerosinfeuer seien die Chips gut geschützt, der Metallmantel und die Thermoisolation hielten eine Stunde lang eine Temperatur von 1100 Grad Celsius aus, weitere zehn Stunden immer noch 260 Grad. «Was nach zwei Jahren im Salzwasser noch verwertbar ist, weiß aber bislang niemand», betont er. Der Voice-Recorder, der Stimmen und Geräusche im Cockpit aufnimmt, ist in ebenso einem sicheren Behälter.

Eingebaut wird die Blackbox in der Mitte oder im hinteren Teil eines Flugzeuges. Erfahrungsgemäß wird nämlich das Cockpit bei Abstürzen stärker beschädigt, als Heck und Mittelbereich. Unter Wasser sendet die Blackbox einmal in der Sekunde einen Sonarton, um gefunden zu werden - allerdings nur 30 Tage lang, da die Energie für länger nicht reicht.

Die Idee

Einer der Erfinder der Boxen war der Australier David Warren. Er baute 1957 einen Prototypen, den er Memory Flight Unit nannte. Das Gerät war einfach aufgebaut: Ein Stahldraht wurde durch einen elektrisch gesteuerten Schreibkopf magnetisiert. Gespräche im Cockpit ließen sich so sekündlich aufzeichnen sowie bis zu acht Flugdaten. Nach vier Stunden wurden die Daten wieder überschrieben. Schon damals wurde die Konstruktion in einem sicheren, stoßfesten Gehäuse verstaut.

Die damaligen Flugschreiber hatten noch wenig mit den heutigen High-Tech-Geräten zu tun. «Heute werden 1800 und mehr technische Parameter elektronisch aufgezeichnet», sagt Ritschel. Geschwindigkeit, jede Neigung der Maschine und jede Bewegung der Ruder oder Fahrwerke - alles werde automatisch erfasst. Der Flugweg solle möglichst exakt rekonstruiert werden. Zudem würden die Erkenntnisse auch helfen, künftige Flugzeuge noch sicherer zu machen.

rzf/som/sis/news.de/dpa

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