Kompaktkameras Fit für Facebook und Geotagging

In der Werbung der großen Elektronikmärkte werden sie dem Verbraucher zum Ramschpreis hinterher geworfen: Kompaktkameras. Was aktuelle Modelle wirklich können müssen und warum Smartphones keine Konkurrenz sind, lesen Sie hier.

Cybershot J10 (Foto)
Mit der Cybershot J10 springt Sony auf den Megapixelzug auf - 16.000 Bildpunkte bei kleinem Sensor werden geboten. Bild: Sony

Sie sind klein, sie sind leicht, sie sind einfach zu bedienen - Kompaktkameras sind ideale Begleiter für alle Gelegenheitsfotografen auf Schnappschusstour. Laut Stiftung Warentest sind vier von fünf Kameramodellen, die über den Ladentisch gehen, solche kompakten Knipsen.

Allerdings bekommen sie immer mehr Konkurrenz: «Kompaktkameras werden aus zwei Richtungen in die Zange genommen», sagt Andreas Jordan vom Fotomagazin, einer der größten deutschen Fotozeitschriften, zu news.de. Die eine Richtung seien Fotohandys, die andere bildeten die immer kompakteren Systemkameras. Allerdings sieht Jordan im Mobiltelefon keinen adäquaten Ersatz für eine echte Kamera.

Kompaktkameras : Von GPS bis Weitwinkel

Connectivity für den schnellen Austausch von Fotos

Eine gerade auf Flickr veröffentlichte Umfrage zeigt allerdings ein anderes Bild: Gerade das iPhone 4 verdrängt hier die herkömmliche Kompaktkamera, deren Verkaufskurven durchlaufen regelrechte Talfahrten. Die Pressesprecherin des Photoindustrie-Verbands Frankfurt, Constanze Clauß, steht den Ergebnissen der Fotocommunity skeptisch gegenüber. Für sie sind die mobilen Alleskönner eine Bereicherung für den Fotomarkt: «Viele Menschen kommen über Smartphones zur Fotografie und entdecken, wie wichtig ihnen Fotos sind.» Für den Schnappschuss reichten iPhone und Co. völlig aus, wer aber gezielt fotografieren will, greift nach wie vor zur Kamera.

Tatsächlich haben die kompakten Knipsen einiges von den Mobiltelefonen. Ein großer Trend ist derzeit unter dem Schlagwort «Connectivity» zusammengefasst, erklärt Clauß. Dahinter steckt die Möglichkeit, die aufgenommenen Bilder via Beamer oder Fernseher zu zeigen, an andere Kameras zu senden oder sie drahtlos per Wlan über Flickr, YouTube oder Facebook zu teilen. Dazu kommt eine Vielzahl von Filtern, mit denen künstlerische und witzige Effekte ins Bild gebracht werden können.

Geotagging verknüpft Fotos mit der Landkarte

Doch nicht nur von den Smartphones lernen die Kompakten. Auch von ihren größeren Kollegen: «Kompaktkameras decken immer größere Zoombereiche ab. Teurere Geräte bieten teilweise einen 16- bis 18-fachen Zoom», erklärt Jordan. Auch der Weitwinkelbereich werde immer weiter ausgebaut. Das ist besonders für jene ambitionierten Fotografen interessant, die mit ihrer Kompakten Landschaftsaufnahmen machen oder große Gebäude auf einem Bild einfangen wollen.

Damit Fotografen später genau wissen, wo ihre Schnappschüsse entstanden sind, sollten sie auf eine Kamera mit integriertem GPS-Empfänger setzen, der die Bilder direkt mit Geokoordinaten verknüpft. Später können die Fotos direkt einem Punkt auf einer Landkarte zugeordnet werden - Geotagging heißt das Zauberwort. In Zeiten von Google Maps und Co. ist das ein nützliches Feature.

Trend zurück zu den Megapixelmonstern

So viel Innovation steckt leider nicht auf ganzer Linie in den aktuellen Geräten: Prinzipiell gingen die Hersteller gerade zwei Wege, erklärt Fotospezialist Jordan: Auf dem Massenmarkt ist der Megapixelwahnsinn zurück, mit bis zu 16 Millionen Bildpunkten werden die Modelle beworben. Sie haben aber nur einen kleinen Bildsensor. Höherwertige Kompaktkameras kommen hingegen mit großem Sensor und wenigen Megapixeln auf den Markt. «Letzteres hat den Vorteil, dass die einzelnen Pixel größer sind, das Bildrauschen geringer ist und die Kamera auch bei erhöhten ISO-Werten eine gute Bildqualität liefert», erklärt der Experte. Bei den Modellen mit kleinem Sensor werde meist ein stärkerer Rauschfilter eingesetzt, dadurch gingen Bilddetails verloren.

Für Jordan sind zehn Megapixel in der Regel völlig ausreichend: «Das Auge kann bei optimalem Betrachtungsabstand zum Bild maximal sechs Megapixel auflösen - je größer ein Bild, desto weiter entfernt sich der Betrachter, um das Foto mit einem Blick zu erfassen.»

Jordan empfiehlt, sich nicht von großen Zahlen blenden zu lassen. Wer eine Kamera sucht, der sollte nicht nur auf Datenblätter schauen oder blind im Internet bestellen. Wichtig ist es, die Geräte selbst auszuprobieren. Dazu sollten die Tests der Fachmagazine ausgiebig studiert werden.

Weitere Informationen finden Sie in unserer Bilderstrecke.

Ideen, wie Sie ihre digitalen Bilder bearbeiten können, finden Sie im news.de-Dossier «Photoshop & Co.».

ham/som/ivb/news.de

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