E-Book-Reader Gefloppte Revolution

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Von news.de-Redakteurin Mandy Hannemann
Der Buchhandel hofft in diesem Jahr auf den Durchbruch des E-Book-Readers. Doch das ist nicht mehr als blinde Verzweiflung. Denn E-Book-Reader sind ein Flopp - weil die Buchbranche aufs falsche Pferd gesetzt hat.

Schneller, besser, digitaler. Die moderne Medienwelt macht auch vor dem gedruckten Wort nicht halt. E-Books und E-Book-Reader sollten die Welt des Lesens revolutionieren. Doch Buchhändler wie Technikentwickler sind mit dem Projekt kolossal gescheitert.

Immerhin kam der erste E-Book-Reader bereits 1999 auf den Markt. Doch das Gerät verschwand schon nach wenigen Monaten wieder aus dem Handel. Erst 2007 rückte das digitale Lesen wieder in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit - dank Amazons Kindle. Andere Hersteller folgten. Doch von Durchbruch keine Spur.

Digitales Lesen
E-Book-Reader im Überblick
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Warum die Welle der E-Book-Reader auch künftig nur vor sich hindümpeln wird, wenn sie nicht gar ganz abebbt? Am besten lässt sich das mit dem Begriff Apple-Faktor beschreiben. E-Book-Reader verströmen kein Lebensgefühl, zumindest wird es nicht verkauft. Es fehlt der Guru, der seinen Jüngern ein glamouröses Wertigkeitsgefühl unterjubelt.

Obendrein setzt die Branche auf die falsche Zielgruppe. Klar, E-Book-Reader sind schmaler und leichter als manche Bücher. Aber der Durchschnittsleser nimmt auch nicht acht dicke Papierschinken mit auf die Reise.

Einen echten Markt hätten die Geräte dagegen in Forschung, Wissenschaft und Studium. Denn wer die Wahl hat, ein sieben Kilogramm schweres Biologiekompendium mit sich herumzuschleppen oder das gesammelte Wissen digital abrufen zu können, der wird sich wohl für letztere Variante entscheiden. Der Mensch ist schließlich ein Kosten-Nutzen-Maximierer.

Doch da hat die Buchbranche ihre Chance verpennt. Das zeigt allein der schwelende Streit um Lizenzrechte, der vielfach noch immer verhindert, dass Hochschulbibliotheken das nötige Material digital zur Verfügung stellen können. Und dann ist da auch noch die digitale Konkurrenz: Smartphones und Tablet-PCs sind einfach viel praktischer. Da darf sich die E-Book-Branche nicht wundern, dass sie seit Jahren eigentlich ein Flopp ist.

kas/sis/news.de

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