Netzneutralität Vorfahrtsinternet für Finanzkräftige

Die Nachfrage nach HD- und 3D-Content im Internet steigt. Doch wer zahlt für steigende Kosten des zunehmenden Datenvolumens? Die Netzbetreiber möchten Inhalteanbieter und Nutzer zur Kasse bitten. Das würde ein Mehrklassen-Internet rechtfertigen.

Videos verstopfen das Internet (Foto)
Jedes Jahr verdoppelt sich das Datenvolumen im Internet um 50 Prozent. Schuld daran ist unter anderem die Begeisterung für Videos. Bild: dpa

«Allein bei der Nutzung multimedialer Inhalte steht uns eine exorbitante Steigerung der Nutzungsraten bevor», blickt Holger Enßlin von Sky Deutschland in die Zukunft. Das Wissenschaftsmagazin Science geht davon aus, dass sich das Datentransportvolumen jährlich um 50 Prozent verdoppelt, die Telekom rechnet mit einer Steigerungsrate von 35 Prozent. Nicht nur weil Internetnutzer begeistert YouTube-Videos anschauen.

Die Kosten dafür wollen sich die Netzbetreiber zurückholen. Denn Einspeisegebühren, die die Inhalteanbieter zahlen müssen, und die Flatrate-Rechnungen der Nutzer reichten nicht. «Bei solchen Debatten sind wir als Betreiber immer die Bösen», echauffiert sich Thomas Grob, Fachmann für Regulierungsstrategie der Deutschen Telekom, beim Medientreffpunkt Mitteldeutschland in Leipzig. «Wir müssen die Netze aber auch ausbauen und damit finanzieren.» Und zwar unter der Prämisse, dass die Leistungskapazitäten in Zukunft dauerhaft an eine Grenze kommen, die heute nur zu Spitzenzeiten - etwa zur Fußball-Weltmeisterschaft - erreicht wird.

Die Flatrate-Angebote der Netzanbieter hätten Begehrlichkeiten bei den Kunden geweckt, die erfüllt werden müssten: Videos sollen genauso schnell abzurufen sein wie E-Mails. Für Heiko Zysk vom Medienkonzern ProSiebenSat.1 ist das hausgemachtes Elend: «Wer Kunden mit der billigsten Flatrate zu höchster Leistung an sich binden will, dem muss klar sein, dass der auch zugreift.» Gerade bei datenstarken HD- und 3D-Inhalten.

Schnelle Datenübertragung braucht einen Preis

Weil die Nachfrage kaum nachlassen wird, diskutieren die Netzbetreiber, Multimedia-Inhalte auf noch zu schaffende Überholspuren zu schicken. Das ruft Kritiker auf den Plan, die die Netzneutralität gefährdet sehen. Gehe es bei der doch darum, die Daten aller Nutzer gleichwertig zu übertragen - egal ob E-Mail oder Nachrichtenvideo. Ganz ohne Veränderungen und unabhängig davon, woher die Datenpakete kommen oder wohin sie gehen.

«Wir wollen die Neutralität nicht aufheben», sagt Thomas Grob. «Es muss aber erlaubt sein zu differenzieren und das muss einen Preis haben können.» Neutral ist das für ZDF-Justiziar Gregor Wichert faktisch nicht. Obendrein bestehe die Gefahr, dass die technische Weiterentwicklung ausgebremst werde, so Enßlin.

Doch was blüht damit dem Verbraucher? Muss der künftig mehr zahlen oder damit rechnen, dass seine Daten nur noch nachrangig übertragen werden? Oder zahlen die Inhalteanbieter beim eigenen Netzvertragspartner für die schnelle Übertragung, die ab dem KnotenDer wichtigste deutsche Internetknoten heißt De-Cix und steht in Frankfurt am Main. Er ist auf mehrere Rechenzentren in der Stadt verteilt. Ein solcher Internetknoten dient als Austauschpunkt für den Datenverkehr im Internet. zum Netzbetreiber des potenziellen Nutzers nicht mehr sichergestellt werden kann?

Gefahr für Meinungs- und Informationsfreiheit?

«Wir wollen das bisher bestehende Best-Effort-NetzDahinter steckt das Bemühen, Datenübertragung schnellstens im Rahmen der verfügbaren Ressourcen zu verwirklichen. Übertragungskapazität ist allerdings nicht unbegrenzt vorhanden. Es gibt also keine Garantie, dass die Daten fehlerfrei und vollständig übermittelt werden. Im heutigen Internet bedeutet das: Theoretisch steht jedem Nutzer die Bandbreite seines Anschlusses zur Verfügung. nicht einfrieren, sondern zusätzliche Kapazitäten für hochqualitative Übertragung schaffen, die bezahlt werden sollen», versucht Thomas Grob zu entwarnen. Allerdings nicht ganz überzeugend, denn ProSiebenSat.1-Vertreter Zysk lässt das Wort Missbrauch nicht unausgesprochen, sollten die Netzbetreiber die Übertragungsgeschwindigkeiten im Standardnetz künstlich verlangsamen oder missliebige Dienste - etwa Voice over IP - blockieren.

Darüber hinaus ist die Kritik laut geworden, dass die Meinungs- und Informationsfreiheit eingeschränkt würde. Einerseits weil viele Kleinunternehmen oder individuelle Webseitenbetreiber die Zusatzkosten für Datenübertragung mit Vorfahrtsrecht vielleicht nicht zahlen können. Andererseits weil der Nutzer die Kosten für das Premium-Angebot nicht zahlen kann oder will.

Obendrein hat das Prinzip der Vorfahrtsspuren bislang ein entscheidendes Problem: Es funktioniert nur, wenn alle Netzbetreiber an einem Strang ziehen. Denn für hohe Qualität nur bis zum Knoten vom Netzkonkurrenten zahlen, die von da ab vielleicht nicht zu halten ist, wird wohl niemand. Unklar ist zudem, wie kontrolliert werden soll, dass alle Betreiber auch Fremdangebote im Vergleich zu eigenen Diensten gleichrangig durchschleusen.

Der Verbraucher kann es jedenfalls nicht. Im Ernstfall könnte es für ihn aber bedeuten, nicht mehr alle Internetangebote nutzen zu können. Das wäre dann das Internet als Kabelnetzmodell, meint Gregor Wichert. Eingespeist wird viel, aber eben nicht alles. «Da sinkt natürlich das Interesse, das Best-Effort-Netz weiterzuentwickeln. Es ginge für die Netzbetreiber nur darum, die Inhalteanbieter möglichst auf die Überholspur zu bringen.» Eine Überlegung, die Thomas Grob nicht entkräften kann. Für ihn gilt: «Nur dadurch, dass ein Gut einen Preis hat, wird dem Endnutzer die Knappheit ins Gedächtnis gerufen.»

Doch wie viel wird der Verbraucher künftig zahlen müssen? In Leipzig blieb das unklar. ZDF-Justiziar Wichert räumte jedoch ein, dass die Kosten der Inhalteanbieter steigen, wenn Streams übermäßig stark frequentiert werden. So schwebte in Sachen Netzneutralität dann auch das Schreckgespenst für viele Zuschauer - die Rundfunkgebühren - wieder über der Debatte. Für private Medienhäuser hingegen wäre wohl der Bezahl-Content einziger Weg.

rzf/sgo/news.de

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Leserkommentare (1) Jetzt Artikel kommentieren
  • Lorin
  • Kommentar 1
  • 11.05.2011 12:18

Eine polnische Frau versteckt sich hinter mein Haus.Schon seit Monate hält sie sich versteckt da.Mehrmals griff sie mich an.Ich wurde dann wütend auf die Polin.Sie ist NLP Expertinn und glaubt sie kann mich vom weiten mit ihr Gehirn sehen.Weil sie das für Kinderporno braucht.

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